https://www.faz.net/-gpf-94qu2

Roy Moore : Missbrauchsvorwürfe? Und wenn schon!

  • -Aktualisiert am

Auch in der eigenen Partei ist der Hardliner Roy Moore umstritten. Bild: AFP

Roy Moore will heute gegen den Willen des republikanischen Establishments Senator von Alabama werden. Der Missbrauchsskandal hat ihm geschadet, trotzdem hat er gute Chancen die Wahl zu gewinnen – auch weil eine Wählergruppe zu ihm hält, von der man es nicht erwartet hätte.

          4 Min.

          „Das hier ist ernst“, sagt Barack Obamas Stimme am Telefon heute zu den Wählern in Alabama. „Ihr könnt das nicht aussitzen.“ Kurz nachdem sich Donald Trump entschlossen hatte, mit aufgezeichneten Telefonbotschaften für den republikanischen Kandidaten Roy Moore zu werben, nahm auch Obama einen solchen Appell auf. Das ist ungewöhnlich für den ehemaligen Präsidenten, der sich aus der aktuellen Politik meist heraushält – aber die Demokraten versuchen alles, um bei der heutigen Senatswahl ihrem Kandidaten Doug Jones zum Sieg zu verhelfen.

          Roy Moore setzte unterdessen auf vertraute Töne, als er am Montagabend noch einmal vor seinen Anhängern im ländlichen Alabama auftrat. „Es ist schwer, den Sumpf trockenzulegen, wenn man bis zum Hals in Alligatoren steht, und das tun wir. Wir sind bis zum Hals von Alligatoren umgeben, von Leuten, die keine Veränderungen in Washington wollen.“ Das „Trockenlegen des Sumpfes“ ist eines der wichtigsten Anliegen der Trump-Unterstützer. Moore signalisierte so auch dem Präsidenten Loyalität – denn der ehemalige Richter, der in den siebziger Jahren mehrere Teenager sexuell genötigt haben soll, konnte sich am Ende auch auf Trump verlassen. Am Wahltag griff der noch einmal den demokratischen Kandidaten auf Twitter an: „Die Menschen in Alabama werden das Richtige tun. Doug Jones ist für Abtreibung, schwach gegen die Kriminalität und bei den Themen Militär und illegale Einwanderung. Er ist schlecht für Waffenbesitzer und Veteranen und gegen die MAUER.“ Jones sei eine Handpuppe der Demokraten, aber Moore werde stets mit den Republikanern stimmen, schrieb Trump.

          Der Sender Fox News sieht Moore bei zehn Prozent Vorsprung – andere sagen ein knapperes Rennen voraus. Es geht um viel: Wenn Demokrat Doug Jones den Sitz im Senat gewinnen würde, dann würde die knappe Mehrheit der Republikaner auf 51 Stimmen zusammenschrumpfen, die Demokraten stünden bei 49 Stimmen. Die Spitzen der Partei hatten sich dennoch deutlich gegen Moore gestellt – sowohl Mitch McConnell als auch Paul Ryan, die führenden Republikaner in beiden Kammern des Kongresses, wollten ihn zum Aufgeben bewegen. Jeff Flake, republikanischer Senator und Trump-Kritiker aus Arizona, ging sogar noch weiter und sagte, er würde für den Demokraten stimmen, wenn er könnte. Condoleezza Rice, Republikanerin und ehemalige Außenministerin aus Alabama, wollte soweit nicht gehen – aber sie veröffentlichte am Montag einen Aufruf an die Wähler, „Bigotterie, Sexismus und Intoleranz zu widerstehen“ und Vertreter zu wählen, die sich „würdevoll, anständig und respektvoll gegenüber unseren Werten“ verhielten.

          Trotz der innerparteilichen Kritik müssen die Republikaner am Ende trotzdem hoffen, dass Roy Moore den Senatssitz holt. Schließlich bangen sie auch bislang schon um ihre Mehrheit im Senat: bei kontroversen Fragen muss Vizepräsident Mike Pence die entscheidende Stimme abgeben, wenn nur zwei Senatoren nicht mitstimmen. Falls Roy Moore allerdings in den Senat gewählt wird, dann will das republikanische Establishment zumindest ein Zeichen setzen und eine Ethik-Untersuchung anstrengen – Kritiker bezweifeln, dass das mehr sein wird als Symbolpolitik. Wenn Moore gewinnt, dann hat sich im innerparteilichen Kampf abermals die Rechte durchgesetzt – allen Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon, der mehr Nationalisten in den Kongress bringen will.

          Weitere Themen

          Gegen Abtreibungen, für Trump

          „March for Life“ : Gegen Abtreibungen, für Trump

          Donald Trump spricht als erster amerikanischer Präsident beim „Marsch für das Leben“, der jährlichen Demonstration der Gegner des geltenden Abtreibungsrechts. Die Aktivisten, von denen viele sonst Kliniken belagern, bereiten ihm einen warmen Empfang.

          „Er ist ein Diktator“

          Nadler über Trump : „Er ist ein Diktator“

          Zum Abschluss ihrer Plädoyers im Impeachmentverfahren gehen die Demokraten den Präsidenten hart an. Trump wolle „allmächtig“ sein, sagte der Demokrat Jerry Nadler – das dürfe nicht akzeptiert werden.

          Topmeldungen

          Warten auf Gäste: Türkische Taxifahrer an der syrisch-türkischen Grenze in Kilis im September 2019

          Flüchtlinge in der Türkei : Wer soll das bezahlen?

          Immer wieder weist der türkische Präsident Erdogan auf die hohen Ausgaben für die syrischen Flüchtlinge in seinem Land hin. Wie viel Geld steht der Türkei tatsächlich zur Verfügung?
          Von wegen sibirische Kälte: So weichen die mittleren Temperaturen im bisherigen Januar 2020 vom Mittelwert 1981 bis 2010 ab.

          Kalte Jahreszeit : Winterhitze

          Vergangene Woche war es zwar endlich etwas kälter, doch mit einem richtigen Winter wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.