https://www.faz.net/-gpf-9sidt

Trumps Präsidentschaft : Erst Spender, dann Botschafter

Der amerikanische EU-Botschafter Gordon Sondland vor einer Anhörung im Kongress Bild: Reuters

Ein Drittel aller von Donald Trump nominierten Botschafter scheint sich vor allem durch eines auszuzeichnen: großzügige Spenden an die Republikaner. Allerdings hat auch sein Vorgänger Barack Obama schon gerne Großspender in den diplomatischen Dienst berufen.

          2 Min.

          Die Ukraine-Affäre des amerikanischen Präsidenten Donald Trump wirft ein Schlaglicht auf eine besondere Gattung von Diplomaten, die sich vor allem in Amerika herausgebildet hat: Großspender, die mit einem Botschafterposten belohnt werden. „Quid pro quo“ bekommt hier eine neue Bedeutungsdimension.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Botschafter für die EU, Gordon Sondland, dem Beobachter eine bemerkenswerte Hemdsärmeligkeit in der Ukraine-Affäre attestieren, war Großspender der Trump-Wahlkampagne. Über seine Firmen hatte der Hotel-Besitzer Trump für seinen Wahlkampf eine Million Dollar zukommen lassen.

          In der Senatsanhörung für seine Bestellung sagte er, dass harte Verhandlungen zu einem Riss in den Beziehungen mit der EU führen können. Aber aus seinem Wirtschaftsleben wisse er, dass man die auch wieder kitten könne.

          Empathie für Trump

          Für Trumps eingeräumten Versuch, die ukrainische Regierung zu Ermittlungen gegen Hunter Biden, den Sohn seines politischen Gegenspielers Joe Biden, zu bewegen, zeigte er bemerkenswertes Empathie. Trump sei schließlich ein Geschäftsmann. Das sagte zumindest Bill Taylor, kommissarischer Botschafter in Kiew am Dienstag während der Impeachment-Anhörung aus.

          Sondland ist kein Exot. 45 Prozent der von Trump ernannten Botschafter sind keine Karrierediplomaten. Manche sind politische Schwergewichte wie der ehemalige Gouverneur von Iowa, Terry Branstad, der den schwierigen Botschafterposten in Peking besetzt. Doch nicht wenige der neuen Botschafter sind schlicht reiche Persönlichkeiten, die durch große Spenden das Herz des Präsidenten gewonnen haben.

          In Paris dient Trump-Spenderin Jamie McCourt, die zusammen mit ihrem Mann das Baseballteam Los Angeles Dodgers besessen und nach eigenen Angaben auch geführt hat. Dann kam eine hässliche Scheidung dazwischen, die Amerikas Boulevardblätter schwer in Atem hielt. Sie bezeichnet sich selbst als Kunstsammlerin und Genießer guten Weines und guten Essens, was als Basisqualifikation in Frankreich nicht schlecht ist. Sie hat immerhin Französisch, Jura und Betriebswirtschaft an guten Universitäten studiert und offenbar auch kulinarische Künste in Aix-en-Provence.

          Rund ein Drittel politische Nominierungen

          Erfahrungen im Sportkommerz weist auch Woody Johnson auf, der mit vollem Namen Robert Wood Johnson IV, heißt. Er ist Amerikas Botschafter in London. Als Spross der Johnson & Johnson-Familie konnte er sein Leben der Philanthropie – einschließlich Spenden für Trump und die Republikaner – und der Verwaltung und Mehrung des eigenen Vermögens widmen. Er erwarb unter anderem das Footballteam New Jets. In England hat er Ärger bekommen, als er Chlorhühner für unbedenklich erklärte.

          Ob in Rom, Madrid, Lissabon und in Bern, überall sitzen amerikanische Botschafter, die vor allem eins auszeichnet: Sie haben den Republikanern oder der Trump-Wahlkampagne Geld gespendet. Rund ein Drittel der Botschafter sind sogenannte politische Nominierungen.

          Barack Obama hat es auch so gemacht

          Trump hat mit der Praxis nicht angefangen. Es ist nicht einmal klar, ob er sie verstärkt hat. Schon sein Vorgänger Barack Obama nutzte diesen besonderen Beförderungskanal ausgiebig. So diente der Goldman Sachs-Bankier und Großspendensammler der Demokraten Phil Murphy in Deutschland und belegte, dass die Bestellung von Außenseitern nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Im Kanzleramt sprach man gut über ihn, obwohl er die schwierige Abhörkrise managen musste. Obamas Geheimdienste hatten offenbar das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel angezapft. Murphy konnte von der Politik nicht mehr lassen. Er ist inzwischen Gouverneur von New Jersey.                      

          Obama schickte auch die Hollywood -Produzentin und gewogene Großspenderin Colleen Bradley Bell auf den durchaus heiklen Posten nach Ungarn, was dem damaligen republikanischen Außenpolitiker John McCain Kopfschmerzen bereitete – speziell nach ihrer Senatsanhörung. Nach ihrer Qualifikation gefragt, sagte sie, sie habe in der Entwicklung und Produktion eines Produktes geholfen, das 40 Millionen Menschen in vielen Ländern konsumieren können. Es handelte sich um die populäre Seifenoper „The Bold and the Beautiful.“

          Weitere Themen

          SPD gewinnt, AfD verliert

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.