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Pew-Studie : Zunehmend negatives China-Bild in Amerika

  • Aktualisiert am

Ziemlich beste Gegner? Donald Trump und Xi Jinping Ende Juni 2019 in Osaka. Bild: AP

Drei Viertel der Amerikaner geben Peking die Schuld an der globalen Ausbreitung des Coronavirus. Das Verhältnis beider Länder schätzen die meisten Bürger düster ein.

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          Nicht nur die Haltung der Regierung Trump gegenüber China verhärtet sich, auch der Blick der amerikanischen Bevölkerung auf den kommunistisch regierten Aufsteiger der Weltpolitik verdüstert sich nachhaltig. Nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew haben 73 Prozent der Amerikaner ein negatives Bild von dem bevölkerungsreichsten Land der Welt; nur noch 22 Prozent haben ein positives Bild. Seit 2018 hat sich somit das China-Bild in den Vereinigten Staaten um 26 Punkte verschlechtert, seit März dieses Jahres um sieben Punkte. Insofern ist es nicht überraschend, dass rund zwei Drittel der Befragten, 64 Prozent, den chinesischen Behörden vorwerfen, sie hätten einen „schlechten Job“ zu Beginn der Corona-Pandemie gemacht, und nur 31 Prozent ihnen bescheinigen, sie hätten gut reagiert.

          Mehr als drei Viertel, 78 Prozent, geben denn auch China die Schuld an der globalen Ausbreitung des Coronavirus; sie sind sich hierin mit der eigenen Regierung einig beziehungsweise machen sich deren Darstellung, dass China für die Pandemie verantwortlich sei, zu eigen. Präsident Donald Trump hat wiederholt vom „China-Virus“ gesprochen. Genau die Hälfte der Befragten ist dafür, China wegen der Rolle, die es beim Ausbruch der Krise spielte, zur Rechenschaft zu ziehen.

          In der neuen Umfrage wird der chinesische Führer Xi Jinping als wenig vertrauenswürdig beurteilt; das sehen 77 Prozent der Befragten so. Ganz generell wird das chinesisch-amerikanische Verhältnis als eher düster eingeschätzt. So äußern mehr als zwei Drittel der Befragten, 68 Prozent, die Auffassung, die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder seien in einem schlechten Zustand. Als Echo auf die handelspolitischen Konflikte zwischen beiden Ländern ist das wenig überraschend.

          Vermutlich unter dem Eindruck der Berichte über die Unterdrückung der Uiguren und des Vorgehens Chinas in und gegenüber Hongkong befürworten drei Viertel der Amerikaner, 73 Prozent, die Förderung der Menschenrechte in China als Ziel amerikanischer Politik. Nur noch 23 Prozent geben der Stärkung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen Vorrang. Während die Mehrheit der Amerikaner in China vor allem einen Konkurrenten sieht (57 Prozent), hat der Anteil derer, die in dem kommunistischen Land einen Feind („Enemy“) sehen, zugenommen; er liegt mittlerweile bei 26 Prozent; Anfang des Jahrzehnts waren es erst 15 Prozent.

          Allgemein kommen die Meinungsforscher zu dem Schluss, dass sich das China-Bild während der Corona-Krise drastisch verschlechtert hat. Bei den Befragten, die sich als Republikaner oder als dieser Partei zuneigend ausgaben, ist es besonders schlecht. Allerdings ist auch unter den Befragten, die sich als Demokraten einordneten oder dieser Partei zuneigen, der Anteil der Skeptiker deutlich gestiegen. Ähnliches trifft für alle Alterskohorten zu. Der amerikanisch-chinesische Großkonflikt, von dem in jüngster Zeit wiederholt die Rede war, findet jedenfalls mittlerweile seinen Niederschlag im Meinungsbild der amerikanischen Bevölkerung. Auch eine Regierung des Demokraten Joe Biden dürfte im Verhältnis der beiden Länder nicht so einfach zum Status quo ante zurückkehren – wenn sie es denn angesichts des chinesischen Gebarens im Innern und nach außen überhaupt wollte.

          K.F.

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