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Reaktion auf Angriffe Irans : Trump wog seine Worte

  • -Aktualisiert am

Ein Moment für die Geschichtsbücher: Donald Trump im Grand Foyer des Weißen Hauses Bild: EPA

Nach Irans Angriffen auf amerikanische Streitkräfte im Irak stehen die Zeichen anscheinend dennoch auf Deeskalation. Doch Konflikte dieser Art sind schwer zu kontrollieren – und Missverständnisse könnten doch noch zu einer neuerlichen Eskalation führen.

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          Nahezu zwölf Stunden nach den iranischen Vergeltungsschlägen wendet sich Donald Trump an die Öffentlichkeit. Im Grand Foyer des Weißen Hauses tritt der amerikanische Präsident ans Rednerpult. Er muss wissen: Dies ist ein Moment für die Geschichtsbücher. Als die großen Türen aufgehen, sagt er, noch bevor er die Anwesenden begrüßt: Solange er Präsident sei, werde Iran niemals erlaubt werden, Atomwaffen zu besitzen. Die Amerikaner sollten extrem dankbar und glücklich sein. Es seien in der vergangenen Nacht keine Amerikaner zu Schaden gekommen, auch keine Iraker. Es gebe zudem nur geringfügige Sachschäden in den Stützpunkten.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Sodann: „Iran scheint klein beizugeben.“ Das sei gut für alle Beteiligten. Wenig später folgt der Satz: Man werde weiterhin alle Optionen abwägen und behalte sich weitere Reaktionen vor. Fürs Erste werde er aber nur zusätzliche Wirtschaftssanktionen verhängen. Das ist der entscheidende Satz. Bis zuletzt gab es eine Restunsicherheit. Trump hatte schließlich zuvor seinerseits mit Vergeltung gedroht, sollte Iran amerikanische Einrichtungen angreifen. Neben dem Präsidenten standen nun seine Generäle, doch die Botschaft endete mit den Worten: Amerika sei bereit für den Frieden.

          Trump wog seine Worte. Um Stärke zu demonstrieren, hob er hervor, mit der Tötung von General Qassem Soleimani den „Top-Terroristen“ in der Welt ausgeschaltet zu haben. Auch verwies er auf die Tötung von IS-Führer Abu Bakr al Baghdadi. Schließlich konnte er sich eine Spitze gegen Barack Obama nicht verkneifen. Irans Raketen seien mit Geldern finanziert worden, die dessen Regierung Teheran zur Verfügung gestellt habe. Damit war Trump beim Atomabkommen angekommen. Er forderte die anderen Unterzeichnerstaaten auf, dieses auch endlich zu verlassen. Im Übrigens müsse die Nato künftig eine größere Rolle im Nahen Osten spielen.

          Zunächst hatte sich Trump schon wenige Stunden nach den iranischen Vergeltungsschlägen per Twitter an die Öffentlichkeit gewandt – und zwar auch schon in einem recht zuversichtlichen Tonfall. „Alles gut.“ Raketen von Iran seien in zwei Militärbasen eingeschlagen, zurzeit finde eine Schadenbilanz statt. „So weit, so gut“, schrieb Trump, nachdem Außenminister Mike Pompeo, Verteidigungsminister Mark Esper und General Mark Milley, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, das Weiße Haus nach einer Krisensitzung am Dienstagabend wieder verlassen hatten.

          Das klang nicht nach Eskalation. Genauso wenig wie die englischsprachige Twitter-Nachricht des iranischen Außenministers Dschawad Zarif: Sein Land habe „verhältnismäßige“ Schritte zur Selbstverteidigung unternommen und „abgeschlossen“ – gemäß Artikel 51 der UN-Charta. „Wir streben keine Eskalation an, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen.“ Diese Botschaft galt Amerika und der westlichen Öffentlichkeit. Für das eigene Publikum hatte ein anderes Organ des Regimes eine Botschaft parat: Die iranischen Revolutionswächter teilten in propagandistischer Manier mit, bei der „Operation Märtyrer Soleimani“ sei der Luftwaffenstützpunkt Ain al Assad „vollständig zerstört“ worden. Der Angriff auf die „von den Amerikanern besetzte“ Basis sei „in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“. Er sei mit ballistischen Boden-Boden-Raketen erfolgt. Das iranische Staatsfernsehen sprach sogar von achtzig getöteten „amerikanischen Terroristen“.

          Das Pentagon teilte in einer ersten Reaktion nüchtern mit, es sei klar, dass die Raketen von iranischem Staatsgebiet abgeschossen worden seien. Zwei auch von amerikanischen Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak seien von mehr als einem Dutzend Raketen getroffen worden: der Luftwaffenstützpunkt Ain al Assad im Zentralirak und eine Basis im kurdischen Arbil. Wenig später, noch am Dienstagabend amerikanischer Zeit, hieß es dann aus dem Verteidigungsministerium, es seien nach vorläufigen Einschätzungen keine Opfer zu beklagen. Den amerikanischen Streitkräften lagen eigene nachrichtendienstliche Erkenntnisse über den Abschuss der Raketen vor. Wie es hieß, wurde man aber auch von irakischer Seite informiert, da Teheran Bagdad vorher ins Bild gesetzt hatte.

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