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Auswahl des Kandidaten : Wie die Republikaner Trump die Vorwahlen ersparen wollen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und seine Frau Melania am Mittwoch vor dem Pentagon während einer Gedenkveranstaltung zum 11. September. Bild: EPA

Im Kampf um eine zweite Amtszeit als amerikanischer Präsident hat Donald Trump inzwischen drei Gegenkandidaten aus der eigenen Partei. Doch Republikaner haben ihre Vorwahlen mittlerweile in vier Bundesstaaten abgesagt.

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          Mark Sanford spricht gern über Geld. Darüber, wie Präsident Donald Trump die Staatsschulden in die Höhe treibt, und darüber, wie er es besser machen und wieder Haushaltsdisziplin einführen würde. Viel mehr Republikaner wünschten sich einen Gegenkandidaten zum Präsidenten, als es den Anschein habe, glaubt Sanford. „Er und die Partei können die vielen Stimmen des Unmuts bald nicht mehr unten halten“, sagte er, als er am Wochenende als dritter Republikaner eine innerparteiliche Kandidatur gegen Trump ankündigte.

          In South Carolina, Sanfords Heimatstaat, sprechen seine Parteikollegen auch gern über Geld. Der Parteivorsitzende Drew McKissick sagte am Wochenende: „Angesichts von Trumps bisherigen Ergebnissen und der Tatsache, dass es keinen ernst zu nehmenden Gegenkandidaten gibt, haben wir entschieden, den Steuerzahlern 1,2 Millionen Dollar zu sparen und auf eine Vorwahl zu verzichten.“ Das bedeutet: Ausgerechnet dort, wo Sanford von 2003 bis 2011 Gouverneur war und wo die erste republikanische Vorwahl des Südens stattfinden würde, wird es keine geben.

          Nicht einmal im eigenen Bundesstaat den Partei-Rückhalt

          Der 59 Jahre alte Sanford, der bis zur letzten Kongresswahl im Repräsentantenhaus saß, hat also nicht einmal in seinem Bundesstaat den Rückhalt seiner Partei. In erster Linie liegt das daran, dass die Republikaner nahezu geschlossen ihren Präsidenten unterstützen. Der erreicht unter den Wählern der Partei fast 90 Prozent Zustimmung. Sanfords Karriere erholte sich aber auch nie wieder von dem Skandal, der ihm 2009 den Spitznamen „Luv Guv“ einbrachte. Damals verschwand er für mehrere Tage und behauptete, auf einer Wanderung in den Appalachen zu sein, während er sich mit seiner Geliebten in Argentinien traf. Weder seine damalige Ehefrau noch seine Mitarbeiter wussten, wo Sanford wirklich war – die Affäre wird in der Berichterstattung über ihn bis heute immer erwähnt. Seinen Sitz im Repräsentantenhaus verlor Sanford schließlich, weil Trump bei der Vorwahl 2018 Wahlkampf für dessen innerparteiliche Gegnerin Katie Arrington machte.

          Der Republikaner Mark Sanford fordert Donald Trump heraus.

          Inhaltlich will sich Sanford vor allem dadurch von Trump absetzen, dass er finanz- und wirtschaftspolitische Argumente vorbringt, die vielen Republikanern gefallen sollen. Manche Konservative halten Sanford deswegen für einen potentiellen „Retter in der Not“, auch wenn die weitaus meisten Republikaner nicht vor ihrem Präsidenten gerettet werden wollen. Jennifer Rubin, konservative „Washington Post“-Kolumnistin, spekulierte: „Mark Sanford könnte die letzte Chance der Republikaner sein“. Die republikanische Parteistrategin Liz Mair schrieb in der „New York Times“, Sanford könne für Trump „gefährlicher“ sein als andere Kandidaten, weil er sich nicht nur am Präsidenten abarbeite. Außerdem könnte sich der ehemalige Gouverneur als vernünftigere Alternative zu Trump anbieten, weil er beispielsweise den Klimawandel nicht leugne und für „geregelte Einwanderung“ sei. Insgesamt sei Sanford weit „nuancierter“ als Trump, argumentierte Mair.

          Daraufhin spottete Kathleen Parker von der „Washington Post“, ob damit vielleicht die „Nuancen zwischen Argentinien und dem Appalachian Trail“ gemeint sein könnten. Sanford habe die Bürger einmal kalkuliert belogen, er könne nur gegen einen Mann wie Trump als gute Alternative gelten. Selbst, wenn Sanford unter günstigeren Umständen antreten würde – sein vor zehn Jahren gezeigter Mangel an Urteilsvermögen würde ihn vermutlich immer behindern.

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          Vor Sanford erklärten schon Bill Weld, ehemaliger Gouverneur von Massachusetts, und Radio-Talkmaster Joe Walsh, dass sie gegen den Präsidenten antreten wollen. Der 74 Jahre alte Weld ist in der Partei ein Außenseiter, unterstützt etwa das geltende Recht auf Schwangerschaftsabbrüche und warnt davor, dass Trump seine Macht autokratisch ausbaue. Walsh ist ein ehemaliges Mitglied des rechten „Tea Party“-Parteiflügels. Der 57 Jahre alte Politiker gehörte dem Repräsentantenhaus von 2011 bis 2013 an. Er wurde vor allem dadurch bekannt, dass Comedian Sascha Baron Cohen ihn dazu brachte, für ein „Kinderguardians Program“ zu werben, das angeblich Kleinkinder bewaffnen wollte. Weld und Walsh gelten dementsprechend als chancenlos.

          In vier Bundesstaaten werden sie sich nicht einmal zur Wahl stellen können. Am vergangenen Wochenende beschlossen die Republikaner nicht nur in South Carolina, sondern auch in Nevada, Kansas und Arizona, keine Vorwahl abzuhalten. Bei Vorwahlen bestimmen die Republikaner Delegierte für den Parteitag, der den Präsidentschaftskandidaten nominiert. Es gibt aber keine Vorschrift, die Parteien verpflichten würde, die Delegierten auf diesem Weg zu benennen.

          Es ist deswegen nicht unüblich, dass Demokraten wie Republikaner diese Abstimmungen vermeiden, um ihren Präsidenten die Wiederwahl zu erleichtern. Im Jahre 1992 sagten die Republikaner in acht Bundesstaaten beispielsweise ihre Vorwahlen ab. Damals forderte Pat Buchanan George H.W. Bush heraus. Im Jahre 1996 waren es die Demokraten, die in acht Staaten keine Primaries oder Caucus-Abstimmungen veranstalteten, um Bill Clintons Weg zur zweiten Amtszeit zu erleichtern. Auch 2004 und 2012 sagten Republikaner und Demokraten jeweils in zehn Bundesstaaten die parteiinternen Vorwahlen ab, um die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama zu stärken. Dass die Republikaner nun mehrere Primaries absagten, ist also kein ungewöhnlicher Schritt, zumal die Mehrheit der Partei ohnehin hinter Trump steht. Weitere Bundesstaaten könnten bald folgen.

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