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Russland-Untersuchung : Wer rettet Robert Mueller?

Doch aus der eigenen Partei bläst Trump bisher kein nennenswerter Gegenwind ins Gesicht. Graham, dem selbst Ambitionen auf den Sessel des Justizministers nachgesagt werden, hält still. Sein Freund John McCain ist im Sommer gestorben, andere republikanische Trump-Kritiker haben sich am Dienstag nicht mehr zur Wiederwahl gestellt, weil sie an der Basis den Finger in den Wind gehalten hatten und dabei feststellten, als republikanische Trump-Skeptiker nicht mehr mehrheitsfähig zu sein. Die Lektion haben auch die verbliebenen Senatoren gelernt.

Vielleicht würden sie sich doch noch wehren, wenn Whitaker nun gleichsam als erste Amtshandlung Mueller entließe. Doch viel wahrscheinlicher ist, dass Trumps neuer Mann im Justizministerium subtiler auf die Russland-Ermittlungen einwirkt. Einst hatte er laut darüber nachgedacht, dem Sonderstaatsanwalt das Budget zu kürzen. Stunden nach Schließung der Wahllokale hatte Trump auf Twitter eine Umfrage verbreitet, wonach etwas mehr Amerikaner Muellers „Hexenjagd“ ablehnen als gutheißen. Auch Whitaker hatte sich diesen Begriff voriges Jahr zu Eigen gemacht, als er in einem Meinungsbeitrag für CNN darlegte, dass Mueller zu weit ginge, wenn er sich mit Trumps Finanzen beschäftigen würde: „Das würde ernsthafte Sorgen verursachen, dass die Ermittlung des Sonderstaatsanwalts eine reine Hexenjagd war“, so Whitaker seinerzeit.

So schwer ihm das Warten erkennbar fiel, so gute Gründe hatte Trump doch, den ersehnten Rauswurf von Sessions auf den Tag nach der Wahl zu legen. Zunächst enthielt er den Demokraten damit weiteres Wahlkampffutter vor. Er nutzte die politische Großwetterlage, um die Nachricht untergehen zu lassen oder wenigstens nicht noch größer werden zu lassen. Er nutzte auch den Umstand aus, dass sich der Kongress jetzt bis zur Konstituierung der neuen Kammern Anfang Januar in einer Übergangs-, also Schwächephase befindet. Und nach der Wahl kann er den Zorn besser aushalten, den ihm der Schritt an der eigenen Basis einträgt.

Denn für Überzeugungstäter, denen weniger der Entertainer Trump als dessen Themen wichtig sind, ist Sessions‘ Rücktritt ein herber Verlust. Die Kommentatorin Ann Coulter, die mit ihrem Buch „In Trump We Trust“ den heutigen Präsidenten schon im Vorwahlkampf zu einer gottgleichen Figur für alle Migrationsgegner erklärt hatte, ätzte nun: Ohne Sessions gebe es jetzt niemanden mehr in Trumps Kabinett, der das Einwanderungsrecht tatsächlich durchsetzen würde. Auch die rechtspopulistische Website Breitbart weinte Sessions ausführlich nach – nicht dem Mann, der Trump die Russland-Ermittlungen eingebrockt haben soll. Aber dem Politiker, der schon lange vor Trumps Einstieg in die Politik einen ultraharten Kurs gegen illegale Einwanderer verfochten hatte, der im Amt eine harsche Law-and-Order-Politik forcierte oder der Polizisten vor jedem Rassismus-Vorwurf in Schutz nahm. Kurzum: dem Minister, der wie kaum ein anderer Trumps Parolen in Politik übersetzte. „Wir danken Justizminister Jeff Sessions für seine Dienste und wünschen ihm alles Gute!“, twitterte Trump am Mittwoch. „Ein dauerhafter Nachfolger wird zu einem späteren Zeitpunkt nominiert.“

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