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Trump und die Russland-Affäre : „Eine nationale Schande!“

  • -Aktualisiert am

Erzürnt über die Russland-Ermittlungen: Donald Trump Bild: EPA

Donald Trump wettert weiter gegen die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller. Sein Rechtsberater Don McGahn versicherte unterdessen, dass er Mueller nichts Belastendes gesagt habe.

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          Don McGahn wollte die Wogen glätten – der Rechtsberater des Weißen Hauses versicherte, dass er dem Sonderermittler Robert Mueller nichts verraten habe, was Donald Trump schaden könnte. „Er hat ihn nicht belastet“, schrieb McGahns Anwalt Bill Burck den Juristen des Präsidenten in einer E-Mail. McGahn habe Trump nicht bei einer kriminellen Aktivität beobachtet – wenn dem so gewesen wäre, hätte er seinen Posten im Weißen Haus aufgegeben, hieß es laut der „Washington Post“ weiter.

          Zuvor war bekannt geworden, dass McGahn mehrmals stundenlang mit Mueller zusammengetroffen war. Der Sonderermittler untersucht, ob das Trump-Team im Wahlkampf 2016 mit Russen zusammenarbeitete und ob der Präsident anschließend versuchte, die Justiz zu behindern. Trump war wütend, weil die „New York Times“ berichtet hatte, McGahn habe Mueller detaillierte und potentiell schädliche Auskünfte gegeben. Die Ermittlungen verglich Trump am Wochenende mit der McCarthy-Zeit, als der „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ in den 1950er Jahren vermeintliche Kommunisten verfolgt hatte. „So viele Leben wurden für nichts ruiniert“, behauptete der Präsident am Sonntag auf Twitter. „McCarthyismus der schlimmsten Sorte! Mueller und seine Demokraten-Gang weigern sich, die Verbrechen der anderen Seite wahrzunehmen – die Medien sind sogar noch schlimmer!“

          McGahn hatte von Trump schon vor Monaten die Freigabe für eine Zusammenarbeit mit Mueller bekommen – dass er dann aber mindestens dreimal stundenlang mit dem Sonderermittler sprach, gilt als ungewöhnlich. Und es ärgerte Trump. Eines der Gespräche soll einen ganzen Tag gedauert haben. Dabei ging es auch um den Vorwurf der Justizbehinderung. McGahn hatte laut der „Times“ nicht nur positiv über den Präsidenten gesprochen – das Weiße Haus war über den Bericht alarmiert. Die anderen Hausjuristen wüssten nicht, was McGahn ausgesagt habe, hieß es zunächst – eine potentielle offene Flanke für den Präsidenten. McGahn wolle auch sich selbst schützen, indem er kooperiere, spekulierten Beobachter. Medien wie das „New York Magazine“ orakelten, ob der Chefjurist gar „umfallen“ könnte. Trump soll nicht klar gewesen sein, wie ausführlich der Rechtsberater am Ende aussagen werde. Er ging zudem davon aus, dass der Jurist sich in erster Linie gegenüber ihm loyal verhalten werde – McGahn versteht seine Aufgabe allerdings eher darin, Schaden von der Präsidentschaft und vom Land abzuwenden als von Trump persönlich.

          Für Trump galten die Gespräche zwischen Mueller und McGahn vor allem deshalb als gefährlich, weil der Sonderermittler sich auch Informationen über die Entlassung von James Comey erhoffte. Der ehemalige FBI-Chef war im vergangenen Jahr von Trump gefeuert worden. Zuvor soll Trump Comey zufolge versucht haben, ihn dazu zu bewegen, die Ermittlungen gegen den früheren Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Als McGahn seine Gespräche mit Mueller begann, nahm er sich einen eigenen Anwalt. Er hielt es für möglich, dass der Präsident ihm eine Mitschuld an seinem eventuellen Fehlverhalten geben würde. Beide haben schon seit einer Weile ein schwieriges Verhältnis. So soll Trump seinem Rechtsberater die Schuld daran zuschreiben, dass seine Einreiseverbote für Menschen aus bestimmten mehrheitlich muslimischen Ländern vor den Gerichten scheiterten. McGahn wiederum soll einen wenig schmeichelhaften Spitznamen für Trump haben: „King Kong“ nenne er ihn gern, berichtete das Magazin „The Hill“.

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