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Rücktritt von Tom Price : Durch Trumps Drehtür

Anthony Scaramucci wurde dann nach nur zehn Tagen im Amt Opfer seines allzu großspurigen Vorgehens. Auf Betreiben des neuen Stabschefs Michal Kelly musste Scaramucci das Weiße Haus wieder verlassen. Er hatte vorher in einem Telefongespräch mit einem Reporter andere Mitglieder der Trump-Administration unflätig beleidigt. So sagte er unter anderem, Präsidenten-Berater Stephen Bannon übe Oral-Verkehr an sich selbst aus, eine Umschreibung für dessen unterstellte Selbstverliebtheit.

Bannon hielt es denn auch nicht mehr lange auf seinem Posten. Am 18. August wurde bekannt, dass sich die Wege des Präsidenten und des rechten Scharfmachers trennen würden. Bannon kehrte auf seinen Posten bei der ultra-rechten Internetseite „Breitbart-News“ zurück, nicht jedoch ohne zu versprechen, dass er dort den Kampf für Trumps Agenda weiterführen werde. Wie amerikanische Medien berichteten hatte Bannon sich mit den eher moderaten Kräften unter Trumps Entourage angelegt und sein Abschied wurde als Sieg des Kreises um den Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner dargestellt.

Nur wenige Tage später entschied sich auch Bannons weltanschaulicher Vertrauter Sebastian Gorka, das Haus in der Pennsylvania Avenue 1600 zu verlassen. Nach diesem Schritt fiel er besonders durch rassistische Äußerungen auf.

Price war schon angeschlagen

In den Wochen, in denen dies alles vor sich ging, gab es ein weiteres Lieblingsziel für Trumps Tiraden auf Twitter, und das erste Mal traf es ein Mitglied seines Kabinetts: Justizminister Jeff Sessions. Trump nahm ihm übel, dass er die Einsetzung eines Sonderermittlers zu den Russland-Verbindungen seines Wahlkampfteams nicht verhindert hatte, sagte er der „New York Times“. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Mitarbeitern, die ihre Position nur Trump zu verdanken hatten, hatte Sessions mächtige Verbündete, die den Präsidenten davor warnten, ihn an die Luft zu setzen, wollte er nicht einen großen Teil seiner Unterstützer verprellen. Sessions konnte sich somit halten, wenn sein Ansehen bei Trump wahrscheinlich aber auch unwiederbringlich gesunken ist.

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Gesundheitsminister Tom Price hatte diese Unterstützung augenscheinlich nicht und musste gehen. Trump missfiel die Außenwirkung nicht, die dessen Verschwendung von Steuergeld hatte. Price war da aber schon angeschlagen, da er es nicht schaffte, sich als treibende Kraft hinter die Abschaffung der Gesundheitsgesetze von Trumps Vorgänger Barack Obama zu stellen. Ein Ansinnen, dass im Kongress wiederholt gescheitert ist. Die Flüge auf Kosten des Staates waren da nur der Anlass, sich von Price zu trennen.

Dessen Einstellung, was die Fortbewegung anbetrifft, scheint allerdings unter Trumps Kabinettsmitgliedern weit verbreitet zu sein. So werden auch Flüge von Innenminister Ryan Zinke, Finanzminister Steve Mnuchin und des Chefs der Veteranenbehörde, Davis Shulkin, derzeit untersucht. Sie alle sollen Regierungs- oder Privatflugzeuge für Reisen genutzt haben, die auch mit dem öffentlichen Verkehr oder mit kommerziellen Fluglinien hätten erledigt werden können – und die teilweise auch noch privaten Vergnügungen dienten.

Dass es auch anders geht, zeigt Bildungsministerin Betsy DeVos. Die Multimilliardärin reist in ihrem eigenen Flugzeug umher und zahlt die Kosten sowohl für sich, als auch für ihren Begleitschutz. Wie „Politico“ berichtet, seien die einzigen Kosten, die DeVos bislang in Rechnung gestellt habe, 184 Dollar für eine Zugfahrt gewesen. Amerikanischen Medienberichten zufolge will das Weiße Haus die Minister nun an die kurze Leine nehmen. Kein Flugzeug solle mehr genommen werden, ohne dass Stabschef Michael Kelly zugestimmt habe.

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