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Rücktritt von Michael Flynn : Der Erste verlässt das „House of Trump“

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Nach einem holprigen Start im Amt hat sich der Präsident von seinem ersten Top-Mitarbeiter getrennt. Der Rücktritt von Michael Flynn zeigt: Trumps Loyalität hat Grenzen. Schon bald könnten weitere Personalentscheidungen folgen.

          „You’re fired.“ Es ist dieser Satz, der Donald Trump während seiner Zeit als Reality-TV-Star in ganz Amerika berühmt gemacht hat. Als Boss fackelte er nicht lange, wenn es darum ging, Untergebene, die seinen Ansprüchen nicht genügten, vor die Tür zu setzen. Inzwischen ist er Präsident, und es hat keine vier Wochen gedauert, bis er sich von seinem ersten führenden Mitarbeiter getrennt hat.

          Am späten Montagabend (Ortszeit) gab Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn seinen Rücktritt bekannt. Nachfolger soll, so heißt es aus dem Weißen Haus, zunächst General Keith Kellogg werden. Der 72-Jährige ist ein hochdekorierter Vietnam-Veteran und war bereits am Planungsprozess von Trumps Präsidentschaft beteiligt. Trotzdem wird er die Position wohl nur übergangsweise ausfüllen. Der frühere CIA-Chef David Petraeus gilt als heißester Kandidat auf Flynns Nachfolge.

          Völlig überraschend kam Flynns Rücktritt nicht. Zu groß war der Druck auf den früheren General geworden, der vor allem wegen eines Telefonats mit dem russischen Botschafter in Washington in die Kritik geraten war. In dem Gespräch, das im Dezember – also noch vor Trumps Regierungsübernahme – erfolgte, soll Flynn der russischen Führung signalisiert haben, dass die kurz zuvor von Präsident Obama verhängten Sanktionen bald aufgehoben werden könnten – obwohl ein Gesetz es Privatbürgern verbietet, Staatsangelegenheiten mit ausländischen Regierungen auszuhandeln.

          Schwerwiegender als der mögliche Rechtsbruch dürfte in den Augen Trumps die Tatsache gewesen sein, dass Flynn mit seiner Aktion auch Vizepräsident Mike Pence in Schwierigkeiten brachte. Dieser hatte sich öffentlich vor Flynn gestellt und versichert, dass es in Flynns Telefonat nicht um Sanktionen gegangen sei. Später ließ Flynn verlauten, dass er sich nicht mehr erinnern und daher auch nicht ausschließen könne, dass doch über das Thema geredet worden sei. Pence stand blamiert da.

          „Unbeabsichtigt“ habe er den Vizepräsidenten und andere Personen „mit unvollständigen Informationen“ über sein Telefonat mit dem russischen Botschafter unterrichtet, heißt es jetzt in Flynns Rücktrittsschreiben. „Ich habe den Präsidenten und Vizepräsidenten aufrichtig um Entschuldigung gebeten und sie haben meine Entschuldigung angenommen.“

          Der Rücktritt von Flynn kratzt stark an Trumps Selbstverständnis einer brillanten Personalauswahl, mit der er sich gern brüstet

          In ihrer Dienstagsausgabe berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf Regierungs- und Geheimdienstkreise derweil, dass Flynn von Russland hätte erpresst werden können – eine Enthüllung, die weiteren Sprengstoff in die Sache bringt. Dass Moskau auch gegen Präsident Trump kompromittierendes Material in der Hand haben könnte, wurde zuletzt ja immer wieder spekuliert.

          Dass Trumps Loyalität zu Flynn eine Grenze erreicht hatte, war bereits in den letzten Tagen deutlich geworden. Präsidentenberater Stephen Miller hatte es am Wochenende in mehreren Interviews vermieden, dem Nationalen Sicherheitsberater den Rücken zu stärken und so den Eindruck erweckt, dass Flynns Rauswurf unmittelbar bevorstehe. Verschiedene amerikanische Medien zitierten zudem einen Mitarbeiter aus dem Weißen Haus, der in Bezug auf Flynn von „viel Unzufriedenheit“ in Trumps Führungszirkel berichtete. „The knives are out“, so der Informant. „Die Messer werden gewetzt.“

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