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Präsidentschaftsbewerber : Das Großmaul Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Wahlkämpfer Donald Trump: Amerika will er wieder groß machen. Das kommt an. Bild: Polaris/laif

Donald Trump, ein steinreicher Immobilienunternehmer aus New York, will Präsident der Vereinigten Staaten werden. Lustvoll benimmt er sich ständig daneben. Warum diese Masche durchaus funktioniert.

          Mittwoch Nachmittag in einem kleinen Ort im Nordosten der Vereinigten Staaten. Derry, New Hampshire, hat 33.000 Einwohner, hübsche Holzhäuser, und an der Hauptstraße steht ein handgemaltes Schild: „Donald Trump, I want to cut your hair! Love Bev“. Bev betreibt einen Friseurladen direkt neben dem Schild und ist entzückt darüber, dass heute ein Star in die Stadt kommt: Donald Trump, der Immobilienhai aus New York, der in Amerika für seine Reality-Fernsehsendung und für seine gelbe Föhnfrisur bekannt ist.

          Vor zwei Monaten hat er angekündigt, amerikanischer Präsident werden zu wollen. Seither grassiert in Amerika das Trump-Fieber. Dabei ist Trump das Gegenteil des smarten Präsidentschaftskandidaten, wie man ihn in Amerika kennt. Er ist schlagfertig und ungehobelt, er ist fies, geradeheraus, er zeigt gerne mit dem Finger auf Menschen, wie man es von Uncle Sam kennt. Kurz: Er ist erschreckend unterhaltsam. Auch hier in Derry ist seine Show ein Knaller: Er tritt auf die Bühne, bleibt kurz stehen, reckt beide Daumen in die Höhe und grinst dieses Grinsen, bei dem die Augen fast verschwinden in zwei Schlitzen. Er tätschelt eine der amerikanischen Flaggen neben dem Pult, tritt vor und legt los.

          Ein paar Minuten lang lobt er sich selbst, ohne Skript, ganz frei, das kann er. Er erzählt, wie viele Leute zu seinen Auftritten kommen und wie schlecht es für die Konkurrenten läuft. Er erwähnt nochmal, dass er auf der Wharton School of Finance war („Nur sehr schlaue Leute gehen auf die Wharton School of Finance“). Kein Wort hingegen darüber, dass er zuvor in Queens einmal von der Schule geflogen ist.

          Kein Tellerwäscher aus armen Verhältnissen

          Das ist Trumps Masche: Aus seinem Leben erzählt der 69 Jahre alte Mann viel und gerne, schwelgt in seinen Erfolgen und berichtet von seinen genialen Deals. Die Schattenseiten verschweigt er, dabei sind die mindestens genauso unterhaltsam. Donald Trump ist jedenfalls keineswegs ein Mann aus armen Verhältnissen, kein Tellerwäscher, der sich zum Milliardär hochgearbeitet hat. Das waren eher seine Vorfahren: Sein Großvater Friedrich, ein geborener Drumpf, wanderte 1885 aus der Umgebung von Baden-Baden in die Vereinigten Staaten aus und verdiente in den Goldgräberstädten im Westen viel Geld. Sein Vater Fred ging in New York ins Immobiliengeschäft und verdiente dort Millionen. In Queens und Brooklyn baute er Wohnhäuser und Apartmentblöcke. Sohn Donald, das vierte Kind, stieg im Alter von 22 Jahren in die Firma ein.

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          Er wollte noch höher hinaus als sein Vater, er wollte nach Manhattan. In den 70er Jahren lieh der Vater ihm dafür Geld - und Donald Trump gelang der Einstieg. Schnell galt er als Shootingstar der Szene, dessen Angebereien erstaunlich oft Taten folgten. 1983 - da war er 37 Jahre alt - eröffnete er den Trump Tower an der Fifth Avenue, sein wohl bekanntestes Gebäude. Fast jeder New-York-Tourist verirrt sich auf dem Weg zum Central Park einmal hierhin, die ersten Etagen sind für die Öffentlichkeit zugänglich, oben sind Luxusapartments, Trumps Privatwohnung und die Büros von Trumps Firma „The Trump Organization“, für die rund 22.000 Menschen arbeiten. „Niemand hat mit 37 Jahren das erreicht, was ich getan habe in sieben Jahren“, sagte er 1983.

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