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Russland-Affäre : Trumps Leute wollen Sonderermittler Mueller loswerden

  • -Aktualisiert am

Sonderermittler Robert Mueller: Er wird Präsident Trump zunehmend gefährlich. Deshalb wollen Trumps Anhänger Mueller nun loswerden. Bild: AFP

Die Ermittlungen von Robert Mueller nähern sich gefährlich dem Präsidenten. Nun wollen Trumps Unterstützer die Arbeit des Sonderermittlers erschweren – und ihn selbst zum Gegenstand einer Untersuchung machen.

          „Ich bin in Wirklichkeit auf niemanden wütend.“ Das stellte Donald Trump in einem kurzen Telefonat mit der Zeitung „New York Times“ am Mittwochnachmittag nochmals persönlich klar. Als am Montag sein ehemaliger Kampagnenchef Paul Manafort und dessen Stellvertreter Rick Gates angeklagt wurden und ein Geständnis des ehemaligen außenpolitischen Wahlkampfberaters George Papadopoulos dessen Kontakte nach Russland nachzeichnete, hatten Medien über einen vor Wut schäumenden Präsidenten berichtet. Seine eigenen Tweets hatten ihr übriges getan.

          „Gegen mich laufen keine Ermittlungen, wissen Sie“, sagte Trump der Zeitung. Zu den Anklagen gegen seine ehemaligen Mitarbeiter bekräftigte er in dem Gespräch: „Es hat nichts mit uns zu tun.“ Und, falls jemand Zweifel gehabt haben sollte: Der Präsident macht seine Arbeit gern. „Ich bin früh im Büro und verlasse es spät, es ist sehr reibungslos. Ehrlich gesagt, mir macht es wirklich Spaß,“ sagte Trump den Journalisten.

          Andere sind nach den Anklagen vom Montag weniger guter Dinge. Donald Trump sollte den Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, loswerden – was im Weißen Haus niemand öffentlich sagen würde, das verbreiten draußen seine Fürsprecher. Die Interessen des Präsidenten kompromisslos zu vertreten, so versteht Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon seine Rolle, seit er nicht mehr im Zentrum der Macht, sondern wieder im „Breitbart“-Büro sitzt. Den „Krieg“ für Trump als „Straßenkämpfer“ zu führen – das hatte Bannon kurz nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus in einem Fernsehinterview angekündigt. Sein Draht zum Präsidenten ist immer noch kurz – nachdem am Montag die Anklagen gegen Paul Manafort und Rick Gates bekannt wurden, telefonierten die beiden Männer miteinander.

          Bannon geht bislang nicht soweit, Trump dazu aufzufordern, Mueller zu feuern. Stattdessen soll er ihm mehreren Berichten zufolge eine Unterminierungsstrategie nahegelegt haben. Trump könnte dem Sonderermittler etwa Gelder zusammenstreichen oder ihm keine wichtigen Dokumente aus dem Weißen Haus mehr zur Verfügung stellen. Bannon findet auch, dass Trumps Anwälte keinen guten Job machen und dass der Präsident weitere Juristen ins Team holen sollte. In dem Telefonat soll Bannon laut dem Magazin „New Yorker“ über die Rechtsberater gesagt haben: „Die schlafen am Steuer.“

          Auf dem Capitol Hill ist die Stimmung bei den Republikanern gespalten – manche wollen die Mueller-Untersuchung am liebsten so schnell wie möglich enden sehen, andere betrachten sie als notwendiges Übel, das Trump am Ende auch entlasten könnte. „Ich weiß nicht, was sich verbessern sollte, wenn man irgendwie interveniert“, sagte Chuck Grassley, Republikaner aus Iowa, der im Senat dem Justizausschuss vorsteht, der Zeitung „Washington Post“. „Der Prozess muss einfach seinen Gang gehen.“ Steve Bannon warf der Partei indessen vor, nicht genug zu tun, um die Angriffe Muellers auf den Präsidenten zu stoppen. „Die Republikaner sind wie Kirchenmäuse“, sagte er am Tag nach den Anklagen. „Keine Unterstützung für den Präsidenten, vollkommen ohne Rückgrat.“

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