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Wenn die Uni online lehrt : Ausländische Studenten müssen Amerika verlassen

Präsenz unerwünscht? Studenten an der Georgetown University in der Hauptstadt Washington (Archivbild) Bild: AFP

Wer mit Studentenvisum in Amerika ist, muss das Land verlassen, falls wegen Corona nur Online-Kurse stattfinden. Das hat die Trump-Regierung verkündet. Die Hochschulrektoren nennen den Beschluss entsetzlich.

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          Ausländische Studenten verlieren ihr Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Staaten, wenn ihre amerikanischen Hochschulen komplett auf Online-Unterricht umstellen. Das hat die amerikanische Heimatschutzbehörde klargestellt. Mehrere Universitäten hatten beschlossen, im Herbstsemester den Unterricht komplett online abzuhalten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Zu ihnen gehört die Harvard-Universität.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die neuen Richtlinien treffen nach Mitteilung des Heimatschutzes Studenten, die mit klassischen Hochschul-Visa (F1) in den Vereinigten Staaten studieren wollen oder schon studieren. Ihnen werden die Visa und die Einreise verweigert. Studenten, die bereits an den betroffenen Hochschulen eingeschrieben sind, müssen entweder das Land verlassen oder an eine Hochschule wechseln, die Präsenzpflicht im Unterricht verlangt, heißt es in der Mitteilung. Wer die Regeln verletzt, kann abgeschoben werden, stellt die Behörde klar.

          Der „American Council on Education“, in dem Hochschulrektoren organisiert sind, sprach von einer „entsetzlichen Entscheidung“. Die Richtlinien stifteten Verwirrung, nicht Klarheit. Viele Hochschulen planen für den Unterrichtsbeginn im Herbst hybride Modelle, die Videounterricht mit Präsenzkursen kombinieren. Solche Mischformen toleriert die Heimatschutzbehörde nur bis zu einem gewissen Maß. Sie verlangt zudem von den Hochschulen, dass sie von jedem ausländischen Studenten das Unterrichtspensum dokumentieren. Wenn die Hochschule kurzfristig etwa nach einem Krankheitsausbruch entscheidet, die ursprünglich als Präsenzseminare vorgesehenen Lehrveranstaltungen nur noch online zu geben, müssen ausländische Studenten ebenfalls das Land verlassen.

          Rund 10.000 Deutsche studieren in Amerika

          Jedes Jahr sind rund eine Million ausländische Studenten an amerikanischen Colleges und Universitäten eingeschrieben, darunter rund 10.000 Studenten aus Deutschland. Die meisten kommen aus China, Indien, Saudi-Arabien und Süd-Korea. Sie sind für viele Hochschulen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, weil sie in der Regel höhere Studiengebühren als Amerikaner zahlen.

          Für das Frühjahr hatte das Heimatschutzministerium angesichts der Pandemiekrise noch die Regeln gelockert und Online-Unterricht für Visa-Studenten toleriert. Diese Lockerung hat nun ein Ende gefunden. Die Entscheidung hat auch Auswirkungen auf Sprachschulen: Ausländer in Amerika können hier nur Unterricht bekommen, wenn er die Anwesenheit der Schüler über die ganze Zeit voraussetzt. Ferner trifft sie Personen, die an praktischen Lehrgängen in Amerika teilnehmen wollen (M1 Visum). Die amerikanische Regierung hatte bereits im Juni mit Beschränkungen für Spezialisten-Visa Firmen und Hochschulen die Rekrutierung von ausländischen Fachleuten erschwert.

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