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Präsidentschaftswahlkampf : Bidens Zöger-Kandidatur

  • -Aktualisiert am

Von den prominenten Demokraten, die bislang im Gespräch sind, ist Joe Biden der letzte, der seine Kandidatur noch nicht erklärte. Bild: AFP

Der frühere Vizepräsident Joe Biden wirft den Demokraten immer wieder Häppchen hin und deutet eine Kandidatur für die Präsidentschaft 2020 an. Doch bislang ist er nicht offiziell im Rennen.

          Der Jubel der Demokraten in Dover in Delaware war groß, als sich Joe Biden am Samstag aus Versehen zum Präsidentschaftskandidaten erklärte. Die Linken kritisierten ihn zwar, sagte Biden, er habe aber „von allen die antreten“ eigentlich die progressivste Laufbahn hinter sich. Der ehemalige Vizepräsident korrigierte sich rasch und sagte: „von allen die antreten würden“. Er habe es nicht so gemeint, fügte er hinzu, aber da jubelten die Demokraten in seiner Heimat schon so laut, dass man ihn kaum verstehen konnte.

          Biden zögert bislang noch mit der offiziellen Kandidatur, während andere Demokraten wie Kamala Harris oder Bernie Sanders schon seit Wochen auf Wahlkampftour sind. Von den prominenten Demokraten, die bislang im Gespräch sind, ist der ehemalige Vize von Barack Obama der letzte, der seine Kandidatur noch nicht erklärte. Zuletzt hatte Beto O'Rourke aus Texas seine Kampagne gestartet, der ebenfalls lange gezögert hatte. Laut der Webseite Ballotpedia registrierten sich bislang insgesamt 206 demokratische Kandidaten, von denen mehr als ein Dutzend echte Chancen haben.

          Der 76-jährige Biden deutete schon mehrmals an, dass er sich bald erklären werde – tat es jedoch bislang nicht. Manchmal gab er dafür seine Familie als Grund an. Es wäre sein dritter Versuch, Präsident zu werden. Biden zögert nicht zum ersten Mal lange und öffentlich. Im Jahr 2016, nicht lange nach dem Tod seines Sohnes Beau, entschied er sich gegen eine Kandidatur. Später sagte Biden, er bereue diese Entscheidung „jeden Tag“. Nun soll er bereits Mitarbeiter angestellt haben, die eine landesweite Kampagne steuern könnten – nur offiziell ist immer noch nichts.

          Biden ist ein Vertreter der Mitte

          Der Versprecher auf der Veranstaltung in Delaware gab Bidens Unterstützern Hoffnung. John Carney, Gouverneur des Bundesstaates, sage: „Er sieht aus, als sei er bereit für einen Kampf.“ In seiner Begrüßungsrede für den ehemaligen Senator sagte er: „Nach meiner bescheidenen Meinung haben wir Joe Biden nie dringender gebraucht als wir ihn jetzt gerade brauchen.“ Viele Zuschauer hielten Schilder mit der Aufschrift „Run, Joe, run!“ In seiner Rede kritisierte Biden Trump und warf dem Präsidenten vor, das Land zu spalten und Hass zu schüren. Trump habe auch in der internationalen Politik viel Schaden angerichtet und Verbündete im Stich gelassen. Der Kampf gegen diese Politik entscheide die Zukunft des Landes. „Wir befinden uns tatsächlich im Kampf um die Seele Amerikas“, sagte Biden.

          Biden war 36 Jahre lang Senator und pendelte stets von Delaware mit dem Zug nach Washington, bis er 2009 Obamas Vizepräsident wurde. „Onkel Joe“ wird er von vielen auf dem Capitol Hill genannt. Für viele Wähler der Demokraten wäre er der Wunschkandidat. In allen Umfragen, die die Webseite „RealClearPolitics“ aus in den vergangenen Monaten zusammentrug, führte Biden das demokratische Kandidatenfeld an, im Durchschnitt mit elf Prozent Vorsprung. Dabei erreichte er Zustimmungswerte bis über 30 Prozent.

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