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Romney und Trump : Eine lange Fehde

  • -Aktualisiert am

Eid vor Gott: Mitt Romney im Senat Bild: dpa

2016 hatte Mitt Romney versucht, Trumps Durchmarsch zu stoppen. Dann wollte Romney Trumps Außenminister werden. Jetzt stimmte er für die Amtsenthebung des Präsidenten. Die Fehde geht weiter.

          4 Min.

          Er wisse, dass es nun einsam um ihn werde, sagte Mitt Romney. Als einziger Republikaner hatte der Senator am Mittwoch dafür gestimmt, Trump des Missbrauchs seiner Macht schuldig zu sprechen und aus dem Amt zu entfernen. Dass es still um ihn werden würde, dürfte Romney dagegen nicht erwartet haben – er weiß schließlich, wie Trump tickt.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Präsident nahm am Donnerstagmorgen am „Nationalen Gebetsfrühstück“ teil und sagte: Er möge keine Menschen, die ihren Glauben nutzten, um Dinge zu rechtfertigen, von denen sie wüssten, dass sie falsch seien. Und er möge auch keine Menschen, die behaupteten, sie beteten für ihn, wenn dies gar nicht stimme. Letztere Bemerkung galt Nancy Pelosi, Trumps Gegenspielerin. Die andere war auf Romney gemünzt.

          Der Senator aus Utah hatte am Mittwoch kurz vor der letzten Sitzung des Senats als Tribunal das Plenum betreten und eine Erklärung abgegeben. Es war eine Rede für die Geschichtsbücher: Er habe als Geschworener einen Eid vor Gott geleistet, unparteiisch zu urteilen, sagte der Mormone. Er sei ein tief religiöser Mann. Sein Glaube sei der Kern seiner Persönlichkeit, fügte er hinzu, bevor ihm die Stimme brach. Er habe von Anfang an gewusst, dass er vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens stehe: ein Urteil über den Präsidenten, den Führer seiner Partei zu fällen. Das habe sich bestätigt.

          Dann stellte Romney die Frage, welche die Verteidiger des Präsidenten in dem Prozess verneint hatten: Habe Trump mit dem Versuch, Kiew zu Ermittlungen gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden zu ermitteln, ein Verbrechen einer Kategorie begangen, welche die Gründerväter im Sinn gehabt hätten, als sie den Notbehelf der Amtsanklage in die Verfassung schrieben? Romneys Antwort: Ja. Der Präsident habe eine ausländische Regierung gebeten, gegen seinen politischen Gegenspieler zu ermitteln. Und er habe Militärhilfe für das Land zurückgehalten, um es unter Druck zu setzen – ein Land, das ein Verbündeter Amerikas sei; ein Land, das sich im Krieg befinde.

          „Der Präsident hat sich eines empörenden Vertrauensbruchs schuldig gemacht“, befand Romney. Es handle sich um einen Angriff auf das Wahlrecht, die nationale Sicherheit und die Grundwerte Amerikas. „Eine Wahl zu manipulieren, um sein Amt zu verteidigen, ist wohl die eklatanteste Verletzung des Amtseids, die ich mir vorstellen kann.“ Romney votierte mit den Demokraten in der Abstimmung über den ersten Anklagepunkt: Amtsmissbrauch. Beim zweiten, der Behinderung des Kongresses, stimmte er wie die anderen Republikaner gegen einen Schuldspruch.

          „Die Partei muss Romney herauswerfen“

          Am Mittwochabend schlug zunächst Trumps Sohn zurück. Donald Trump junior ätzte, Romney sei als gescheiterter Präsidentschaftskandidat von 2012 immer noch verbittert darüber, nicht ins Weiße Haus gelangt zu sein. Die Republikanische Partei müsse ihn jetzt herauswerfen. Dann verbreitete der Präsident selbst auf Twitter ein Video, in dem Romney als „Geheimagent“ der Demokraten bezeichnet wird.

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