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Nordkorea-Konflikt : Die Trump-Bremse

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump mit Verteidigungsminister James Mattis Bild: Reuters

Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis wird zum mäßigenden Faktor in der Nordkorea-Krise. Beobachter befürchten unterdessen, dass Trump mit Kim Jong-un persönlich über Atombomben verhandeln will.

          „Ich glaube, er fängt an, uns zu respektieren“, sagte ein zufriedener Donald Trump vorige Woche in Phoenix über den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. „Vielleicht kommt am Ende sogar etwas Positives dabei heraus. Die Medien sagen euch das nicht, aber es könnte sein“, mutmaßte er vor seinen Anhängern. Trumps Drohungen mit „Feuer und Zorn“ gegen Nordkorea schienen Wirkung zu zeigen.

          Doch die Genugtuung des amerikanischen Präsidenten war verfrüht, wie der neuerliche Raketentest vom Dienstag zeigte. Die nordkoreanische Rakete, die über Japan flog und anschließend ins Meer stürzte, sollte eine klare Botschaft an den Westen senden. Machthaber Kim Jong-un kündigte weitere Tests an.

          Die wütende Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. „Gespräche sind nicht die Antwort“, twitterte Donald Trump am Mittwoch an die Adresse von Nordkoreas Machthaber. Amerika habe 25 Jahre lang auf Verhandlungen gesetzt und „Erpressungsgeld“ gezahlt, schrieb der Präsident. Auf welche Zahlungen Trump konkret anspielte, blieb unklar.

          Der Tweet des Präsidenten bekräftigte eine Stellungnahme des Weißen Hauses, wonach im Konflikt mit Nordkorea weiterhin alle Optionen auf dem Tisch lägen. Verteidigungsminister James Mattis traf sich kurz danach mit dem südkoreanischen Verteidiungsminister Song Young-moo im Pentagon. Anschließend sagte er Reportern: „Die diplomatischen Lösungen gehen uns niemals aus.“

          James Mattis widersprach Trump also umgehend – die Möglichkeit zu Gesprächen mit Nordkorea bestehe immer noch. Der Verteidigungsminister wird von vielen Beobachtern zunehmend als mäßigendes Gegengewicht zum Präsidenten angesehen. Der pensionierte General der Marines widersprach Trump nicht zum ersten Mal. Er hatte dessen Politik kurz zuvor bereits beim Thema Transgender im Militär abgeschwächt.

          Der Minister sei eine Kraft der Ordnung und Ruhe in der Regierung, kommentierte die „Washington Post“. Dabei ist Mattis keineswegs zögerlich, wenn es um militärische Lösungen geht. Als General versuchte er, die Obama-Regierung von einem härteren Vorgehen gegen die Aktionen Irans im Jemen, im Irak und in Syrien zu überzeugen.

          Amerika verunsichert Verbündete

          Die Trump-Regierung riskiert unterdessen mit ihren widersprüchlichen Stellungnahmen zu Nordkorea, die Verbündeten Südkorea und Japan zu verunsichern. Bei vielen Kritikern entsteht der Eindruck, die Regierung verfolge keine klare Strategie. Das Problem wird dadurch verstärkt, dass es eigentlich nicht die hauptsächliche Aufgabe des Verteidigungsministers James Mattis ist, den diplomatischen Weg voranzutreiben. Die Führung müsste dabei das Außenministerium übernehmen.

          Das ist allerdings von Trump und seinen Vertrauten in den vergangenen Monaten systematisch geschwächt worden und Außenminister Rex Tillerson selbst hat dem wenig entgegengesetzt. Schlüsselpositionen, die im Hinblick auf die Nordkorea-Krise besonders wichtig wären, hat er immer noch nicht neu besetzt. Wichtige Experten- und Abteilungsleiterpositionen für Ostasien sind nach wie vor verwaist – und es gibt immer noch keinen amerikanischen Botschafter in Südkorea.

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