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Anklage von Ermittler Mueller : Roger Stone schwört Loyalität

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Roger Stone verlässt siegessicher das Justizgebäude in Fort Lauderdale. Bild: AFP

Die Anklage von Roger Stone zeigt, dass die Wahlkampagne von Donald Trump Kontakt zu WikiLeaks suchte. Doch gab es mit der Enthüllungsplattform auch eine direkte Zusammenarbeit?

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          Am frühen Freitagmorgen standen bewaffnete FBI-Agenten vor Roger Stones Tür in Fort Lauderdale in Florida – wenig später betrat der 66 Jahre alte Stone den Gerichtssaal in Handschellen. Von seinem sonst so flamboyanten Auftreten war nichts zu sehen – Stone trug statt eines teuren Anzugs Jeans und T-Shirt, wirkte mitgenommen und müde. Doch abends gab er schon wieder ein Fox-Fernsehinterview in Nadelstreifen und kündigte den „Kampf seines Lebens“ an. Entlassen gegen eine Kaution von 250.000 Dollar, die er nicht zahlen, sondern nur zusichern musste, hatte Stone beim Verlassen des Gerichts die Arme zum Victory-Zeichen gereckt. Den wartenden Reportern sagte er: „Das Einzige, was schlimmer ist als wenn über einen geredet wird, ist wenn nicht über einen geredet wird.“ Er werde auf „nicht schuldig“ plädieren – die Bundespolizisten hätten ohne guten Grund seine Familie terrorisiert.

          Die Anklage gegen Stone umfasst 24 Seiten. Sie geht auf die Ermittlungen von Sonderstaatsanwalt Robert Mueller zurück und wirft dem Politikberater falsche Aussagen vor dem Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses sowie die versuchte Beeinflussung von Zeugen vor. Stone ist ein für seine weit verzweigten Verbindungen und provokativen Aussagen berüchtigter Lobbyist. Einst bezeichnete sich der Mann mit dem Nixon-Tattoo auf dem Rücken selbst als „dirty trickster“, als Mann der schmutzigen Tricks also. Stone war in den Wahlkämpfen von Richard Nixon und Ronald Reagan aktiv. Schon seit den 1980er Jahren war er ein enger Vertrauter von Donald Trump. Kurzzeitig war Stone auch offizieller Mitarbeiter von Trumps Wahlkampagne. Im Sommer 2015 schied er aus, hielt aber weiter Kontakt zum späteren Präsidenten. Mit der republikanischen Partei brach er und ging zur Partei der Libertären. Doch er blieb ein loyaler Streiter für Trump, der die Mueller-Untersuchung auf Twitter wieder einmal als „Hexenjagd“ bezeichnete. Sein neuestes Buch heißt „Der Mythos der Russland-Verschwörung“.

          Im Mittelpunkt der Anklage gegen Stone stehen nun seine Verbindungen zu WikiLeaks, mit denen er wiederholt geprahlt, die er aber im Kongressausschuss auch heruntergespielt hatte. Am 22. Juli 2016 veröffentlichte die Enthüllungsplattform erstmals gehackte E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees. In der Anklage heißt es: „Nach der Veröffentlichung von gestohlenen E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees DNC am 22. Juli 2016 durch die Organisation 1 wurde ein führender Trump-Wahlkampfmitarbeiter angewiesen, Stone wegen weiterer Veröffentlichungen zu kontaktieren und zu fragen, welche weiteren belastenden Informationen Organisation 1 über die Clinton-Kampagne hatte. Stone unterrichtete die Trump-Kampagne dann über mögliche zukünftige Veröffentlichungen von belastendem Material durch Organisation 1.“ Die Formulierung macht klar, dass Sonderermittler Robert Mueller davon ausgeht, dass Stone sich bei seinen WikiLeaks-Kontakten mit dem Trump-Wahlkampfteam absprach.

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