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Moskau widerspricht Washington : Russland wirft Amerika Öldiebstahl in Syrien vor

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten auf einem syrischen Ölfeld. Bild: Reuters

Satellitenfotos sollen den Schmuggel syrischen Staatseigentums nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums beweisen. Die Ölfelder im Osten des Landes sind seit langem begehrt und umkämpft.

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          Das russische Verteidigungsministerium hat den amerikanischen Truppen massiven Diebstahl großer Ölmengen aus Syrien vorgeworfen. Das Öl werde gefördert, abgefüllt und außer Landes gebracht, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Samstag einer in Moskau vom Verteidigungsministerium veröffentlichen Mitteilung zufolge.

          Die Behörde veröffentlichte Satellitenfotos, die den Schmuggel syrischen Staatseigentums beweisen sollen. Russland fordert seit langem den kompletten Abzug der amerikanischen Truppen aus Syrien.

          Das Verteidigungsministerium in Moskau widersprach damit offiziell der Darstellung Washingtons, nach der die amerikanischen Truppen die Ölquellen vor islamistischen Terroristen oder „anderen destabilisierenden Akteuren“ schützen würden. Das Pentagon hatte angekündigt, zusätzliche Truppen zum Schutz der Ölfelder im Osten Syriens zu schicken. Zu den „destabilisierenden Akteuren“ zählt Washington nach amerikanischen Medienberichten auch die syrische Regierung.

          Ministersprecher Konaschenko warf den Vereinigten Staaten „staatliches Banditentum“ vor. Die Ölquellen würden mit Waffengewalt besetzt. Es sei weder mit amerikanischem Recht noch mit internationalen Standards vereinbar, dem syrischen Volk seine Bodenschätze vorzuenthalten.

          Die Aufnahmen der russischen Weltraumaufklärung würden belegen, wie das Öl unter scharfer Bewachung von amerikanischen Soldaten in Tanklastzügen ins Ausland gebracht werde. Im Einsatz seien zudem private Militärfirmen. Der General wies zudem darauf hin, dass die Ölförderung unter Umgehung jener Sanktionen erfolge, die die Vereinigten Staaten selbst gegen Syrien verhängt hätten.

          Nach Berechnungen des russischen Verteidigungsministeriums machen die amerikanischen Strukturen mit dem illegalen Handel jeden Monat einen Gewinn von rund 30 Millionen US-Dollar. Konaschenko meinte, dass das Pentagon bei solch einträglichem Geschäft ohne Steuern und bei fehlender staatlicher Kontrolle die Felder wohl ewig ausbeuten werde.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper hatte gesagt, mit den zusätzlichen Militärkräften an den Ölfeldern in der ostsyrischen Provinz Deir Essor solle verhindert werden, dass die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) wieder Zugang zu den Einnahmen aus den Ölquellen erhalte. Das Verteidigungsministerium in Moskau warnte aber, keine der Ölquellen gehöre „den Terroristen des Islamischen Staats und noch weniger ’den amerikanischen Verteidigern der Terroristen des Islamischen Staats’, sondern ausschließlich der Syrischen Arabischen Republik“.

          Die IS-Miliz hatte die Ölfelder in der Provinz Deir Essor 2014 unter ihre Kontrolle gebracht und mit dem Öl viel Geld verdient. Allein das Al-Omar-Ölfeld nahe der Grenze zum Irak bescherte der Extremistengruppe nach amerikanischen Angaben bis zu 4,5 Millionen Euro pro Monat. Allerdings wurde Al-Omar wie auch andere von den Dschihadisten kontrollierte Förderanlagen schon bald durch Luftangriffe der amerikanisch geführten Anti-IS-Allianz zerstört.

          Nicht nur die IS-Miliz hat Interesse am Öl

          Mit Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte eroberten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Oktober 2017 Al-Omar und andere Ölfelder im Osten Syriens zurück. Das kurdisch-arabische Bündnis kontrolliert auch mehrere kleinere Öl- und Gasfelder im Nordosten Syriens. Einen Teil des Öls aus diesen Quellen verkaufte die Verwaltung der kurdischen Autonomieregion an den Irak und die syrische Regierung, um ihre Angestellten und Soldaten zu finanzieren.

          Im Februar 2018 wurden Medienberichten zufolge hunderte russische Söldner und syrische Milizionäre bei dem Versuch getötet, das von amerikanischen Truppen kontrollierte Conoco-Ölfeld einzunehmen. Russland äußerte sich nie offiziell zu dem Vorfall, doch sollen die Kämpfer der Söldnertruppe Wagner im Auftrag des staatlichen syrischen Ölkonzerns agiert haben. Die amerikanische Luftwaffe schlug den Angriff in in der Provinz Deir Essor zurück.

          Der Vorfall zeigt, wie begehrt und umkämpft die Ölfelder in Ostsyrien sind. Die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad leidet schon seit Jahren unter Energie-Versorgungsengpässen. Sie unterliegt seit Beginn des Bürgerkriegs einem internationalen Ölembargo. Seit Anfang des Jahres gelangen auch kaum noch iranische Öllieferungen nach Syrien. Nicht nur die IS-Miliz hätte daher ein Interesse, die Ölfelder in Deir Essor zu erobern.

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