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Reaktion der Demokraten : Vielstimmig gegen Trump

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Abrams ging auch auf die jüngsten Bemerkungen des republikanischen Senats-Mehrheitsführers Mitch McConnell ein. Der hatte gesagt, dass Versuche, das Wählen zu erleichtern (unter anderem durch einen Feiertag am Wahltermin), einen „power grab“ der Demokraten darstellten – einen aggressiven Griff nach der Macht also. Das sei zynisch, sagte Abrams. Der Kampf gegen die real stattfindende Unterdrückung von Wählern sei „der nächste große Kampf unserer Demokratie“. Sie selbst hatte im November nicht sofort ihre Niederlage gegen Brian Kemp eingestanden, nachdem Vorwürfe der Wahlmanipulation laut geworden waren. Kemp hatte die Wahlbehörde in Georgia beaufsichtigt und diesen Posten auch als Gouverneurs-Kandidat nicht geräumt. Abrams' Kampagne gilt bei den Demokraten trotz der Niederlage als Vorbild für künftige Wahlkämpfe, weil sie sich nicht darauf einließ, das Werben um weiße Wähler in den Vorstädten und die Mobilisierung von Afroamerikanern als Widerspruch zu behandeln.

Die Demokraten wiederum wollten am Dienstag nicht nur mit der Rede von Stacey Abrams zeigen, wie viel repräsentativer für die breite Masse ihre Partei sei. Den überwiegend weißen und männlichen Republikanern setzten sie nicht nur Abrams entgegen, sondern auch ihre inzwischen zahlreichen, demonstrativ weiß gekleideten Volksvertreterinnen – in Amerika war weiß die Farbe der Emanzipationsbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch mit der Auswahl ihrer Gäste zu Trumps Rede wollten viele ein Zeichen setzen. Die Sprecherin der Abgeordnetenkammer, Nancy Pelosi, lud Transgender aus dem Militär ein – gerade hatte der Oberste Gerichtshof einige Hindernisse für Trumps Transgender-Bann in den Streitkräften ausgeräumt. Als Gäste von Demokraten nahmen auch Bürgerrechtler, Überlebende von Waffengewalt und Aktivistinnen für Frauenrechte teil.

Sanders hat das letzte Wort

Stacey Abrams war unterdessen nicht die einzige Demokratin, die am Dienstag auf Trumps Auftritt antwortete. Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris sprach bei Facebook bereits vor der „State of the Union“-Rede live zu ihren Anhängern. Die Stärke der Nation liege „nie in den Mauern, die wir bauen, sondern in unserer Vielfalt und unserer Einigkeit“, sagte Harris. Der Justizminister von Kalifornien, Xavier Becerra, war ausgewählt worden, um die spanische Erwiderung auf den Präsidenten zu liefern. Becerra, der bereits 45 Verfahren gegen die Trump-Regierung eröffnet hat, hatte schon 2007 eine SOTU-Rede von George W. Bush gekontert. Am Dienstag sprach er zeitgleich mit Stacey Abrams. Dunkle Wolken folgten Trump, wohin er auch gehe, sagte Becerra. Dessen Präsidentschaft sei geprägt von Kriminalität und Justizbehinderung.

Bernie Sanders ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, auf Donald Trump zu antworten. Der parteilose Senator aus Vermont arbeitet im Kongress mit den Demokraten zusammen und wollte 2016 ihr Präsidentschaftskandidat werden. Aber eine eigene Antwort auf die „State of the Union“ gab er trotzdem schon zum dritten Mal. Während manch einer sich an der Vielstimmigkeit der Erwiderungen nicht weiter störte, fanden andere es unangemessen, dass Sanders Stacey Abrams nicht das letzte Wort ließ. „Halt einfach den Mund, Bernie“, forderte das Magazin „The Root“.

Will Sanders kandidieren?

Nach Abrams' Rede, auf die er sich laut Twitter gefreut habe, sprach Sanders via Facebook-Livestream. Genau wie die Demokratin kritisierte er Trump dafür, dass der ein Ende der Russland-Ermittlungen gefordert hatte. „Amerikas Stärke basiert auf der Herrschaft des Rechts“, sagte Sanders. Wo Abrams sich stellenweise um eine freundliche Tonlage bemüht hatte, sprach Sanders gewohnt verärgert über die Lage der Nation. Trump richte großen Schaden an: Seine ständigen Behauptungen über die hohe Kriminalitätsrate unter Einwanderern seien nicht nur nachweislich falsch, sondern auch rassistisch und eine „Dämonisierung von Latinos“. Im Gegensatz zu den Straftaten von Einwanderern rede der Präsident nie über die Massenmorde durch Einheimische und die bessere Kontrolle von Schusswaffen, sagte Sanders. Der Senator sprach mit einer knappen halben Stunde deutlich länger als Abrams, die sich an ihre geplanten zehn Minuten gehalten hatte. Zu seiner möglichen Präsidentschaftskandidatur 2020 sagte Sanders auch diesmal nichts.

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