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Republikaner in Amerika : Die Trump-Partei

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Die Mehrheit der Republikaner hält sich auch auf anderen Themenfeldern mit Kritik zurück. „Die Republikaner werden stillhalten, statt Trump zu kritisieren. Das ist ein Impuls, der auf Selbsterhaltung abzielt, aber gleichzeitig ihre Grundwerte und Normen untergräbt“, kommentierte die „Washington Post“. Es gebe innerhalb der Partei immer weniger Raum für Diskussionen – die einstige Vielfalt der Meinungen sei nicht mehr vorhanden.

Bob Corker warnt vor Trump-Kult

So sind es fast ausschließlich diejenigen, die bei den Kongresswahlen im November nicht zur Wahl stehen, die den Präsidenten deutlicher kritisieren. Senator Bob Corker aus Tennessee, der nicht wieder antritt, warf seinen Kollegen kürzlich etwa vor, dass sie Trumps Strafzoll-Politik nicht zurückwiesen. Und am Mittwoch sagte Corker, der den Auswärtigen Ausschuss leitet: „Wir sind in einer merkwürdigen Situation. Es wird immer mehr zu einer Kult-ähnlichen Angelegenheit. Es tut keiner Partei gut, einen regelrechten Kult um den Präsidenten zu machen.“

Die Umfragen geben unterdessen Trump Recht. Seine allgemeinen Zustimmungswerte sind seit seiner Wahl im Durchschnitt der verschiedenen Institute um etwa acht Prozent gestiegen, er erreicht um die vierzig Prozent in der Gesamtbevölkerung. Laut dem Sender CNN ist der Zuwachs vor allem den republikanischen Wählern zu verdanken – viele innerparteiliche Trump-Kritiker ließen sich umstimmen. Demnach stehen 85 Prozent der republikanischen Wähler nun hinter dem Präsidenten. Höhere Werte erreichte nur George W. Bush, und das auch nur zeitweilig nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001.

Ob der wachsende Rückhalt für Trump in der republikanischen Partei allerdings am Ende auch bei den Wahlen im November von Nutzen ist, ist nicht klar. Die Demokraten wollen gerade diese Stärke Trumps in eine Schwäche der Partei und ihrer Kandidaten vor Ort verwandeln. Dass mit Corey Stewart nun ein von Trump unterstützter Rassist als Senats-Kandidat nominiert wurde, wollen sie nutzen. David Bergstein, Sprecher der Demokratischen Kampagne für den Senatswahlkampf, sagte: „Diese katastrophale Personalauswahl wird den Republikanern noch viel Kopfschmerzen bereiten, denn sie müssen sich entscheiden, ob sie diese Leute unterstützen und sie zu ihren Aushängeschildern machen.“ Die Trump-Anhänger tun das bereits: Propagandisten der „Alt-Right“ wie Mike Cernovich und Jack Posobiec feierten den Erfolg von Corey Stewart mit ihren Hunderttausenden von Twitter-Followern. Doch da dieser Teil von Trumps Basis nicht repräsentativ für alle konservativen Wähler ist, könnte die Partei in manchen Wahlkreisen vor einem Dilemma stehen: Einen Teil ihrer Unterstützer könnte sie vielerorts wieder verprellen – je nachdem, ob sie sich für die Trump-Linie oder für moderatere Kandidaten entscheidet, die klassisch republikanische Positionen wie die Unterstützung des Freihandels vertreten.

„Wir sind die Partei von Donald J. Trump“: Katie Arrington freut sich über ihren Wahlerfolg

Unterdessen machen die Demokraten auf regionaler Ebene weiter Boden gut: In Wisconsin gewannen sie am Dienstag einen Sitz im Senat des Bundesstaaes, und zwar in einem Wahlkreis, der 2016 mit 16 Punkten Vorsprung an Donald Trump ging. Es ist der 43. Sitz oder Posten in einer Wahl auf Bundesstaats-Ebene, den die Demokraten von Republikanern zurück eroberten, seit Trump Präsident ist.

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