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Verhandlungen mit Amerika : Will der saudische Kronprinz die Atombombe?

  • Aktualisiert am

Kronprinz von Saudi-Arabien: Muhammad Bin Salman. Bild: Reuters

Saudi-Arabien steht in Verhandlungen über ein Atomprogramm mit den Vereinigten Staaten – ob das Königshaus dabei nur zivile Zwecke verfolgt, wird von manchen angezweifelt.

          Einem Bericht der Zeitung „New York Times“ zufolge hat der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA schon vor den jüngsten Erkenntnissen über die Verwicklungen des saudischen Thronfolgers Muhammad Bin Salman in den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi den Prinzen in einer anderen Angelegenheit beobachtet.

          Nach Erkenntnissen der Zeitung soll es Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Außen- sowie Energieministerium und der saudischen Regierung über den Kauf amerikanischer Entwürfe für Atomkraftwerke gegeben haben – angeblich in einem Umfang von bis zu 80 Milliarden Dollar. Der 33 Jahre alte saudische Kronprinz habe diese Verhandlungen beaufsichtigt.

          Alarmierend seien vor allem zwei Dinge gewesen. Einerseits habe das saudische Königshaus darauf bestanden, seinen eigenen Nuklearbrennstoff zu produzieren, obwohl dieser im Ausland billiger zu beschaffen wäre. Hoch angereichert kann dieser zur Produktion einer Atombombe verwendet werden. Zudem habe sich Saudi-Arabien nach Auskunft amerikanischer Offizieller geweigert, eine Einigung zu unterzeichnen, die Inspektoren der Vereinten Nationen den Zugang in das Land ermöglicht, um zu prüfen, ob tatsächlich eine Atombombe gebaut werde. Die amerikanische Regierung selbst will sich laut „New York Times“ derzeit nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Schon im vergangenen März sei Energieminister Rick Perry im Kongress dazu befragt worden. Dieser jedoch sei Nachfragen zu dem Vorgang ausgewichen.

          Amerikanische Politiker sorgen sich um einen solchen Handel mit dem saudischen Köngishaus – insbesondere im Zusammenhang mit dem im saudischen Konsulat in Istanbul getöteten Jamal Khashoggi. „Ihnen Flugzeuge zu verkaufen, ist das Eine. Aber es ist etwas ganz anderes, ihnen Atombomben oder die Fähigkeit diese zu bauen, zu verkaufen “, sagte der demokratische Abgeordnete und Mitglied des Ausschusses für internationale Beziehungen, Brand Sherman, der „New York Times“. Einem Land, dem eine Knochensäge nicht anvertraut werden könne, sei auch keine Atombombe anzuvertrauen, sagte Sherman in Anspielung auf die angebliche Zerstückelung von Khashoggis Leiche mit einer solchen Säge.

          Bin Salman äußerte sich schon im März zur Atombombe

          Die Sorge, dass Saudi-Arabien unter gewissen Umständen bereit sei, eine Atombombe zu bauen, wurde durch ein Interview des Kronprinzen Bin Salman mit dem amerikanischen Fernsehsender CBS im März befeuert. „Saudi-Arabien möchte die Atombombe nicht bekommen, aber es steht außer Frage – wenn Iran eine Atombombe entwickelt, werden wir so schnell wir möglich folgen“, sagte Bin Salman. Saudi-Arabien und Iran sind die entscheidenden Kräfte und Gegenspieler im Nahen Osten, die um Einfluss in der Region konkurrieren.

          Nach dieser Äußerung hätte man dem Prinzen jegliche Hilfe bei der Erlangung einer Atombombe versagen müssen, zitiert die „New York Times“ William Tobey, einen ehemaligen leitenden Beamten des Energieministeriums unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush. „Wir haben noch nie erwogen und schon gar nicht beschlossen, eine nukleare Kooperation mit einem Land einzugehen, das damit gedroht hat, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszutreten – auch nicht provisorisch.“ Dies müsste Saudi-Arabien, das den Atomwaffensperrvertrag ratifiziert hat, nach den Aussagen Bin Salmans tun, wenn sie auf den Bau einer Bombe Irans mit dem Bau einer eigenen Bombe reagieren wollten.

          Saudi-Arabien jedoch betonte in einem Statement gegenüber der „New York Times“, dass ein eigenes Atomprogramm ausschließlich für zivile und friedliche Zwecke genutzt werde. Man habe sich zudem wiederholt für einen atomwaffenfreien Nahen Osten ausgesprochen.

          Trump steht in der Kritik für seine Nähe zu Saudi-Arabien

          Die Erkenntnisse der „New York Times“ kommen zu einem Zeitpunkt, da der amerikanische Präsident Trump ohnehin in der Kritik für eine unangemessene Nähe zum saudischen Königshaus steht. Ihm wird vorgeworfen, aus wirtschaftlichen und strategischen Interessen Saudi-Arabien nach dem Mord an Khashoggi und den Erkenntnissen seiner eigenen Geheimdienste zu schonend zu behandeln, anstatt durch Sanktionen ein klares Zeichen zu setzen. Mehrere Senatoren kritisierten Trumps Haltung, unter anderem auch der republikanische Senator Lindsey Graham, der zuletzt eher als Anhänger des Präsidenten aufgefallen war. „Ich glaube fest daran, dass es im Kongress eine starke überparteiliche Unterstützung für ernsthafte Sanktionen gegen Saudi-Arabien geben wird, Mitglieder der königlichen Familie eingeschlossen, für diesen barbarischen Akt, der jegliche zivile Norm untergräbt“, schrieb er auf Twitter. Durch sein Verhalten sei der Kronprinz „toxisch“ geworden.

          Trump jedoch hatte in einer Erklärung vom Dienstag die politischen Bedenken gegen Saudi-Arabien zurückgewiesen. Der  Kronprinz bestreite jegliche Kenntnis am Mord Khashoggis, verteidigte ihn Trump. Die Erkenntnisse der eigenen Geheimdienste, wonach Bin Salman Kenntnis vom Mord Khashoggis gehabt habe, spielte Trump herunter: „Vielleicht hat er es gewusst, vielleicht nicht!“

          Am Donnerstag zweifelte der Präsident zudem die Berichte der CIA an, Bin Salman habe den Mord an Khashoggi selbst angeordnet. Die Leiter der Behörden hätten sich von Gefühlen leiten lassen, sagte Trump bei einer Thanksgiving-Feier in seinem Anwesen in Palm Beach, Florida. Auf Nachfrage, wer für den Mord an Khashoggi zur Verantwortung gezogen werden müsse, antwortete Trump: „Vielleicht muss die Welt zur Verantwortung gezogen werden, denn die Welt ist ein böser Ort.“

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