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Optimistische Stimmung : Ist Amerikas Wirtschaftsboom auch ein Trump-Effekt?

Die Wirtschaft brummt, die Stimmung ist gut – aber wie lange halten die guten Nachrichten an? Bild: dpa

Die Mehrheit der Amerikaner beurteilt die Lage der Wirtschaft laut einer neuen Studie als gut. Das sind die besten Werte seit der Finanzkrise 2007. Besonders eine Wählergruppe sorgt für den Stimmungsaufschwung.

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          Die Weltwirtschaft hat einen guten Lauf im Moment. Die Düsternis der Krisenjahre scheint, hoffentlich, endgültig der Vergangenheit anzugehören. Die Indikatoren in fast allen Regionen der Welt weisen schon seit geraumer Zeit nach oben, und zwar deutlich. Und das gilt selbst für die Eurozone: Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit fast acht Jahren. Sogar Italien findet aus der Rezession heraus; Krisenländer wie Spanien weisen beeindruckende Wachstumszahlen aus und führen so nebenbei vor, dass die Sanierungspolitik die erhoffte Rendite gebracht hat.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Nicht schlechter, wenn nicht noch besser stehen die Vereinigten Staaten da. Die amerikanische Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung, wenn sie die mit 4,7 Prozent im Februar nicht schon erreicht hat. Die Aktienkurse haben kräftig zugelegt, ob aus Vorfreude über das Wirtschaftsprogramm des Präsidenten Trump oder aus anderen Gründen.

          Und siehe da: Auch die Auffassungen der Bürger der Vereinigten Staaten spiegeln diese gute Wirtschaftsentwicklung wider. In einer Umfrage des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center – die Daten wurden von Mitte Februar bis Mitte März erhoben – schätzten 58 Prozent der befragten Amerikaner die Wirtschaftslage als sehr gut oder halbwegs gut ein. Die Beurteilung war die positivste seit der Finanzkrise 2007 – und sie war deutlich besser als im Frühjahr 2016, als nur 44 Prozent der Befragten die Lage so positiv einschätzten.

          Was erklärt diesen großen Sprung, den größten im Verlauf eines Jahres, was die Beurteilung der Wirtschaftslage anbetrifft? Die Meinungsforscher sehen einen Grund darin, dass vor allem republikanische Wähler die Wirtschaftsentwicklung heute deutlich positiver einschätzen als noch vor einem oder zwei Jahren.

          Republikanische Wähler besonders zuversichtlich

          Deren positive Einschätzung hat sich während eines Jahres fast verdoppelt, von 31 auf 61 Prozent! Wenn man will, kann man in der Wahl Donald Trumps, der mit einem wirtschaftsnationalistischen Programm mit starken Identitätselementen („America first“) für die Republikaner zum Präsidenten gewählt wurde, das Ereignis sehen, das die Stimmung unter den republikanisch gesinnten Wählern gedreht und in Übereinstimmung mit den „objektiven“ Daten gebracht hat.

          Das ist eine bemerkenswerte Aufhellung der Stimmung. Am Beginn des Vorwahlkampfs und während des gesamten Wahlzyklus 2016 wurde die Stimmung der Amerikaner als schlecht, verdrießlich, oft sogar als wütend beschrieben. Trump war Profiteur und Anheizer dieser Wut. Besonders unter weißen Wählern war der Pessimismus ausgeprägt; zwei Drittel und mehr sagten regelmäßig, das Land befinde sich auf einem falschen Kurs. Eine Mehrheit hielt den „Amerikanischen Traum“ für tot, satte achtzig Prozent der weißen Männer waren besonders pessimistisch, was die Zukunft des Landes anbelangt.

          Sehr viele von denen, nicht zuletzt jene Amerikaner ohne College-Abschluss, haben Trump gewählt – in der Hoffnung, nun werde sich auch für sie vieles zum Besseren wenden. Das Versprechen, ausländische Konkurrenz fernzuhalten, die amerikanische Industrie wieder zum Erblühen zu bringen und neue Arbeitsplätze für Amerikaner – und nicht für Einwanderer – zu schaffen, fiel bei ihnen auf fruchtbaren Boden; wobei es offenbar keine Rolle spielte, ob dieses Versprechen realistisch ist oder politische Illusion pur. Auffallend ist dennoch, dass Leute mit hohem Einkommen und mit hohen Bildungsabschlüssen die Wirtschaftslage heute besonders günstig einschätzen. Sie gehörten allerdings auch nicht zu denen, die übermäßig während der Krisenjahre gelitten hatten. Unabhängig davon gelangen heute alle Alterskohorten zu einem positiveren Urteil als vor einem Jahr. Der Trend ist eindeutig.

          Warnende Worte von Lagarde

          Die Momentaufnahme ist also positiv, die Aussichten sind rosig. Ist der Himmel tatsächlich wolkenlos? In Amerika hängt natürlich viel davon ab, ob Trump sein Programm – mit zweifelhaften Konsequenzen – durchsetzen kann oder ob es sich als Fata Morgana erweist.

          Im Falle eines Scheiterns kann die Stimmung auch wieder umschlagen. Für die Weltwirtschaft gilt das Wort der Geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, dass die Winde im Moment zwar günstig seien, aber über „aufgewühlten politischen Wassern“ wehten. Man spricht heute davon, dass die Welt auf dem Weg in eine „politische Rezession“ sei und die größten Gefahren für die globale Wirtschaft von geopolitischen Krisen ausgingen. Man denke nur an eine militärische Zuspitzung des Atom-Konflikts mit Nordkorea, und die Aussichten sind nicht rosarot, sondern schwarzgrau.

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