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Obama-Berater erinnert sich : Merkel trat auch wegen Trumps Sieg wieder an

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Miteinander vertraut: Der frühere Präsident Barack Obama unterhält sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2013 auf dem Dach des Kanzleramtes in Berlin. Bild: dpa

Die Erinnerungen eines engen Beraters des früheren Präsidenten Obama erregen Aufsehen. In seinem Buch berichtet Benjamin J. Rhodes, warum Angela Merkel für eine vierte Amtszeit als Kanzlerin kandidierte.

          Der Sieg von Donald Trump bei der Präsidentenwahl 2016 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach den Worten eines Beraters des früheren Präsidenten Barack Obama darin bestärkt, abermals zu kandidieren. Das habe Merkel beim letzten Treffen mit Obama als Präsident gesagt, schrieb der langjährige Obama-Berater Benjamin J. Rhodes in seinen Memoiren, aus denen die „New York Times“ am Donnerstag vorab in Auszügen zitierte.

          Es sei Merkel bei ihrer Entscheidung darum gegangen, eine „liberale internationale Ordnung zu verteidigen“, schreibt Rhodes. Bei diesem „letzten“ Abschied von Obama habe die Kanzlerin „eine einzelne Träne im Auge“ gehabt. „Sie ist ganz allein“, erinnert sich Rhodes an Obamas Worte. Früher hatte Obama sie auch mal als „hart“, „tough“ und „zäh“ gelobt.

          Wenige Tage nach dem Abschiedsbesuch Obamas in Berlin erklärte Merkel dann offiziell, dass sie für eine vierte Amtszeit als Kanzlerin antreten werde. Sie habe seit dem Sommer 2016 jeden Tag darüber nachgedacht, sagte sie damals. Die internationale Stimmung, dass sie nach der Wahl Trumps die letzte Verfechterin liberaler Werte sei, dürfte enormen Druck auf sie ausgeübt haben. Doch Merkel mahnte: Keiner kann die Welt alleine retten.

          Merkel hatte Obama am 17. November 2016 zu einem Abschiedsbesuch in Berlin empfangen. Da lag der Wahlsieg Trumps, der viele in der westlichen Welt erschütterte, gerade neun Tage zurück.

          Obama war laut Rhodes von Trumps Erfolg überrascht und geschockt. Er habe einen Artikel gelesen, in dem behauptet wurde, Liberale wie er hätten eine entleerte kosmopolitische Globalisierung gepredigt, von dem sich viele Menschen abgehängt fühlten. Obama sei von Selbstzweifeln geplagt gewesen: „Und wenn wir uns geirrt haben?“ Vielleicht sei er mit seiner weltoffenen Politik zu schnell vorangegangen, zitiert die Zeitung weiter aus Rhodes Buch „The World as It Is“, das kommende Woche in den Vereinigten Staaten erscheinen soll.

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