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Amerikas neue Regierung : Trumps Establishment

  • -Aktualisiert am

Da geht’s lang: Donald Trump gibt schon bald Amerikas Richtung in der Welt vor Bild: Reuters

Amerika mit Russland, gegen China, Europa irgendwo mittendrin: Wird so die Ära Trump aussehen – jetzt, wo ein Ölmanager Außenminister wird? Gewiss ist das nicht. Denn die Weltpolitik ist unberechenbar.

          Das Amt eines Außenministers sollte man nicht überschätzen, auch wenn es sich um den amerikanischen handelt. Die Zeiten Metternichs und Bismarcks sind lange vorbei. Die großen Linien der auswärtigen Beziehungen werden heutzutage von Staats- und Regierungschefs gezogen, nicht von den zuständigen Ministern. Das wird auch bei Donald Trump nicht sehr viel anders sein.

          Dass er einen politisch unerfahrenen Ölmanager zu seinem Außenminister machen will, unterstreicht das nur: Rex Tillerson ist ausweislich seiner bisherigen Vita ein Mann, der gut darin ist, „deals“ zu schließen, und das auf allerhöchster Ebene. Das kommt dem Amtsverständnis, das Trump so oft im Wahlkampf geäußert hat, ziemlich nahe.

          Der Wechsel der Eliten

          Wie fast das gesamte Personaltableau Trumps lehrt auch die Nominierung Tillersons, dass Populisten natürlich nicht das Volk an die Macht bringen, in dessen Namen sie so gerne reden. Sie wechseln einfach nur die Eliten aus. So wie die anderen Millionäre und Milliardäre, die Trump in sein Kabinett berufen will, ist Tillerson Teil des amerikanischen Establishments. Die Mannschaft des gewählten Präsidenten besteht bisher zum Großteil aus Geschäftsleuten, Militärs und Berufspolitikern – das ist für amerikanische Verhältnisse keine völlig ungewöhnliche Zusammensetzung.

          Im Fall Tillersons fällt allerdings der potentielle Interessenkonflikt ins Auge, den er als Anteilseigner seines bisherigen Arbeitgebers im Verkehr mit rohstoffreichen Ländern haben wird. Man wird sehen, ob die Republikaner im Senat bei dieser Personalie zu Trump stehen; viele dürften ihn noch nicht als ihren Präsidenten sehen.

          Was außenpolitisch von Trump/Tillerson zu erwarten ist, wird man sehen. Die enge Beziehung, die der Manager angeblich zu Putin unterhält, spricht dafür, dass Trump tatsächlich versuchen wird, die Beziehungen mit Moskau zu verbessern. Merkels Plädoyer für eine Erneuerung der Russland-Sanktionen zeigt, dass das gerade im Verhältnis mit Deutschland (und Osteuropa) zu ernsten Auseinandersetzungen führen könnte. Amerika mit Russland, gegen China, Europa irgendwo mittendrin – wird so die Ära Trump aussehen? Gewiss ist das noch lange nicht. Die Weltpolitik kann genauso unberechenbar sein wie der künftige Präsident der Vereinigten Staaten.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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