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Clinton gegen Trump : Wie sich der Kreml in den amerikanischen Wahlkampf einmischt

Bruderkuss? Wladimir Putin und Donald Trump auf einer Wand in Vilnius Bild: AFP

Russlands Geheimdienste zeigen im amerikanischen Wahlkampf, was sie können. Trump gilt als Chance, „Hillary“ als hoffnungsloser Fall. Doch diese Sicht könnte ein Fehler Putins sein.

          7 Min.

          Kürzlich hat Wladimir Putin wieder ein Meisterstück seiner Redekunst abgeliefert. Es war Ende Oktober auf dem Waldai-Forum, bei dem der Präsident einmal im Jahr mit internationalen Russland-Fachleuten spricht. Natürlich gab es Fragen zur Wahl in Amerika, dazu, ob sich Russland einmische in die Auseinandersetzung zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Der russische Präsident stellte Gegenfragen: „Glaubt wirklich jemand im Ernst, dass Russland die Wahl des amerikanischen Volkes beeinflussen kann? Ist Amerika etwa eine Bananenrepublik?“ Die Vereinigten Staaten seien doch eine Großmacht.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Putin hat seine Worte geschickt gewählt. Sie waren ein Bekenntnis, in ein Dementi verpackt, verbunden mit einer kaum verhüllten Demütigung des Gegners. Denn es ist längst klar: Spätestens seit den Hackerangriffen auf die Rechner der amerikanischen Demokratischen Partei im Juli ist Russland Teil des amerikanischen Wahlkampfs. Damals wurde von den Angreifern nicht nur interner Mail-Verkehr erobert, sondern es wurden auch gleich Beutestücke über die Internetplattform Wikileaks veröffentlicht.

          Dadurch kam heraus, dass die Parteizentrale der Demokraten bei den Vorwahlen von vornherein auf Hillary Clinton als Siegerin gesetzt hatte; die notwendige Neutralität gegenüber dem Mitbewerber Bernie Sanders hatte sie vermissen lassen. Clinton musste sich ins Zeug legen, um die Partei zu beruhigen. Die damalige Parteichefin der Demokraten hatte zurückzutreten, um die Anhänger von Sanders auf diese Weise bei der Stange zu halten.

          Die Rolle der Russen beim Hackerangriff

          Es gehört zum Wesen von Hackerangriffen, dass sich ihre Herkunft selten eindeutig feststellen lässt. Zweifel, dass die russische Führung einen solchen Affront gegen die Vereinigten Staaten wagen würde, gab es zunächst zahlreiche. Die genutzten Programme gibt es nämlich schon lange auf dem Schwarzmarkt der Hacker, ihr russischer Ursprung ist bestens bekannt.

          Hätten die Russen es nicht geschickter machen müssen? Eine solche Operation ist schließlich ein maximaler Eingriff in die Innenpolitik eines anderen Landes, nämlich in den Wahlkampf um das höchste Amt im Staat. Zugleich wird damit eine neue Schwelle in der hybriden Kriegsführung überschritten, mit der Russland seit einigen Jahren gegen den Westen vorgeht. Wollten die Russen diese Eskalation wirklich?

          Zugleich: Wer sonst sollte den Angriff unternommen haben? Ein anderes Land, das sich mit Russen und Amerikanern und deren Geheimdiensten anlegen will? Unwahrscheinlich. Die Chefs der amerikanischen Geheimdienste sind jüngst zu dem Schluss gekommen, dass der russische Staat hinter dem Angriff stehe. Tatsächlich spricht vieles dafür.

          Der Hackerangriff hatte gleich mehrere Ziele. Er brachte Hillary Clinton persönlich in Bedrängnis. Zugleich goss er Öl ins Feuer eines Wahlkampfs, der Amerika ohnehin spaltet. Dem Publikum zu Hause und der Welt konnte demonstriert werden, wie schmutzig und unfair diese Wahlen sind, wie verkommen das Establishment Amerikas ist. Die Diskreditierung des demokratischen Systems sei das Entscheidende für diese Attacke, heißt es denn auch aus den amerikanischen Geheimdiensten. Es gehe nicht um Trump oder Clinton, sondern um „die Demokratie“, zitieren amerikanische Zeitungen Quellen in den Diensten.

          Die russischen staatlichen Medien fahren seit Monaten eine Kampagne gegen Clinton und für Trump.

          Will der Kreml den Wahlverlauf torpedieren?

          Dass Russland dabei nicht sehr geheim vorging, könnte durchaus Absicht sein. Schon jetzt kann sich Russland damit rühmen, überall seine Finger im Spiel zu haben – selbst im mächtigsten Staat der Erde. Dabei sind die Voraussetzungen für eine Einflussnahme in den Vereinigten Staaten weit schwieriger als in Europa. Dort gibt es, anders als in Amerika, eine kompakte russischsprachige Diaspora, und es ist etwa in Deutschland möglich, binnen weniger Stunden Demonstrationen in einem Dutzend Städten zu orchestrieren, wie der „Fall Lisa“ gezeigt hat.

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