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Scaramuccis Rauswurf : Zehn Tage unbedingter Liebe

  • -Aktualisiert am

Verspiegelte Sonnenbrille, mahnender Zeigefinger: Anthony Scaramucci war gleich auf Konfrontationskurs. Bild: Reuters

Es war ein kurzes Intermezzo: Trumps neuer Stabschef Kelly greift sofort durch und feuert den umstrittenen Kommunikationschef Scaramucci. Doch, dass er das Chaos im Weißen Haus beseitigen kann, ist mehr als ungewiss.

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          Kaum war John Kelly vereidigt, zitierte er Anthony Scaramucci in sein Büro. An seinem ersten Tag als Stabschef im Weißen Haus teilte der pensionierte General dem gebürtigen New Yorker mit, dass sein elfter Tag als Kommunikationsdirektor auch sein letzter sei. Plötzlich sollen die vulgären Beleidigungen und Drohungen des früheren Hedgefonds-Managers gegen das eigene Personal auch dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump missfallen haben, dem Scaramucci doch vor jeder laufenden Kamera seine unbedingte „Liebe“ erklärt hatte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Trumps Sprecherin teilte mit: „Der Präsident fand Anthonys Bemerkungen nicht angemessen für eine Person in dieser Position.“ Damit ließ sie offen, was Trump genau störte. Hatte Scaramucci seiner Meinung nach ein zu hohes Amt durch Gossensprache beschädigt? Oder fand der Präsident vielmehr, dass sich der Neue als kleiner Kommunikationsdirektor zu wichtig genommen hatte? Selbst treue Trumpisten in rechten Medien hatten vermerkt, dass Scaramucci Trump die Show stehle.

          Kelly jedenfalls untermauerte durch den sofortigen Rauswurf seine Autorität. Das Weiße Haus teilte mit, sämtliche Mitarbeiter des Präsidenten hätten sich fortan dem Stabschef unterzuordnen, der Trump bisher als Heimatschutzminister gedient hatte. Der Präsident sei „des Chaos und Durcheinanders im Weißen Haus überdrüssig“, analysierte sein Vertrauter Newt Gingrich im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“. Der frühere „Speaker of the House“ sah dabei über Trumps Twitter-Machtwort vom Morgen hinweg, in dem sich der Präsident unter anderem der guten Börsenkurse gerühmt und festgestellt hatte: „Kein Chaos im Weißen Haus!“

          Jedoch warnte Gingrich davor, überzogene Erwartungen an Kelly zu richten. „Trump mag ordentliche Strukturen, aber er behält sich natürlich das Recht vor, selbst Chaos zu verursachen. So funktionieren auch seine Golfplätze: Er findet, die Köche sollten kochen, die Fahrer sollten die Caddies fahren – aber das schränkt ihn nicht ein.“

          Trump kann „einfach nicht stillhalten“

          Kelly wird es genauso gelesen haben wie die Einschätzung von Trumps altem Freund Christopher Ruddy. Der Medienunternehmer bezweifelt, dass Trump wirklich alle seine Vertrauten und Berater, selbst die Tochter und den Schwiegersohn, fortan zwingen werde, zuerst Kelly zu fragen, wenn sie ihm einen Rat erteilen wollen. Der „Washington Post“ sagte Ruddy: „Dieser Präsident liebt es, Feedback und Informationen zu bekommen, und er mag dabei keine Befehlskette. Ich glaube nicht, dass sich das ändert.“ Einen namentlich nicht genannten Berater des Präsidenten zitierte dieselbe Zeitung mit der verzweifelt klingenden Feststellung: „Er kann einfach nicht stillhalten.“ Diese Beschreibung fand sich freilich nicht in dem Bericht über die Personalquerelen im Weißen Haus, sondern im neuesten Enthüllungsartikel über die Russland-Affäre. Denn die Zeitung will erfahren haben, dass der Präsident Anfang Juli gegen den ausdrücklichen Rat seiner Anwälte und seines Schwiegersohns Jared Kushner persönlich eine irreführende Erklärung formuliert habe, um Vorwürfe gegen seinen Sohn Donald junior zu ersticken.

          Doch das war fehlgeschlagen. Als der Präsident noch in Hamburg beim G-20-Gipfel war, hatte die „New York Times“ enthüllt, dass sich Trumps Erstgeborener sowie Kushner im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin getroffen hatten, die enge Beziehungen zum Kreml unterhält. Trumps Berater empfahlen danach offenbar einhellig maximale Transparenz. Doch die Erklärung, die der Präsident auf dem Rückflug nach Washington im Namen seines Sohns formuliert habe, beharrte darauf, dass es vornehmlich um Adoptionen gegangen sei – also Moskaus Weigerung, Amerikanern die Adoption russischer Kinder zu erlauben.

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