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Nordkorea-Gipfel : Vietnam soll als Vorbild dienen

Der amerikanische Präsident Donald Trump (r) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un wollen sich Ende Februar in Vietnam treffen. Bild: AP

Präsident Trump will sich Ende Februar abermals mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un treffen. Für Vietnam als Austragungsort gibt es logistische Gründe. Doch auch die Symbolkraft ist groß – für Amerika und Nordkorea.

          Die Bühne für das zweite Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un steht fest: Am 27. und 28. Februar treffen sie sich in Vietnam, verkündete der amerikanische Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation. Schon jetzt sei viel erreicht worden: „Geiseln wurden nach Hause gelassen, nukleare Tests wurden eingestellt, und es gab keinen Raketenstart in den vergangenen 15 Monaten.“ Trump schreibt sich diese Erfolge zu: „Wäre ich nicht Präsident der Vereinigten Staaten, hätten wir jetzt einen großen Krieg mit Nordkorea.“

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Idee mit Vietnam ist nicht neu. Im vorigen Sommer machte Mike Pompeo kurz nach einer Nordkorea-Reise in Hanoi Station und sagte, der Präsident glaube daran, dass Nordkorea den Weg in eine Partnerschaft, wie ihn Vietnam und Amerika heute hätten, reproduzieren könne. Der Amerikaner meinte damit, dass sich Nordkorea ein Beispiel an dem südostasiatischen Land nehmen sollte. Denn Vietnam hat seit dem Ende des Kriegs eine Wandlung vom kommunistischen Entwicklungsland zum aufstrebenden Industriestandort vollzogen, vom einstigen Feind zu einem der wichtigsten Partner Amerikas in der Region.

          Schon damals wurde darüber spekuliert, ob der Besuch vielleicht auch der Vorbereitung eines zweiten Treffens zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber dienen sollte. Seit der Rede des Präsidenten steht das nun fest, der genaue Ort ist noch offen. Im Gespräch waren bisher die Hauptstadt Hanoi sowie die Hafenstadt Da Nang. Für Da Nang spricht, dass es sich vor nicht allzu langer Zeit mit dem Apec-Gipfel als Austragungsort politischer Großveranstaltungen bewährt hat. Zu den Gästen zählten damals auch Donald Trump und der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping.

          Ein vietnamesischer Polizist patrouilliert vor der nordkoreanischen Botschaft in Hanoi. Die Stadt ist als Austragungsort im Gespräch.

          Für die Wahl Vietnams als Gastgeber lassen sich logistische Gründe anführen. Die dortigen Landebahnen liegen in Reichweite der sowjetischen Iljuschin 62M, die dem Nordkoreaner als Privatflugzeug zur Verfügung steht. Der umfangreiche vietnamesische Polizeiapparat kann die Sicherheit seiner Gäste garantieren. Beide Länder haben Botschaften in Vietnam. Doch ebenso wichtig dürfte bei der Entscheidung die Symbolkraft gewesen sein, die Vietnam als Treffpunkt entfalten könnte. Die Entwicklung Vietnams könnte fast als Blaupause für Korea dienen: Ehemals in Nord und Süd geteilt, im Kommunismus abgewirtschaftet, hat Vietnam sich seither geöffnet und mit den sogenannten Doi-Moi-Reformen den Wandel zum internationalen Produktionsstandort vollzogen.

          Ein Treffen in Vietnam sendet das Signal, dass Frieden auch zwischen den erbittertsten Feinden möglich ist. Im Vietnamkrieg hatten rund 60.000 amerikanische Soldaten und Millionen Vietnamesen ihr Leben gelassen. Die Annäherung der ehemaligen Gegner begann im Jahr 1995 mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Vietnam erklärte sich damals bereit, die Rückkehr der Gebeine getöteter amerikanischer Soldaten in ihre Heimat zu ermöglichen. Dies ist ein Modell, das die Amerikaner mit Nordkorea wiederholen möchten. Zu den wenigen konkreten Ergebnissen des Gipfels in Singapur gehörte die Abmachung zur Überführung der in Nordkorea gefallenen Soldaten. Formal befinden sich die Amerikaner trotz des Waffenstillstands im Jahr 1953 immer noch im Krieg mit Nordkorea.

          In Da Nang, dem wichtigsten amerikanischen Luftstützpunkt während des Vietnamkriegs, reinigen die Amerikaner heute den Flughafen von den Resten des Dioxins, mit dem sie einst den vietnamesischen Dschungel entlaubt hatten („Agent Orange“). Bei amerikanischen Touristen ist Vietnam mittlerweile auch als Urlaubsziel beliebt. Die Vereinigten Staaten sind sogar der größte Exportmarkt der sozialistischen Republik. Dabei ist Amerika aus vietnamesischer Sicht nicht nur für die Wirtschaft ein gefragter Partner. Im Territorialkonflikt mit China sieht Vietnam die Vereinigten Staaten auch als Absicherung gegenüber dem dominanter werdenden Nachbarn.

          Zu Nordkorea unterhalten die Vietnamesen freundschaftliche Beziehungen. Aus Sicht Pjöngjangs gehört Vietnam in die Reihe der sozialistischen Bruderländer. Die diplomatischen Beziehungen reichen bis 1950 zurück. Ende des vergangenen Jahres hatte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong-ho Hanoi besucht. Vietnam hält trotz aller Aufbruchstimmung außerdem an einem politischen System fest, das keine abweichenden Meinungen und Opposition zur Kommunistischen Partei zulässt. Während der Westen ausgiebig Geschäfte mit dem Regime macht, landen kritische Blogger im Gefängnis. Seit Einführung eines drakonischen Internetgesetzes müssen Dienste wie Facebook „staatsfeindliche“ Inhalte löschen und Nutzerdaten mit den Behörden teilen. Diese Mischung aus wirtschaftlicher Offenheit und politischer Rigidität dürfte für Kim Jong-un auch als Modell ihren Reiz haben.

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