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Russland-Affäre : Trump sucht nach belastendem Material gegen Sonderermittler

  • Aktualisiert am

Mit allen Mitteln? Donald Trump wehrt sich gegen die Ermittlungen von Robert Mueller Bild: Reuters

Die Ermittlungen von Sonderermittler Robert Mueller könnten Donald Trump in Bedrängnis bringen – deshalb sucht Amerikas Präsident jetzt offenbar nach Wegen, um Mueller zu diskreditieren. Plant er dessen Entlassung?

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          Die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller in der Russland-Affäre könnten Donald Trump gefährlich werden – deshalb versucht sein Team jetzt offenbar, belastendes Material gegen die von Mueller angestellten Ermittler zu finden.

          Mitarbeiter des Präsidenten nähmen den beruflichen und politischen Hintergrund von Muellers Ermittlern unter die Lupe, um mögliche Interessenskonflikte zu finden, berichten die „New York Times“ und die „Washington Post“ übereinstimmend. Das Ziel: Mueller zu diskreditieren – oder sogar zu entlassen. Auch könnte Trump mit seiner Suche versuchen, einige von Muellers mehr als zwölf Ermittlern wegen Befangenheit abzulehnen, schreibt die „New York Times“ und bezieht sich dabei auf drei nicht näher genannte Personen aus Trumps Umfeld.

          Die Suche nach belastendem Material sei weitreichend, schreibt die Zeitung weiter. Demnach überprüfen Trumps Mitarbeiter nicht nur Spenden von Muellers Ermittlern an demokratische Politiker, sondern auch seine früheren Klienten und seine Beziehung zu dem früheren FBI-Chef James Comey, dessen Entlassung durch Trump die Einsetzung von Mueller erst in Gang gebracht hatte.

          Die Republikaner versuchen seit Wochen, Mueller Befangenheit bei seinen Ermittlungen nachzuweisen. Sie sehen besonders eine hohe Spende von Andrew Weissmann, einem früheren hochrangigen Mitarbeiter des Justizministeriums, an den früheren Präsidenten Barack Obama und andere Demokraten als Beleg für einen möglichen Interessenskonflikt Muellers. Wie die „New York Times“ schreibt, ist ein anderer von Muellers Ermittlern, Jeannie Rhee, ein Vertreter der Clinton-Foundation von Trumps demokratischer Kontrahentin im Präsidentschaftswahlkampf.

          Trump: Es gibt Interessenskonflikte bei Mueller

          In einem Interview mit der „New York Times“ hatte Trump am Mittwoch gesagt, er sei sich im Klaren darüber, dass Mitglieder von Mueller in mögliche Interessenskonflikte verstrickt seien. Diese Informationen werde er „an einem gewissen Punkt“ öffentlich machen. Trump sagte weiter, Mueller handle außerhalb seines Mandats als Sonderermittler, wenn er damit beginne, Untersuchungen abseits der Russland-Affäre anzustellen. „Der Präsident hat sehr klar gemacht, dass der Sonderermittler sich nicht den Rahmen der Ermittlungen verlassen sollte“, sagte Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders.

          Untersucht die Russland-Affäre: Sonderermittler Robert Mueller

          Die Sorge in Trumps Umfeld sei groß, dass Muellers Untersuchungen in der Russland-Affäre sich zu noch viel weiter reichenden Ermittlungen wie in den 1990er Jahren bei Kenneth Starr ausweiten könnten, schreibt die „New York Times“. Starrs Arbeit, die mit einer Untersuchung eines Grundstücksvertrags des damaligen Präsidenten und früheren Gouverneurs von Arkansas Bill Clinton begann, endete Jahre später in einem Impeachment-Verfahren wegen Clintons Affäre mit Monica Lewinsky.

          Sollte Trump tatsächlich versuchen, Mueller als Sonderermittler zu entlassen, würde das nach Ansicht vieler Beobachter ein politisches Beben in Washington auslösen. In Trumps Umfeld sei deshalb umstritten, wie hart man Mueller angehen sollte, schreibt die „New York Times“. Einige von Trumps Beratern hätten den Präsidenten vor Muellers Entlassung gewarnt. Trotzdem setze Trump seine Attacken gegen den Sonderermittler fort.

          „Er war hier, er wollte den Job“

          In dem Interview mit der „New York Times“ betonte Trump am Mittwoch – zum Erstaunen seines Teams, wie die Zeitung schreibt –, dass Mueller einen Tag, bevor er zum Sonderermittler ernannt wurde, bei Trump im Weißen Haus vorstellig geworden sei und sich als neuer FBI-Direktor ins Gespräch gebracht habe. „Er saß auf diesem Stuhl“, sagte Trump in dem Interview im Oval Office, „er war hier, und er wollte den Job.“

          Inwiefern dieser Besuch Muellers einen Interessenskonflikt darstelle, habe Trump nicht ausgeführt, heißt es in der „New York Times“.

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