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Comeys Erinnerungen : Ein rechtschaffener Mann gegen Trump

James Comey hat einen genauen Anspruch an gute Führung, Donald Trump genügt dem nicht. Bild: AP

Der frühere FBI-Direktor beschreibt in seinem Buch die Anforderungen an gute Führung. Dem amerikanischen Präsidenten attestiert James Comey jedoch keine dieser Eigenschaften.

          4 Min.

          Mehr als 200 Seiten braucht es, bis endlich das kommt, wofür man James Comeys Buch aufgeschlagen hat: Die Verwicklungen des früheren FBI-Vorsitzenden in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2016 und seine nachfolgenden Erfahrungen mit dem jetzigen Präsidenten Donald Trump. Das heißt jedoch nicht, dass es Zeitverschwendung ist, die vorherigen Seiten von „Größer als das Amt – Auf der Suche nach der Wahrheit – Der Ex-FBI-Direktor klagt an“ (A Higher Loyalty – Truth, Lies, And Leadership) gelesen zu haben.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Auf ihnen beschreibt Comey in groben Zügen seinen Lebensweg bis zu dem Punkt, an dem er wohl allen politisch interessierten Menschen auch außerhalb Amerikas bekannt geworden ist. So schreibt Comey von seiner prägenden Erfahrung als Jugendlicher, als er und sein Bruder zu Hause von einem Mann überfallen wurden, der sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwang, sämtliche möglichen Geldverstecke in dem Haus zu offenbaren. Er erzählt von seiner Zeit in der Schule, als er von den stärkeren und älteren Jungen gehänselt und unterdrückt wurde, wie er später auf dem College selbst zu solch einem Unterdrücker wurde und von sich angewidert war.

          Seine berufliche Laufbahn zeigt Comey in Schlaglichtern auf. Seine Zeit als Anwalt und Staatsanwalt in New York und Virginia bilden die ersten rund einhundert Seiten. Danach folgt der zwar zeitlich kurze Abschnitt als stellvertretender Justizminister (2003-2005), in der sich jedoch eine der wohl meist berichteten Begebenheiten ereignete, die Comeys Rechtschaffenheit demonstrieren soll. Die Regierung von George W. Bush versuchte im Jahr 2004 den damals schwer erkrankten Justizminister John Ashcroft im Krankenhaus dazu zu bewegen, eine umstrittene Abhörermächtigung für die Geheimdienste zu erneuern.

          Die Juristen im Ministerium waren jedoch zu dem Schluss gelangt, diese sei fehlerhaft und dürfe in der Form nicht bestätigt werden. Comey beschreibt, wie er, als er von dem Vorhaben erfuhr, an Ashcrofts Krankenbett eilte und den Abgesandten des Weißen Hauses die Stirn bot. Letztlich setzte er sich mit seiner Auffassung durch, auch wenn die gesamte Regierung gegen ihn war, wie er es beschreibt. Die gleiche Erfahrung machte er dann noch einmal im Kampf um die Neufassung der Verhörrichtlinien im Kampf gegen den Terror. Wieder stand er gegen mächtige Gegner in der Regierung, die letztlich aber seinen Standpunkt anerkennen mussten.

          Den größten Block des Buches bildet Comeys Zeit als FBI-Direktor ab dem Jahr 2013. Diese Amtszeit wird wohl für immer mit den Untersuchungen der E-Mail-Affäre der früheren Außenministerin Hillary Clinton verbunden sein. Comeys Worten zufolge ging es dabei nicht darum, dass sie ein Mail-Konto außerhalb des Regierungsapparats nutzte, sondern dass darüber womöglich geheime Informationen ausgetauscht wurden.

          Comey legt dar, wie die Ermittler seiner Behörde in der „Angelegenheit“ – wie er von der damaligen Justizministerin Lynch angewiesen wurde, die Ermittlung zu nennen – vorgingen und wie er sich bemühte, den Amerikanern möglichst verständlich darzulegen, warum das FBI so handelte, wie es gehandelt hat. Im Rückblick, schreibt er, würde er nur die Art der Ergebnisverkündung – das keine Anklageerhebung empfohlen wird – ändern.

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