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Rücktritt von Tom Price : Durch Trumps Drehtür

Einige Mitglieder von Trumps Kabinett haben eine laxe Einstellung zur Verwendung von Steuergeld. Bild: AFP

Gesundheitsminister Tom Price ist nicht der erste Untergebene des amerikanischen Präsidenten, der hinwirft. Das ist auch auf Trumps Personalpolitik zurückzuführen.

          4 Min.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump ist seit acht Monaten im Amt und hat es bislang nicht geschafft, Ruhe in die Regierungsgeschäfte zu bringen. War schon seine Wahl verbunden mit großer Aufregung – die Rolle Russlands wird immer noch untersucht – so gerät auch die Auswahl seines Führungspersonals zu einem zunehmend größerem Problem.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Einer von Trumps Wahlkampfschlagern war das Versprechen, „den Sumpf trockenzulegen“. Die Politik in Washington sollte wieder der Bevölkerung dienen,  und die Politiker nicht mehr den Eindruck einer abgehobenen Kaste machen, die nur daran interessiert sind, sich am Staat zu bereichern und die es völlig kalt lässt, was die Probleme des Landes sind, so Trump bei vielen Wahlkampfveranstaltungen.

          Auf den ersten Blick könnte die Auswahl seines Führungspersonals dieses Versprechen durchaus als gelungen erscheinen lassen. Er holte viele Außenseiter, die mit der Politik bisher kaum zu zu tun und wenige Verbindungen auf den Capitol Hill hatten, den Sitz des amerikanischen Parlaments. Das ist jedoch nur der erste Blick.

          Den Vizepräsidenten belogen

          Auf den zweiten sieht man, dass es sich bei Trumps Personal um viele Multimillionäre und Generäle handelt, deren Verbindung zum Wähler fraglich ist, eine Trockenlegung „des Sumpfs“ also eher unwahrscheinlich. Außerdem war durch die Auswahl vieler Außenseiter nicht immer zu erkennen, welche Altlasten diese mitbrachten. Dazu kommt noch, dass Trumps Personalführung zu wünschen übrig lässt. Er tut sein Missfallen über eine bestimmte Person zwar gerne über Twitter aller Welt kund, doch der Person gegenüber ist er dem Vernehmen nach eher konziliant, und auch Entlassungen lässt er eher durch andere Personen vornehmen, so er den Betreffenden nicht so lange triezt, bis der von sich aus hinwirft. Es ist mithin nicht verwunderlich, dass der Eingang ins Weiße Haus unter Donald Trump eher einer Drehtür gleicht.

          Das erste Mal, dass Trumps Personalauswahl auf ihn zurückfiel, war die Entlassung seines Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn. Der ehemalige General war nur dreieinhalb Wochen im Amt, bevor er zugeben musste, dass er bis dato nicht angegebene Kontakte zum russischen Botschafter gehabt und darüber den Vizepräsidenten Mike Pence belogen hatte.

          Ende Juli kam es dann zu den tollen Tagen im Weißen Haus. Erst verließ Kommunikationsdirektor Michael Dubke seinen Posten, auf „persönlichen Wunsch“, wie es hieß. Dessen Nachfolger sollte Anthony Scaramucci werden, ein weiterer Millionär aus New York. Die Berufung ginge jedoch Präsidentensprecher Sean Spicer gegen den Strich, und er verabschiedete sich. Das Verhältnis zum Präsidenten war da allerdings wohl sowieso schon recht zerrüttet. Immer wieder musste Spicer vor die Presse treten und das Unerklärbare versuchen zu erklären. Oft sagte er dabei, er wisse bestimmte Sachen nicht oder müsse erst einmal nachfragen.

          Bannons Versprechen

          Der Nächste im Reigen war Reince Priebus, Stabschef im Weißen Haus. Auch mit ihm soll Trump schon unzufrieden gewesen sein, da er es nicht schaffte, zumindest nach außen hin Ruhe zu verbreiten. So kam es dem Präsidenten gerade recht, dass der neue Kommunikationschef Scaramucci eine persönliche Fehde gegen Priebus lostrat, und dieser daraufhin ebenfalls seinen Posten aufgab.

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