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Anklage von Ermittler Mueller : Roger Stone schwört Loyalität

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Die Frage ist nun nicht nur, welcher Trump-Mitarbeiter Stone in Sachen „Organisation 1“ kontaktieren sollte, sondern wer diesen Mitarbeiter dazu anwies. Viele Kommentatoren waren sich einig, dass am ehesten der Präsident selbst oder sein damaliger Wahlkampfchef Paul Manafort Stone eine so wichtige Anweisung gegeben hätten – und dass sie auch die einzigen waren, die derart viel Vertrauen in ihn hatten. Stone war nicht nur Trumps Freund, er war jahrelang auch Manaforts Partner in der gemeinsamen Lobby-Agentur Black, Manafort und Stone. Deren Methoden und manche ihrer Klienten galten als moralisch fragwürdig.

Stones Kontaktmänner zu WikiLeaks waren Jerome Corsi und Randy Credico, die in den Gerichtsdokumenten Person 1 und 2 heißen. Während des Wahlkampfes war er über die beiden Mittelsmänner in Kontakt mit Assanges Leuten. Die Anklage gegen Stone stützt sich unter anderem auf E-Mails, die er mit dem konservativen Radiomoderator Credico wechselte – er soll auch versucht haben, diesen zu Falschaussagen zu überreden. Im Wahlkampf kündigte Stone bei Twitter mehrfach weitere WikiLeaks-Enthüllungen an. So schrieb er am 3. Oktober 2016: „Ich vertraue voll uns ganz darauf, dass @wikileaks und mein Held Julian Assange das amerikanische Volk bald aufklären werden. #lockherup“ Es gab zu diesem Zeitpunkt auch Erkenntnisse darüber, dass Computer der Demokraten von Russen gehackt worden waren.

Die amerikanischen Geheimdienste sehen keine direkte Verbindung zwischen dem russischen Geheimdienst und WikiLeaks, obwohl die Plattform auch von Russen gestohlene Mails publizierte. Und viele Beobachter werfen Julian Assange vor, dass seine Enthüllungen des öfteren russischen Interessen entgegen kommen. Assange beschimpfte Hillary Clinton und die Demokraten zudem im Sommer 2016 als „Neo-McCarthyisten“, die eine ungerechtfertigte Panik gegenüber Russland schürten.

WikiLeaks begann am 7. Oktober 2016, weitere gestohlene E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta zu veröffentlichen – Stunden, nachdem die Tonaufnahme öffentlich geworden war, auf der Donald Trump mit der mutmaßlichen sexuellen Nötigung von Frauen prahlte. Danach schrieb ein Mitarbeiter eines hohen Wahlkampfmanagers an Stone: „Gut gemacht.“ Und Trump sagte in einer Rede: „Ich liebe WikiLeaks“, bevor er Hillary Clintons Aussagen über Terrorismus aus den gestohlenen E-Mails zitierte. Laut dem Sender CNN nannte Trump im Wahlkampf rund 140 mal WikiLeaks in Reden oder Interviews.

Nun steht die Frage im Raum, was der Präsidentschaftskandidat von Stones Kommunikation mit der Enthüllungsplattform wusste und ob die Veröffentlichungen der DNC-Mails gar direkt mit Trumps Team koordiniert wurden. Wenn Mueller eine solche Koordination belegen könnte, dann würde das mindestens Wahlkampfregeln verletzten. Das Weiße Haus leugnete jede Verbindung zu Stones Aktivitäten. Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, die Anklage gegen den Lobbyisten habe nichts mit dem Präsidenten zu tun. Fest steht, dass beide lange Zeit ihre Ansichten und Schritte eng absprachen. In der Dokumentation „Get Me Roger Stone“ von Morgan Pehme sagte ausgerechnet Paul Manafort: „Es ist schwer zu unterscheiden, was von Roger kommt und was von Donald. Die beiden sehen die Welt auf sehr ähnliche Art.“ Noch gibt Stone diese Beziehung nicht auf, auch wenn er bald unter größeren Druck geraten könnte. Am Freitag sagte er, er werde nichts Belastendes gegen Trump aussagen: „Ich bin einer seiner ältesten Freunde. Ich bin ein enthusiastischer Unterstützer des Präsidenten.“

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