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Parteitag der Demokraten : „Trump hat nur leere Versprechen zu bieten“

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Hillary Clinton hat die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin angenommen. Ihr republikanischer Kontrahent Donald Trump wolle die Vereinigten Staaten durch Angstmacherei spalten, sagt sie auf dem Parteitag der Demokraten.

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          Hillary Clinton ist offiziell Präsidentschaftskandidatin der amerikanischen Demokraten und geht gegen Donald Trump ins Rennen um das Weiße Haus. Die frühere Außenministerin und First Lady nahm am späten Donnerstagabend bei ihrer Rede in Philadelphia die Nominierung durch den Parteitag an.

          Clinton war am Dienstag mit der großen Mehrheit der über 4700 Delegierten gewählt worden und hatte sich damit gegen ihren parteiinternen Rivalen Bernie Sanders durchgesetzt. Clinton ist damit die erste Frau überhaupt, die von einer der beiden großen amerikanischen Parteien ins Rennen um das Weiße Haus geschickt wird.

          Clinton stellte die Gemeinsamkeiten und den Zusammenhalt der Amerikaner in den Mittelpunkt ihrer Rede. Dabei warf sie ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump vor, das Land durch Angstmacherei spalten zu wollen. „Er will, dass wir die Zukunft fürchten und einander fürchten“, sagte sie. Trump wolle die Vereinigten Staaten „vom Rest der Welt abspalten und uns voneinander“.„Glaubt niemandem, der Euch sagt, er könne alles alleine lösen“, so Clinton. „Eure Anliegen sind unsere Anliegen“, sagte die in einen weißen Hosenanzug gekleidete Kandidatin.

          Trump behaupte, er wisse mehr über die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ als die Generäle der Armee. „Nein Donald, das tust Du nicht!“, sagte Clinton. Trump könne nicht einmal die Herausforderungen eines Wahlkampfes meistern. Geschweige denn die einer Präsidentschaft.

          Trump feuerte via Social Media zurück. „Niemand hat ein schlechteres Urteilsvermögen als Hillary Clinton. Korruption und Verwüstung folgen ihr überallhin, wohin sie auch geht“, schrieb der 70 Jahre alte Populist im Netzwerk Twitter.

          Clinton kündigt massivstes Konjunkturprogramm seit Zweitem Weltkrieg an

          Clinton kündigte an, die weitere Stärkung der amerikanischen Wirtschaft und die Schaffung von gut bezahlten Arbeitsplätze zu Schwerpunkten ihrer Amtsführung zu machen. Sie wolle die Wirtschaft so voranbringen, „dass jeder, der einen gut bezahlten Job will, ihn bekommen kann“, sagte Clinton, die in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit das massivste Konjunkturprogramm seit Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Beine stellen will. Dadurch sollten Arbeitsplätze unter anderem im Bereich der Öko-Energien, der Infrastruktur und der kleinen Unternehmen geschaffen werden. Die frühere Außenministerin wandte sich gezielt an jene Teile der Wählerschaft, die wegen ihrer wirtschaftlichen Situation frustriert sind und unter denen ihr Rivale Trump den Umfragen zufolge Anklang findet. Die amerikanische Wirtschaft funktioniere noch nicht so, „wie sie sollte“, gestand Clinton ein. Insofern gebe sie jenen arbeitenden Familien Recht, die „frustriert und sogar wütend“ über ihre Situation seien.

          Clinton bekannte sich in ihrer Rede auch zur Standhaftigkeit im Kampf gegen Bedrohungen wie dem internationalen Terrorismus. „Wir sehen mit klarem Blick, was auf unser Land zukommt“, sagte Clinton vor den Delegierten. „Aber wir haben keine Angst. Wir werden mit der Herausforderung wachsen, wie wir es stets getan haben“.

          Lob für Bernie Sanders

          Ihrem internen Widersacher im Vorwahlkampf, Bernie Sanders, reichte Clinton die Hand. „Bernie, Deine Kampagne hat Millionen von Amerikanern inspiriert, die Herz und Seele in unsere Vorwahlen investiert haben“, sagte sie unter dem Jubel der Delegierten. „Du hast wirtschaftliche und soziale Themen ins Zentrum und an die erste Stelle gesetzt, dort, wo sie hingehören", fügte sie hinzu. Clinton erklärte ferner, sie werde im Falle ihrer Wahl zur Präsidentin gemeinsam mit Sanders darauf hinarbeiten, Studiengebühren abzuschaffen.

          Clinton sicherte den Nato-Alliierten für den Fall ihrer Wahl zur Präsidentin ungeteilte Unterstützung zu. „Ich bin stolz darauf, unseren Alliierten in der Nato beizustehen, gegen alle Bedrohungen, denen sie gegenüberstehen, darunter auch aus Russland“, sagte Clinton. Donald Trump hatte vor kurzem erklärt, die Mitwirkung der Vereinigten Staaten in der Nato hänge davon ab, ob die Partner ihre Schulden beglichen hätten.

          Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

          Die Meinungsforscher sehen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der populistische Republikaner hat zuletzt aufgeholt und vor allem in ländlichen Regionen bei weißen, männlichen Wählern mit vergleichsweise geringem Bildungsniveau punkten können. Clinton hat viele Menschen aus der schwarzen und der lateinamerikanischen Minderheit hinter sich.

          Präsident Barack Obama und weitere führende Köpfe der Demokraten hatten Clinton am Vortag die Eignung attestiert. Zuvor schon hatte ihr Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton die menschlichen Fähigkeiten seiner Frau herausgestellt. Hillary Clinton habe sich von früher Jugend an für Benachteiligte eingesetzt.

          Tochter Chelsea hatte ihre Mutter als Frau vorgestellt, die ihr ganzes Leben dem Kampf für Kinder und Familien gewidmet hat. „Ich werde eine Kämpferin wählen, die niemals aufgibt und immer daran glaubt, dass es noch besser geht – wenn wir nur zusammen kommen und miteinander arbeiten“.

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