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Cyberangriff : Russische Hacker attackieren Trump-kritische Republikaner

Microsoft hat die getarnten Phishing-Websites entdeckt. Bild: AP

Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst nehmen offenbar neue Ziele in Amerika ins Visier. Das geht aus einem Bericht von Microsoft hervor. Diesmal trifft es nicht die Demokraten.

          Vor den Kongresswahlen im November scheinen russische Hacker wieder verstärkt zu versuchen, die amerikanische Politik zu beeinflussen. Das teilte der Softwarekonzern Microsoft mit, der nach eigenen Angaben zuvor mehrere gefälschte Websites unschädlich gemacht hatte. Demnach hatte dieselbe dem russischen Militärgeheimdienst GRU unterstehende Hackergruppe, die im Präsidentenwahlkampf 2016 die E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfdirektor John Podesta erbeutet hatte, unter anderen zwei Internetseiten gestaltet, die wirken sollten, als gehörten sie den Denkfabriken Hudson Institute oder International Republican Institute (IRI). Gewöhnlich wird solcher Aufwand getrieben, um Zugangsdaten und Passwörter von arglosen Nutzern zu erbeuten. Nach Microsoft-Angaben gibt es aber keine Beweise dafür, dass das geschehen ist.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Die Hacker könnten gehofft haben, dass ihnen einflussreiche Amerikaner in die Falle laufen. Der Rat des Hudson Institute etwa ist in der Regierung von Präsident Donald Trump gefragt. Das IRI ist in vielen Ländern der Welt tätig, um für Demokratie und Menschenrechte zu werben. Die beiden laut Microsoft attackierten Gruppen stehen dem russischen Präsidenten Putin sehr kritisch gegenüber – wie fast alle konservativen Kräfte in den Vereinigten Staaten außer Präsident Trump. IRI-Chef Daniel Twining beklagte, die Moskauer Kampagne sei „eindeutig darauf ausgelegt, Verwirrung, Streit und Angst unter denen zu stiften, die Putins autoritäre Herrschaft kritisieren“. Ferner fand Microsoft angeblich aus derselben Quelle stammende Websites, die Seiten des amerikanischen Senats nachempfunden waren.

          Seit 2016 hat allein Microsoft richterliche Genehmigungen zur Löschung von 84 Websites erwirkt, die von den GRU-Hackern geschaffen worden seien. Die entsprechende Gruppe wird international mit dem Kürzel APT28, dem Namen „Fuzzy Bear“ oder als „Strontium“ bezeichnet. Das Microsoft-Vorstandsmitglied Brad Smith sagte, nach zwei Jahren enger Zusammenarbeit mit der Justiz habe sich die Firma nun dazu entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, um auf die Zunahme der russischen Aktivität aufmerksam zu machen. Was Microsoft festgestellt und offengelegt hat, dürfte nur die Spitze eines großen Eisbergs sein. Trump spielt die Gefahr russischer Einflussversuche jedoch regelmäßig herunter. Sein Sicherheitsberater John Bolton legte am Sonntag nahe, neben Russland bedrohten auch China, Iran und Nordkorea die Kongresswahlen mit Cyberkampagnen.

          Die demokratische Senatorin Claire McCaskill, die in Missouri um ihre Wiederwahl kämpft, hatte kürzlich mitgeteilt, ebenfalls Opfer russischen „Phishings“ geworden zu sein. Als „Phishing“ bezeichnet man den Versuch, durch gefälschte Websites oder etwa E-Mails an vertrauliche Daten zu gelangen, insbesondere Passwörter. Auch Clintons Wahlkampfdirektor Podesta war 2016 in eine solche Falle gelaufen.

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