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Geheimdienstberichte : Wann wusste Amerikas Regierung von den Kopfgeld-Vorwürfen?

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten vergangenes Jahr im Einsatz in Afghanistan Bild: AFP

Die amerikanische Regierung soll schon im Februar informiert worden sein, Russland biete den Taliban Kopfgeld für getötete ausländische Soldaten. Womöglich sogar noch früher. Die Demokraten fordern Aufklärung.

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          Das Weiße Haus war möglicherweise schon früher als bisher vermutet über Geheimdienstberichte informiert, wonach Russland den radikalislamischen Taliban Kopfgeld für die Tötung amerikanischer und anderer ausländischer Soldaten versprochen haben soll. Die „New York Times“ berichtete am Montagabend, der amerikanische Präsident Donald Trump sei im Februar schriftlich über die Geheimdiensterkenntnisse informiert worden. Die amerikanische Zeitung hatte am Freitag als erstes über die Angelegenheit berichtet.

          Laut eines Berichts der Nachrichtenagentur AP habe Trump sogar schon im Jahr 2019 von den Vorwürfen erfahren. Demnach habe der damalige Sicherheitsberater John Bolton dem Präsidenten im März des Jahres die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse vorgelegt. Dies soll Bolton einem Kollegen gesagt haben.

          Alle von den Vorwürfen betroffenen Seiten haben die Berichte bislang dementiert. Trump schrieb am vergangenen Sonntag auf Twitter, weder er noch sein Vize Mike Pence noch Stabschef Mark Meadows seien je über einen solchen Sachverhalt informiert worden. Das russische Außenministerium sprach von „Unsinn“. Ein Taliban-Sprecher sagte, die Milizen wiesen die Anschuldigungen entschieden zurück.

          Trump-Sprecherin Kayleigh McEnany sagte am Montag, bei der Einschätzung der Vorwürfe gegen Russland gebe es bei den Geheimdiensten widersprüchliche Meinungen. „Es gibt bei den Geheimdiensten keinen Konsens“, sagte McEnany im Weißen Haus. „Tatsächlich gibt es widersprüchliche Meinungen.“ Geheimdienstinformationen müssten stets überprüft werden, bevor sie an den Präsidenten herangetragen würden. Nicht explizit bestritten hat die Regierung aber die Vorwürfe gegen Russland an sich.

          Die oppositionellen Demokraten haben derweil am Montag Aufklärung über die Berichte gefordert. „Der Kongress und das Land brauchen jetzt Antworten“, sagte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Montag. Sie forderte Auskunft von den Geheimdiensten an die Parlamentarier.

          Pelosi forderte in einem Schreiben an Geheimdienstkoordinator John Ratcliffe und CIA-Chefin Gina Haspel eine Unterrichtung aller Abgeordneten. „Es stellen sich folgende Fragen: Wurde der Präsident unterrichtet, und wenn nicht, warum nicht, und warum wurde der Kongress nicht unterrichtet“, schrieb die Demokratin.

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          Geprüft werden müsse auch, wie Russland zur Rechenschaft gezogen werden könne. Pelosi prangerte ein „unerklärliches Verhalten von Präsident Trump gegenüber Russland“ an. Die Demokraten werfen Trump eine zu nachgiebige Haltung gegenüber Moskau vor. Auch der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, forderte eine Unterrichtung der Parlamentarier. „Wir müssen wissen, ob Präsident Trump über diese Informationen unterrichtet wurde, und wenn ja, wann.“

          Die Enthüllungen kommen inmitten der Bemühungen Trumps um einen Truppenabzug aus Afghanistan. Die Vereinigten Staaten und die Taliban hatten sich im Februar auf ein Abkommen geeinigt, das den schrittweisen Abzug der amerikanischen Streitkräfte regelt. Voraussetzung für den Abzug ist allerdings ein Rückgang der Gewalt in Afghanistan. Die Vereinigten Staaten waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert.

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