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Einstellung zu Muslimen : Obama spricht Trump Eignung zum Präsidenten ab

  • Aktualisiert am

Zumindest in der Politik hat Donald Trump nicht mehr viele Fürsprecher Bild: AP

Das Weiße Haus hält Donald Trump als amerikanischen Präsidenten für untauglich. Dessen Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime entlarve ihn als „Marktschreier“. Die Republikaner müssten sich fragen, ob sie mit Trump in der „Mülltonne der Geschichte“ landen wollten.

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          Der republikanische Bewerber um das Amt des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, hat sich nach Ansicht des Weißen Hauses mit seiner Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime als untauglich für das höchste Amt in den Vereinigten Staaten erwiesen. „Was Donald Trump gestern gesagt hat, disqualifiziert ihn, als Präsident zu dienen“, sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest. Trump sei ein „Marktschreier“ mit „falschem Haar“. Die Republikaner müssten sich nun fragen, ob sie mit Trump in der „Mülltonne der Geschichte“ landen wollten.

          In seiner Stellungnahme prangerte Earnest den „Zynismus“ von Trump an, der mit den Grundwerten Amerikas spiele. Die Äußerungen seien „moralisch verwerflich“ und könnten überdies „Konsequenzen“ für die nationale Sicherheit haben.

          Vergleich mit Zweitem Weltkrieg

          Trump lässt sich von der Kritik an seiner Person indes nicht beirren. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag verteidigte er seine Aussage und verglich die von ihm geforderte Maßnahme mit dem Vorgehen des früheren amerikanischen Präsidenten Franklin D.Roosevelt. Das berichtet die „New York Times“. Roosevelt hatte nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941 zahlreiche Japaner, Deutsche und Italiener als „feindliche Ausländer“ klassifiziert. Etwa 130.000 Menschen wurden damals als Sicherheitsrisiko eingestuft und in Internierungslager eingewiesen.

          Zuvor hatten auch Trumps republikanische Rivalen im Vorwahlkampf dessen Vorschlag scharf zurückgewiesen. „Donald Trump ist verwirrt,“ twitterte beispielsweise Floridas früherer Gouverneur Jeb Bush. Der Senator Marco Rubio kritisierte die „beleidigende und befremdliche“ Erklärung Trumps, der seit Monaten konstant das Bewerberfeld der Republikaner für die Präsidentschaftswahl anführt. Und der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan ergänzte: „Das ist keine konservative Politik.“

          Bilderstrecke

          Der im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur führende Milliardär hatte am Montagabend in einer Presseerklärung die „vollständige und komplette Schließung“ der amerikanischen Grenzen für Muslime gefordert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung verlangte er, Muslime sollten nicht ins Land gelassen werden, bis klar sei, „was zur Hölle los ist“. Amerika habe keine andere Wahl, erklärte Trump. Seine Anhänger reagierten darauf mit Jubel und Applaus, wie auf einem Mitschnitt zu hören ist.

          Trump hatte seine radikale Forderung in der Mitteilung mit einer Umfrage begründet. Darin habe eine große Zahl der befragten Muslime Gewalt gegen Amerikaner in den Vereinigten Staaten bejaht, weil sie Teil des globalen Dschihad sei. Die Umfrage wurde angeblich im Frühsommer 2015 unter 600 Menschen gemacht. „Woher dieser Hass kommt und warum, das werden wir herausfinden müssen“, erklärte Trump. Solange diese „gefährliche Bedrohung“ bestehe, „darf unser Land nicht das Opfer von schrecklichen Attacken von Leuten sein, die nur an den Dschihad glauben“.

          Trumps Wahlkampfmanager Corey Lewandowski sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, dass sich das geforderte Einreiseverbot nicht nur auf muslimische Einwanderer, sondern auch auf Touristen und Studenten beziehe. Später sagte Trump in einem Interview auf „Fox News“, das Einreiseverbot solle nicht für muslimische Angehörige der amerikanischen Streitkräfte oder solche Muslime gelten, die in Amerika lebten.

          Mit seinem Vorschlag reagierte Trump auf den Anschlag im kalifornischen San Bernardino. Dort hatte ein offenbar mit dem radikalen Islam verbundenes Ehepaar am vergangenen Mittwoch 14 Menschen getötet.

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