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Russland und Amerika : „Leben wir in Nazi-Deutschland?“

Schon vor seinem Amtsantritt unter Druck: der designierte amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AP

Russland soll nach einem Geheimdossier über brisante Informationen über Donald Trumps Liebesleben und seine guten Verbindungen nach Moskau verfügen. Jetzt fragt sich ganz Amerika: Ist das Material echt?

          Die Tage vor seiner offiziellen Amtseinführung am 20. Januar hatte sich Donald Trump sicher anders vorgestellt. Glamouröser. Ehrfürchtiger. Stattdessen platzte am Dienstag ausgerechnet kurz vor seiner ersten Pressekonferenz vor der Hauptstadtpresse in New York ein politischer Sprengsatz, von dem noch nicht sicher ist, ob er nur die nächste Eskalationsstufe eines immer absurderen politischen Seifenoper bildet – oder ob er sich für Trump womöglich noch zu einer politischen Atombombe auswachsen könnte.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Denn nach einem Papier, das die amerikanischen Geheimdienstchefs Trump und seinem Vorgänger Obama vorgelegt haben sollen, verfügt die russische Regierung angeblich über kompromittierende Informationen über Trumps Beziehungen zu Russland, sexuelle Eskapaden und seine Finanzen, die ihn möglicherweise erpressbar machen könnten. Das Papier, das nach Angaben der „New York Times“ spätestens seit dem Herbst in Washington kursiert, basiert nach übereinstimmenden Berichten auf Memos eines früheren Agenten des britischen Geheimdienstes MI-6. Der Spion, der von den Geheimdiensten laut „New York Times“ als „kompetenter und zuverlässiger Agent mit umfassender Erfahrung in Russland“ eingestuft wird, soll das Dossier im Vorwahlkampf im Auftrag der Republikaner für eine Washingtoner Beratungsgesellschaft angefertigt haben, um Trump als Präsidentschaftskandidaten der Partei zu verhindern. Später sollen Anhänger von Trumps Kontrahentin Hillary Clinton das Unternehmen für seine Recherchen bezahlt haben.

          Das Dossier konnte bislang weder von den amerikanischen Geheimdiensten noch von den Medien verifiziert werden und enthält zudem orthografische und sachliche Fehler – es muss also mit großer Vorsicht behandelt werden. Doch selbst die Möglichkeit, dass es sich um wahre Behauptungen handeln könnte, erschien den Geheimdiensten offenkundig so brisant, dass sie Trump und Obama darüber unterrichteten.

          Und in der Tat: Die Vorwürfe in dem Papier wiegen schwer. So soll das Trump-Team während des Wahlkampfs einen engen Kommunikationsaustausch mit dem Kreml gepflegt haben – höchst brisant angesichts der Vorwürfe amerikanischer Geheimdienste, Russland habe sich mit Cyberattacken in den Wahlkampf eingemischt. Zudem beschreibt das Dossier mehrere Treffen von Mitgliedern des Trump-Teams und russischen Offiziellen, bei denen es unter anderem um einen russischen Hackerangriff auf das Democratic National Committee und den Leiter von Hillary Clintons Wahlkampfteam John Podesta gegangen sein soll. Wie die „New York Times“ berichtet, wird eine nicht näher identifizierte russische Quelle mit der Aussage zitiert, der Hackerangriff auf den Email-Server der Demokraten sei im vollen Wissen und mit der Unterstützung von Trump und führenden Mitgliedern seines Wahlkampfteams ausgeführt worden.

          Lob für den „führungsstarken“ Putin

          Im Gegenzug habe das Trump-Team Russland versprochen, dessen Intervention in der Ukraine im Wahlkampf zu unterstützen. Auch sollen russische Vertreter Trump nach Angaben der „New York Times“ „zahlreiche“ lukrative Geschäfte und auch Schmiergelder angeboten haben, um Einfluss über ihn zu gewinnen. Trump hatte den russischen Präsidenten Putin im Wahlkampf immer wieder als führungsstark gelobt und angekündigt, die Beziehungen zu Russland als Präsident stärken zu wollen.

          Ähnlich brisant sind Details über angebliche sexuelle Eskapaden Trumps bei einem Besuch im Jahr 2013 in Moskau. So soll Russland über schockierende Videos verfügen, die in einem Luxus-Hotel aufgezeichnet wurden, um Trump künftig möglicherweise zu erpressen, wie die Nachrichtenseite „BuzzFeed“ berichtet.

          Trump: „Leben wir in Nazi-Deutschland?“

          Ob die Anschuldigungen indes wirklich zutreffen und das angebliche Dossier echt ist, ist noch offen. Trump selbst wies die Berichte am Dienstag in aller Schärfe zurück. „Fake News – eine totale politische Hexenjagd!“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter und startete danach ein wahres Kurznachrichten-Feuerwerk. „Russland hat niemals versucht, Einfluss auf mich auszuüben“, twitterte er kurz darauf. Und dann, in Großbuchstaben: „Ich habe nichts mit Russland zu tun – keine Geschäfte, keine Schulden, überhaupt nichts.“ Wenige Minuten später legte er in der ihm eigenen Eskalationsstrategie noch einmal nach: „Die Geheimdienste hätten es nie zulassen dürfen, dass dieser gefälschte Bericht an die Öffentlichkeit durchsickern“, twitterte er – und fügte hinzu: „Ein letzter Schuss auf mich. Leben wir in Nazi-Deutschland?“.

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