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Obama gegen Romney : Kopf an Kopf

In ihrem letzten Fernsehduell zeigte sich, dass Obama und Romney inhaltlich gar nicht so weit auseinander liegen. Aberwitzig verzerrt werden ihre Positionen bloß vom jeweils gegnerischen Lager.

          Vor der letzten Debatte zwischen Präsident Obama und seinem Herausforderer Romney hatten sich nur noch fünf Prozent der Wahlberechtigten, die auch zur Wahl gehen wollten, keine abschließende Meinung gebildet. Es ist möglich, dass ihnen das dritte Duell die Entscheidung leichter gemacht hat; möglich aber auch, dass sie weiterhin zweifeln. Denn sie erlebten einen Amtsinhaber, der seine leidenschaftslose Darbietung beim ersten Aufeinandertreffen mit übertriebener Aggressivität zu kompensieren suchte, und einen Möchtegern-Präsidenten, der zwar in puncto Erfahrung nicht mithalten konnte, der aber keinen so schlechten Eindruck machte, als dass man ihm das Amt des Präsidenten nicht anvertrauen könnte.

          Zieht man die rhetorischen Übertreibungen ab, dann lagen die beiden Kandidaten in der Sache, es ging um Außen- und Sicherheitspolitik, so weit nicht auseinander: Der eine, der Amtsinhaber, ist nicht der naive Gefährder amerikanischer Sicherheit, der andere, der Herausforderer, nicht der wilde Kriegstreiber - aberwitzig verzerrt werden beide vom jeweils anderen Lager.

          So gehen also der Demokrat Obama und der Republikaner Romney Kopf an Kopf in die letzte Runde dieses Wahlkampfes. In den nationalen Umfragen liegen sie gleichauf, mit einem leichten Trendvorteil für Romney seit seinem überraschend souveränen Auftritt in der ersten Debatte. In den verbleibenden Tagen wird sich der Wahlkampf auf eine Handvoll Bundesstaaten konzentrieren, in denen sich entscheiden wird, ob der alte auch der neue Präsident sein wird oder ob „Hoffnung und Wandel“ nur ein kurzes Interregnum waren. Angesichts einer von der Mehrheit der Wähler nach wie vor als unbefriedigend empfundenen Wirtschaftslage wäre es keine Riesenüberraschung mehr, sollte Obama nicht wiedergewählt werden, selbst wenn man das vor vier Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

          Aber 2008 hatten die Amerikaner ein romantisches Rendezvous mit der Geschichte. Heute treibt die meisten ein kühler Realismus um. Die Präsidentenwahl 2012 ist somit Referendum über vier Jahre unter Obama und Richtungswahl zugleich. Soviel kann man voraussagen: Die Wahl wird äußerst knapp ausgehen, es wird eine lange Wahlnacht werden. Auch das zeugt davon, wie gespalten Amerika ist.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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