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Vier Tage bis zur Wahl : So zäh ist der Endspurt im Rennen um das Weiße Haus

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch für die Wahl am Dienstag – eine Wachsfigur von Donald Trump in der Innenstadt von Krakau, Polen Bild: Reuters

Mit der Ziellinie in Sichtweite geben Clinton und Trump am letzten Wochenende vor der Wahl noch einmal alles – und tun sich trotzdem schwer. Dabei können beide auf überraschende prominente Unterstützung setzen. Eine Übersicht.

          Vier Tage sind es noch bis zum großen Tag – und die Terminkalender von Hillary Clinton und Donald Trump sind nach wie vor randvoll, obwohl laut der Nachrichtenagentur „Associated Press“ rund ein Viertel aller erwarteten Stimmen bereits abgegeben wurde. Beide Präsidentschaftskandidaten werden dennoch auch am Freitag weiter in den kritischen Swing-States auftreten, Clinton in Pennsylvania, Trump in New Hampshire, Ohio und ebenfalls Pennsylvania.

          Clinton kann im Wahlkampf weiter auf die Polit-Prominenz des Landes setzen: Sowohl Vize-Präsident Joe Biden als auch Präsident Barack Obama und ihr ehemaliger Gegenkandidat, der Senator Bernie Sanders, unterstützen sie. Auch der Rapper Jay Z und die Sängerin Cher werden am Freitag bei Spendenveranstaltungen und Konzerten die Werbetrommel für die Demokratin rühren. Dem Sender „CBS“ zufolge soll gar Sängerin Beyoncé ihren Mann Jay Z beim Wahlkampf für Clinton auf der Bühne unterstützen. Das Paar hatte bereits in der Vergangenheit Geld an die Kampagne der Demokratin gespendet.

          Melania Trump kündigt Agenda als First Lady an

          Für Trump dagegen stieg am Donnerstag Ehefrau Melania in den Ring und verteidigte ihren Mann bei ihrer ersten öffentlichen Rede seit dem Parteitag der Republikaner im Juli. „Er respektiert Frauen und er bietet ihnen gleiche Chancen“, beteuerte das ehemalige Fotomodell bei ihrer Rede in einem Vorort Philadelphias. Der Skandal um Trumps frauenfeindliche Äußerungen in einem veröffentlichten Video sitzt vielen Wählern noch in den Knochen. Melania Trumps Appell an die Frauen aus Pennsylvanias Arbeiterklasse kam da gerade recht – vor allem, weil Clinton in diesem Bundesstaat in Umfragen mit rund vier Prozentpunkten die Nase vorne hat. Insgesamt 20 Wahlmänner warten in Pennsylvania auf den Gewinner. Es sind Stimmen, die Trump gut gebrauchen kann.

          Auch kündigte Trumps Ehefrau ihre eigene Agenda an, sollte ihr Mann Präsident und sie dementsprechend die First Lady des Landes werden. Traditionell engagiert sich die Frau des Präsidenten während ihrer „Amtszeit“ für ein wichtiges soziales Thema. Michelle Obama hatte es sich beispielsweise zum Ziel gemacht, sich für eine gesunde Ernährung von Kindern einzusetzen und so Fettleibigkeit bei jungen Amerikanern zu bekämpfen.

          Trumps Ehefrau Melania will, sollte sie First Lady werden, gegen Mobbing in sozialen Medien kämpfen.

          Melania Trump will dagegen dem Mobbing in sozialen Medien ein Ende setzen, kündigte das ehemalige Fotomodel an. Eine ehrenwerte Agenda – die amerikanischen Medien machten sich allerdings prompt darüber lustig. Denn Melania Trump könnte mit der Umerziehung direkt beim eigenen Ehemann beginnen, der über seine Gegner schamlos auf Twitter herzieht. Eine Übersicht von den 282 Menschen, Orten und Dingen, die Trump bereits im 140-Zeichen-Stil beleidigt hat, hat die „New York Times“ hier zusammengestellt.

          Arbeitslosenzahlen sinken weiter – Dämpfer für Trump?

          Dazu kam am Freitagmorgen ein möglicher Dämpfer für Trumps Kampagne: Die amerikanische Regierung gab bekannt, dass im Oktober rund 161.000 mehr Amerikaner gearbeitet haben als im September. Die Arbeitslosenrate sei weiter auf 4,9 Prozent gesunken. Trump hat in der Vergangenheit oft betont, wie viele Arbeitsplätze Amerika durch Outsourcing nach Mexiko verloren habe. Er verspricht mehr Arbeit, Clinton dagegen kontert stets mit einem Verweis auf die Arbeitslosenstatistik unter Obama, die seit Jahren kontinuierlich am Sinken ist. Der neueste Bericht der Regierung bestätigt das abermals. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass Trump in seiner Panikmache vor schwindenden Arbeitsplätzen eine Kehrtwende machen wird.

          Erschreckend ist derweil das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage der „New York Times“ und des Senders „CBS“, die ausnahmsweise nichts mit dem Wahlausgang zu tun hat. Mehr als acht von zehn Wählern seien demnach von den Werbekampagnen der Präsidentschaftskandidaten angewidert, nicht begeistert. Dazu würde die Mehrheit aller Wähler sowohl Clinton als auch Trump als unehrlich und unvorteilhaft wahrnehmen. In den landesweiten Umfragen zum Wahlausgang liegt Clinton allerdings nach wie vor mit einem knappen Vorsprung vorne.

          Überraschend kam dagegen am Freitagmorgen die Meldung, dass Trumps Vizepräsidentenkandidat Mike Pence am Samstag gemeinsam mit Paul Ryan, einem der ranghöchsten Republikaner, der Trump in der Vergangenheit wiederholt öffentlich kritisiert hatte, auf der Bühne stehen wird. Es ist ein klarer Aufruf an die republikanischen Wähler, ihren Frieden mit Trump zu schließen und sich hinter den Kandidaten zu stellen.

          Das sollten Sie lesen

          Das Magazin „The New Yorker“ hat zwanzig Erstwähler porträtiert, die erklären, warum sie wählen und für wen. Mit dabei sind ein Bergarbeiter für Trump, ein Student für Grünen-Kandidatin Jill Stein, eine Rentnerin für Clinton und ein Veteran für den Liberalen Gary Johnson. Ein eindrucksvoller Spiegel der amerikanischen Gesellschaft.

          Eine Übersicht, worüber am Dienstag in Amerika eigentlich noch alles abgestimmt wird, hat F.A.Z.-Autor Frederik Seeler hier für Sie zusammengestellt.

          Passend zu Bernie Sanders Wahltermin-Marathon am Freitag hat F.A.Z.-Politikredakteur Oliver Georgi sich in Ohio bei Unterstützern des Senators umgehört. Die Videoumfrage zeigt, dass viele Sanders-Fans zwar bereit sind, Clinton vorerst einen Blankoscheck auszustellen – dann aber aus dem Weißen Haus Ergebnisse sehen wollen. Was sie sich genau wünschen, sehen Sie hier.

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