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Razzia bei Michael Cohen : Trump reagiert gereizt – verständlich

Gereizt: Donald Trump Bild: AFP

Donald Trump bezeichnet die Razzia bei seinem Anwalt als „Angriff auf das ganze Land“. Seine heftige Reaktion ist verständlich – Michael Cohen dürfte eine Menge über ihn wissen.

          3 Min.

          Schon monatelang läuft die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller in der Frage, ob das Wahlkampfteam von Donald Trump illegale Kontakte im Präsidentschaftswahlkampf nach Russland hatte. Immer wieder hat der amerikanische Präsident diese Untersuchung als vollkommen substanzlos und als Hexenjagd bezeichnet. Doch nicht nur die Russland-Frage hängt wie ein Damoklesschwert über ihm. Seit mehreren Wochen zieht auch ein mögliches sexuelles Treffen mit der Pornodarstellerin Stephanie Clifford, als Schauspielerin unter dem Namen Stormy Daniels bekannt, seine Kreise. Die Razzia in Wohnung, Büro und Hotelzimmer von Trumps Anwalt Michael Cohen am Montag steht damit in Verbindung, hat Cohen doch angegeben, er habe Clifford 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt, ohne dass Trump etwas darüber gewusst habe.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Bei ihrer Razzia bei Cohen suchte die Bundespolizei nach Beweisen für einen möglichen Bankbetrug, berichtet die „New York Times“. Die Beamten, die Durchsuchungsbeschlüsse vorweisen konnten, nahmen Dokumente und Computer mit, um diese auszuwerten. Da diese möglicherweise unter das Anwaltsgeheimnis fallen, war dieses Vorgehen unerwartet, aber nicht ungewöhnlich, wie Rudolph Giuliani, früherer Staatsanwalt und New Yorker Bürgermeister und Freund von Trump, sagte.

          Für Trump war das Vorgehen der Behörden hingegen besonders pikant – denn sie handelten auf einen Hinweis von Robert Mueller. Der Sonderermittler hat also wohl Hinweise auf ein Fehlverhalten von Cohen gefunden, sah sein eigenes Mandat aber anscheinend als nicht ausreichend an, diesem selbst nachzugehen. Trump reagierte auf die Razzien heftig. Die Untersuchung sei gegen das gesamte Land gerichtet; es habe ein „Einbruch“ stattgefunden und das Vorgehen sei „ein Angriff auf das, wofür wir alle stehen“, sagte er am Montag bei einem Treffen mit Militärberatern, bei dem die nächsten Schritte in Syrien beraten werden sollten. Auch von einer „Hexenjagd“ sprach er wieder.

          Trumps Reaktion ist verständlich, hat Cohen doch eine besondere Beziehung zu ihm. Er dürfte nach mehr als einem Jahrzehnt Tätigkeit für Trump bestens über den Präsidenten Bescheid wissen. Im Magazin „Vanity Fair“ bezeichnete Cohen sich einmal als „der Typ, der den Präsidenten und die Familie beschützt. Ich bin der Typ, der eine Kugel für den Präsidenten abfangen würde“. Tim O’Brien, Autor der Trump-Biografie „Trump Nation“, sagte über Cohen: „Er hat die Drecksarbeit erledigt, die der Präsident nicht selber machen wollte, und das für ein Jahrzehnt.“ Cohens Anwalt Stephen Ryan wies die Anschuldigungen zurück. Die Razzien seien „unangemessen und unnötig“, so Ryan.

          Doch nicht nur Sonderermittler Mueller erzürnt den Präsidenten zum wiederholten Mal, sondern auch Justizminister Jeff Sessions. Dieser habe „einen sehr schrecklichen Fehler für das Land“ gemacht, als er sich aus der Russlanduntersuchung wegen Befangenheit verabschiedet habe, wetterte Trump. Auch Rod Rosenstein, der stellvertretende Justizminister, der die Aufsicht über die Ermittlungen führt, kritisierte der Präsident, genauso wie das Team von Mueller, das „voreingenommen“ sei, weil es ausschließlich aus Demokraten oder Republikanern bestehe, die für Obama gearbeitet hätten. „Sie untersuchen nicht die andere Seite. Sie untersuchen nicht Hillary Clinton (Trumps demokratische Gegenkandidatin, Anm. d. Red.) – die schrecklichen Dinge, die sie getan und die all die Verbrechen, die sie begangen hat“, so Trump. Eine mögliche Entlassung Muellers wollte Trump am Montag nicht ausschließen: „Mal sehen, was passiert“, sagte er. Zwar kann er Mueller nicht selbst entlassen, aber er kann zumindest das Justizministerium anweisen, das zu tun.

          Trumps Probleme dürften auch die nächsten Wochen bestimmen, verhandeln seine Anwälte doch momentan mit dem Sonderermittler darüber, ob und unter welchen Umständen dieser den Präsidenten vernehmen kann. Außerdem steht nächste Woche die Veröffentlichung eines Buches von James Comey an. Die Entlassung des damaligen FBI-Direktors hatte die Russland-Untersuchung erst ins Rollen gebracht und den möglichen illegalen Verbindungen nach Russland noch den Vorwurf der Justizbehinderung hinzugefügt. Comey hatte im vergangenen Jahr schon im Kongress ausgesagt und von seinen Zusammenkünften mit Donald Trump berichtet, über die er sich direkt danach Notizen gemacht haben will. Sollte er auch in seinem Buch aus ihnen berichten, könnten weitere Trump unangenehme Schlagzeilen ins Haus stehen.

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