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Nordkorea-Konflikt : Die Trump-Bremse

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In dieser Situation befürchten manche Beobachter, dass Donald Trump trotz seines verbalen Säbelrasselns immer noch glaubt, dass er sich persönlich mit Kim Jong-un an einen Tisch setzen und verhandeln könnte. „Die Nordkoreaner versuchen die Spannung und die Gefahr immer weiter anzuheizen, um dann eine Art Friedensvorschlag zu machen. All das dient dazu, die Vereinigten Staaten unter Druck zu setzen, damit sie direkte Gespräche mit Kim aufnehmen, zu seinen Bedingungen. Das ist die große Falle“, sagte Daniel R. Russel, bis März im Außenministerium zuständig für Ostasien, der „New York Times“. Tatsächlich hatte Trump, der sich für einen großen Dealmaker hält, im Wahlkampf gesagt, er könne sich vorstellen, mit Nordkoreas Machthaber direkt zu sprechen – das wäre gar eine Ehre für ihn.

„Er wird seine Waffen nie aufgeben“

Auch Michael Auslin, Asien-Experte an der Stanford Universität, hält es für einen Fehler, mit Nordkorea verhandeln zu wollen. Kim Jong-un sei kurz davor, das Ziel seines Großvaters und Vaters, eine Nuklearmacht zu werden, zu erreichen. „Er wird seine Waffen nie aufgeben“, schrieb Auslin im Magazin „Politico“. Gespräche mit den Amerikanern könnten daran nichts ändern. Sie würden stattdessen die Allianz der Amerikaner mit ihren Verbündeten schwächen und China stärken.

Auch Trumps Vorgänger hätten schon geglaubt, Nordkorea an den Verhandlungstisch bringen zu können. Wenn Trump sich soweit überschätze, dass er glaube, in Stil eines Geschäftsmannes mit Kim Jong-un verhandeln zu können, werde er durch ein unvermeidliches Scheitern das Vertrauen der anderen Länder in die Vereinigten Staaten weiter erschüttern, so Auslin.

Stattdessen sollte die amerikanische Regierung etwas anderes tun, glaubt der Wissenschaftler: Nordkorea als Nuklearmacht akzeptieren und auf gegenseitige Abschreckung setzen. Dann könne man anfangen, einen realistischen Plan aus wirtschaftlicher Isolation, „roten Linien“ und definierten Schritten für mögliche Eskalationen zu erarbeiten. Sanktionen wären dann Strafmaßnahmen, keine Druckmittel für eine ohnehin nicht erreichbare Entwaffnung. „Das wäre dann ein kalter Krieg, aber nicht der neue Kalte Krieg“, schreibt Auslin. Wenn man Nordkorea als Atommacht anerkenne, gebe es eine Möglichkeit, die Bedrohung einzudämmen – schließlich versuche das Land nicht, anderen Ländern seine Ideologie durch militärische Expansion aufzuzwingen.

Eine streitbare Position, mit der sich die offizielle Regierungspolitik in Amerika nicht anfreunden will. Erst vor kurzem definierten Verteidigungsminister James Mattis und Außenminister Rex Tillerson ihre Strategie im „Wall Street Journal“ abermals: Eine Kombination aus Diplomatie und wirtschaftlichem Druck solle die vollständige und nachprüfbare Zerstörung aller atomwaffenfähigen Systeme in Nordkorea bringen.

Damit dieses Ziel Aussicht auf Erfolg hätte, müsste man allerdings zunächst China stärker unter Druck setzen, sagen Kritiker. Das Land ist immer noch der wichtigste Handelspartner Nordkoreas. Kim Jong-un jedenfalls hat diese Woche abermals gezeigt, dass ihn die Bemühungen der Amerikaner nicht so beeindrucken, wie Donald Trump zunächst geglaubt hatte.

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