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Wahlen in Amerika : Michelles Kampf für Hillary

  • -Aktualisiert am

Vorbild für die Afroamerikaner, und viel beliebter als Hillary: Michelle Obama Bild: AP

Hillary Clinton versucht verzweifelt, die Herzen der Afroamerikaner zu gewinnen. Begeistert sind schwarze Wähler aber nur von Michelle Obama. Die First Lady kann die Menschen von der Präsidentschaftskandidatin der Demokraten überzeugen.

          Andrea Wright wird noch zwei Stunden lang stehen und warten müssen, bis Michelle Obama endlich die Bühne betritt. Doch die 35 Jahre alte Schwarze mit den lila gefärbten Haaren ist schon jetzt voll des Lobes für den Auftritt der First Lady in Charlotte. „Sie ist eine der klügsten, gewandtesten und stärksten Frauen, denen zuzuhören ich je die Ehre hatte“, sagt die Immobilienverwalterin. „Michelle Obama gibt uns farbigen Frauen Anlass, uns auf die Zukunft zu freuen. Man muss sich das mal vorstellen: Sie lebt im Weißen Haus!“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Auf den Schildern, die den Leuten im Kongresszentrum zum Winken in die Hand gedrückt wurden, steht aber nicht „Michelle“, sondern „Hillary“. Andrea Wrights Strahlen erlischt. „Für Clinton kann ich mich einfach nicht begeistern.“ Wright hat sich trotzdem den Tag freigehalten, um die Kundgebung für die demokratische Präsidentschaftskandidatin mitzuerleben, die sie nicht liebt. „Das fängt mit den E-Mails an“, erklärt Wright, „und geht bis zu Hillarys plötzlichen Versuchen, Kontakte zu uns Schwarzen zu knüpfen.“

          Zwei Frauen haben zugehört und nicken. „Amen“, sagt die eine. „Da spricht eine Realistin“, seufzt die andere. Sie habe noch nicht entschieden, sagt Wright, wen sie am 8. November wählen werde, Hillary oder den Kandidaten einer Kleinpartei. Nur so viel wisse sie: Sollte Donald Trump gewinnen, dann müsse sie nach Kanada auswandern. Wäre die Angst vor dem Republikaner nicht Grund genug, Clinton zu unterstützen? „Nein, verdammte Scheiße“, ruft Wright. Es gebe eine einzige gute Sache an Trump: „Er ist ehrlich. Er ist ein hasserfüllter Rassist, und das offenbart er jeden Tag.“ Bei Hillary Clinton dagegen könne man nicht unterscheiden, was sie nur dem Wahlkampf zuliebe sage und was sie wirklich meine. „Vielleicht ist auch sie eine Rassistin, nur eine heimliche.“

          Mehr Applaus für die Hunde als für Hillary

          Nach den jüngsten Ausschreitungen in ihrer Stadt hat sich Wright an der Aktion „Free Charlotte Hugs“ beteiligt: Mit anderen Freiwilligen bot sie Passanten an belebten Kreuzungen Umarmungen an. „Wir haben nichts gesagt und nichts gefragt, sondern nur geherzt: Pendler, Polizisten, Demonstranten, sogar Nationalgardisten.“ Andrea Wright würde auch Hillary Clinton an sich drücken. Doch sie misstraut ihr. „Ich kann mich nicht erinnern, dass Hillary je auf uns Schwarze zugekommen wäre, bevor sie unsere Stimmen brauchte.“

          Viele Afroamerikaner urteilen gnädiger über Clinton, die ihre kurze Begegnung als Vierzehnjährige mit Martin Luther King als politisches Erweckungserlebnis beschrieben hat und deren Ehemann Bill von der Schriftstellerin Toni Morrison als „erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten“ beschrieben wurde. Doch egal was Michelle Obama später auf der Bühne über ihre „gute Freundin Hillary“ sagt – bei jeder Erwähnung ihres Mannes, ihrer Töchter oder sogar ihrer Hunde Bo und Sunny applaudieren die Leute der First Lady fröhlicher und lauter als für die Kandidatin Clinton.

          Die darf zwar trotzdem damit rechnen, mehr als neunzig Prozent der „schwarzen Stimmen“ zu erhalten. Doch in Staaten wie North Carolina, wo Obama 2008 knapp gewann und 2012 dem Republikaner Romney unterlag, kommt es vor allem auf die Wahlbeteiligung der Afroamerikaner an. Wenn nur ein kleiner Teil von Obamas Anhängern zu Hause bleibt, dürfte Clinton keine Chance haben, in dem umkämpften Südstaat zu siegen.

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