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Parteitag der Republikaner : Ein Spielverderber zeigt die Wunden der Partei

Wie will Donald Trump die republikanische Partei versöhnen, wenn selbst der Kuss für seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence nur angedeutet blieb? Bild: AP

Dem Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence sollte das Rampenlicht am dritten Tag des Parteikonvents der Republikaner gehören. Doch Donald Trumps innerparteilicher Erzfeind zerstörte die harmonische Idylle. Eine Analyse.

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          Die Regieanweisungen für die dritte Nacht des Republikaner-Nominierungsparteitags in Cleveland waren deutlich: Die Bühne sollte bereitet werden für die Rede des Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence. Der Gouverneur des Bundesstaats Indiana, den vor seiner Nominierung kaum jemand außerhalb seiner Heimat kannte, sollte die volle Aufmerksamkeit der Delegierten und des Fernsehpublikums bekommen, um sich in einer Rede vorzustellen. Doch es gab einen Akteur, der mit den Anweisungen nicht einverstanden war.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Ted Cruz, der Senator aus Texas, der in den republikanischen Vorwahlen Donald Trump unterlegen war, nutzte seine Rede, um seine Abneigung gegen Donald Trump deutlich zu machen. Cruz empfahl den Wählern nicht, im November für Trump zu stimmen. Vielmehr rief der erzkonservative Republikaner mit kubanischen Wurzeln sie dazu auf, für den Kandidaten zu stimmen „dem sie zutrauen, dass er unsere Freiheit verteidigt und die Verfassung befolgt“. An dieser Stelle begannen die Buh-Rufe, unter denen seine letzten Sätze untergingen.

          Cruz Auftritt sorgte jedoch nicht nur dafür, dass der Auftritt von Pence nicht wie gehofft die Schlagzeilen bestimmte, sondern zeigte auch deutlich, dass die Wunden aus dem Vorwahlkampf immer noch nicht geheilt sind. Die „Grand Old Party“ ist auch am dritten Tag des Konvents immer noch nicht bereit für eine Einigung.

          Auch wenn Anhänger von Donald Trump versuchten, die Republikaner als einige Partei darzustellen, indem viele Delegierte sich am Protestgeschrei gegen Cruz beteiligten, können sie nicht übertünchen, dass einige ostentativ stumm blieben oder dem Senator, wie dessen texanischen Landsleute, zujubelten.

          Der Eklat überdeckte völlig, dass Pence eine ordentliche Rede hielt, in der er Selbstironie bewies. In der er auch zeigte, dass er bereit ist, sich kompromisslos hinter Trump zu stellen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass er nicht das rhetorische Format eines Chris Christie besitzt, der am Vortag mit einer flammenden Philippika gegen Hillary Clinton die Delegierten aufgepeitscht hatte. Sichtbar wurde auch, dass Pence weit am rechten Rand der Partei steht und er nicht dazu taugt, die wegen Trump zerrissene Partei Abraham Lincolns zu versöhnen.

          Trump hat ihn derweil schon teilweise desavouiert, indem er in einem Interview mit der „New York Times“ sagte, die Beistandsklausel des Nordatlantikpakts gelte nicht automatisch, während Pence in seiner Rede darauf bestand, Amerika werde unter Donald Trump seinen Freunden beistehen.

          Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence verlässt mit seiner Familie nach seiner Rede die Bühne in der Quicken Loans Arena in Cleveland. Bilderstrecke

          Die Beobachter fragten sich, warum Trump am Tag vor seiner großen Rede auf dem Parteitag noch ein Interview mit einer solchen Sprengkraft gegeben hat. Und ausgerechnet der liberalen New York Times, die zu seinen schärfsten Kritikern gehört.

          Anscheinend ist Trump gewillt, so weiterzumachen, wie bisher. Nämlich Entscheidungen nicht von politischen Erwägungen abhängig zu machen, sondern aus dem Bauch heraus zu treffen und zu sagen, was er für richtig hält.

          Sollte er das auch bei seinem Auftritt in der kommenden Nacht machen, wird er unter den Delegierten, die nicht hinter ihm stehen, kaum neue Anhänger gewinnen. Denn bislang scheiterte der von Trumps Wahlkampfberatern orchestrierte Parteitag nicht nur daran, eine versöhnliche Stimmung zu verbreiten. Auch Trumps Programm ist kaum zu erkennen. Es wird viel davon abhängen, wie sich der Präsidentschaftskandidat bei seinem Schlussauftritt präsentiert, dem Höhepunkt der Trump-Show.

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