https://www.faz.net/-gpf-8jkgi

Republikaner-Parteitag : Vereint nur im Hass auf Hillary

  • -Aktualisiert am

Dem Original so nah: Tiffany Trump liebt ihren Vater über alles. Bild: AP

Es ist amtlich: Donald Trump ist der Kandidat der Republikaner für die Präsidentenwahl. Seine Kinder rücken ihn in ein schönes Licht. Sein Triumph gefällt nicht allen.

          6 Min.

          Die Kapelle spielt „New York, New York“, begeisterte Delegierte aus Kalifornien tanzen auf Polsterstühlen, und Hunderte Hände halten Schilder in die Höhe: „Make America Great Again!“ Anderthalb Stunden nach Beginn der formalen Abstimmung hat Donald Trump die Schwelle zur absoluten Mehrheit der Delegiertenstimmen überschritten. Jetzt ist er amtlich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Es ist ein historischer Augenblick – und sei es nur, weil die Clinton-Kampagne und Donald Trumps Kinder plötzlich in ihrer Einschätzung übereinstimmen. Der Republikaner-Parteitag sei „komplett surreal“, erklären die demokratischen Gegner in einer Pressemitteilung. Donald Trump Junior und seine Schwester Ivanka sagen dasselbe.

          475 Stimmen für Ted Cruz

          Don, wie Trumps ältester Sohn meist genannt wird, hatte den Durchbruch selbst verkünden dürfen. Mit seinen Geschwistern Ivanka, Eric und Tiffany steht er an der Spitze der aufgeregten Menschentraube aus New Yorker Wahlleuten. Ein bisschen wirkt es, als hätte die Familie eine gigantische Überraschungsparty für ihren Patriarchen organisiert. „Es ist mir eine Ehre, Donald Trump heute mit 89 Stimmen über die Schwelle zu tragen“, verkündet Don junior feierlich. „Herzlichen Glückwunsch, Papa! Wir lieben dich!“

          Hunderte Delegierte feiern nicht mit. Seit sich Gerald Ford vor vierzig Jahren nur knapp gegen Ronald Reagan behauptete, sind auf einem Republikaner-Parteitag nicht so viele Stimmen gegen den siegreichen Kandidaten abgegeben worden. Trump fehlen 721 der 2472 Stimmen. Die Anhänger der unterlegenen Kandidaten wussten natürlich, dass die Schlacht längst verloren war. Doch in allen Ecken des Saals brach jedes Mal Jubel aus, wenn ein Staat eine erkleckliche Zahl von Stimmen für den religiös-konservativen Ted Cruz verkündete. 475 Stimmen bekommt der Texaner – nur gut ein Viertel dessen, was Trumps Unterstützer auf die Waage bringen. Aber Cruz ist jung, und der texanische Senator dürfte bereits auf die Wahl im Jahr 2020 schielen.

          Viele der Delegierten tun sich mit der Liebe zu Trump schwerer als die Abordnung aus Texas.

          Ohios Gouverneur John Kasich landet erwartungsgemäß knapp vor Marco Rubio bei kläglichen 120 Delegiertenstimmen. Doch gut ein Dutzend Wahlleute aus der Delegation seines Staates jubelt jedes Mal frenetisch, wenn aus einem der anderen 55 Staaten und Territorien auch nur eine Stimme für Kasich abgegeben wird. Die Stimmung erinnert an einen fröhlichen Betriebsausflug. Aber ein älterer Delegierter aus Pennsylvania, der mit seiner „Make America Great“-Mütze unmittelbar vor der Ohio-Truppe sitzt, hält es kaum aus.

          Kasich-Anhänger machen Trump-Fan wahnsinnig

          „Wo ist er denn, euer toller Gouverneur?“, schreit er nach hinten. Denn John Kasich boykottiert den Parteitag. Von früh bis spät absolviert er außerhalb der Veranstaltungshalle Termine, trifft Delegationen, diskutiert mit der Hispanischen Handelskammer oder bespricht sich mit Spitzenpolitikern seiner Partei. Anstatt Kasich zu ignorieren und über die Misstöne im Lobgesang auf die Einheit der Partei hinwegzusingen, hat Trumps Wahlkampfmanager den Gouverneur als „bockig“ und „peinlich“ beschimpft. Trumps Problem ist, dass noch nie ein Republikaner ins Weiße Haus ziehen konnte, der in Ohio verloren hat. Dort aber ist Kasich nicht nur populär, sondern er kontrolliert auch den Parteiapparat, der im November für die Wählermobilisierung sorgen muss.

          Weitere Themen

          Ausgangssperre nach schweren Unruhen Video-Seite öffnen

          Gespräche in Ecuador geplant : Ausgangssperre nach schweren Unruhen

          Die seit Tagen anhaltenden Ausschreitungen in Ecuador nehmen kein Ende - nun soll es erste Gespräche zwischen den Demonstranten und der Regierung geben. Nach schweren Unruhen in der Hauptstadt Quito verhängte Präsident Lenín Moreno eine Ausgangssperre.

          Anfangsverdacht gegen Giuliani

          Ukraine-Affäre : Anfangsverdacht gegen Giuliani

          In der Ukraine-Affäre gerät Rudy Giuliani zunehmend unter Druck, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in New York. Präsident Trump ist noch unschlüssig, ob er weiterhin zu seinem Anwalt stehen soll.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.