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Obama wiedergewählt : „Ihr habt mich zu einem besseren Präsidenten gemacht“

  • Aktualisiert am

Demokraten im Konfettiregen Bild: REUTERS

Nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten haben die Amerikaner die bestehenden Machtverhältnisse weitgehend bestätigt. Nun appellieren Obama und Romney an die politischen Lager, die Spaltung des Landes zu überwinden.

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          Der amerikanische Präsident Barack Obama bleibt im Amt und hat den Amerikanern versprochen, das Beste liege noch vor ihnen. Wie sein unterlegener republikanischer Herausforderer Mitt Romney appellierte der Präsident an die politischen Lager, die Gräben zu überwinden. „Wir sind nicht so geteilt, wie es die Politik nahelegen mag“, sagte Obama in den frühen Morgenstunden in Chicago. Obama bleibt als Präsident auf Kompromisse mit einem auch nach der Neuwahl von den Republikanern dominierten Repräsentantenhaus angewiesen.

          Im Senat, wo nur ein Drittel der Sitze neu vergeben wurde, konnten die Demokraten ihre einfache Mehrheit verteidigen. Damit bestätigten die Wähler nach der teuersten Kampagne der amerikanischen Geschichte im wesentlichen die seit zwei Jahren bestehenden Machtverhältnisse. Obama kündigte an, er wolle sich unter anderem auf die Verminderung des Schuldenbergs, eine Reform der Einwanderungspolitik und eine neue Energiepolitik konzentrieren.

          Vorsprung deutlicher als erwartet

          Obama erhielt deutlich mehr Wählerstimmen als der republikanische Kandidat Mitt Romney. Im entscheidenden Gremium der Wahlmänner fällt sein Vorsprung vor Romney erheblich deutlicher aus, als es selbst optimistische Demoskopen der Demokraten erwartet hatten. Der Demokrat hatte sich in fast allen  sogenannten Schlachtfeldstaaten durchgesetzt, die besonders umkämpft waren, weil die Mehrheiten dort wechseln. Vizepräsident Joseph Biden bleibt an Obamas Seite.

          Der Präsident wandte sich vor Tausenden Anhängern in Chicago an die Amerikaner. Er stellte seinen Sieg sogleich in historische Perspektive: Mehr als 200 Jahre nach der Unabhängigkeit der einstigen Kolonien habe das Wahlergebnis das Land weitergebracht in der Aufgabe, „unsere Union zu vervollkommnen“. In ähnlichen Worten wie nach seinem Sieg 2008 verkündete Obama, das Beste liege noch vor den Vereinigten Staaten.

          Jeder Amerikaner, so Obama, verfolge seine individuellen Träume, aber die Nation stehe zusammen. „Egal, woran du glaubst, wo du herkommst, ob du weiß oder schwarz bist, Latino oder Indianer, schwul oder hetero: Du kannst es hier schaffen“, rief Obama unter dem Jubel seiner Anhänger. In Anspielung auf seine Rede vom Nominierungsparteitag der Demokraten im Jahr 2004, die ihn berühmt machte, bekräftigte der Präsident: „Wir sind keine blauen (demokratischen) und roten (republikanischen) Staaten, wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika.“

          „Das Jahrzehnt des Krieges ist vorbei“

          Der Präsident hob die Erfolge seiner ersten Amtszeit hervor. „Unsere Wirtschaft hat sich erholt. Das Jahrzehnt des Krieges ist vorbei“, rief er. „Ob ich eure Stimme verdient habe oder nicht, ich habe euch zugehört. Ich habe von euch gelernt. Und iIhr habt mich zu einem besseren Präsidenten gemacht.“

          Obama versprach, sich mit den Parteiführern von Republikanern und Demokraten zusammenzusetzen, um dringende Probleme wie Steuersenkungen, Schuldenbegrenzung und das Einwanderungsgesetz voranzubringen.

          Romney: Land an der Wegscheide

          Obama verwies auf den „schweren Weg“ des Wahlkampfs. Nachdem die Demokraten in dessen Verlauf bezichtigt worden waren, eine Schmutzkampagne zu führen, rechtfertigte Obama die „laute, komplizierte und manchmal schmutzige“ Auseinandersetzung, die wegen der Bedeutung des Meinungsstreits wichtig gewesen sei. Doch stünden die meisten Amerikaner gemeinsam in ihrer Hoffnung für eine bessere Zukunft.

          Obama gratulierte Romney zu dessen Wahlkampf und forderte ihn zur Zusammenarbeit auf. Obama sagte, er glaube an ein „großzügiges, leidenschaftliches, offenes Amerika“.

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