https://www.faz.net/-gpf-72lpx

Nominierungsparteitag : Neues Texas

Rede vor dem College in San Antonio: Viel älter als die Studenten, vor denen er spricht, ist der Bürgermeister selbst nicht. Nun steht er vor dem nächsten Karrieresprung Bild: Reuters

Julián Castro schickt sich an, Geschichte zu schreiben. Als erster Latino hält er auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten die Grundsatzrede. Der erst 37 Jahre alte Bürgermeister von San Antonio wird schon mit Barack Obama verglichen.

          2 Min.

          Mit 37 Jahren hat Julián Castro amerikanische Geschichte geschrieben, und das dürfte erst der Anfang gewesen sein. Am Dienstagabend hielt der Bürgermeister der texanischen Millionenstadt San Antonio die programmatische Grundsatzrede auf dem Parteitag der Demokraten in Charlotte in North Carolina - als erster Latino. Natürlich wurden gleich Vergleiche gezogen: Beim Parteitag 2004 in Boston in Massachusetts hatte ein bis dahin wenig bekannter Staatssenator aus Illinois mit Namen Barack Obama die „Keynote Speech“ gehalten und nicht nur die Delegierten elektrisiert, sondern sich auf die Bühne der nationalen Politik katapultiert. Vier Jahre später wurde Obama zum amerikanischen Präsidenten gewählt - als erster Schwarzer.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wie weit kann es Julián Castro bringen? Für seine 65 Jahre alte Mutter Maria „Rosie“ Castro steht außer Frage, „dass die beiden so weit kommen können, wie sie nur wollen“. Rosie Castro hat noch einen weiteren Sohn mit politischen Ambitionen: Juliáns eineiigen Zwillingsbruder Joaquín, der sich bei den Kongresswahlen am 6. November in einem neuen Wahlbezirk von Texas um einen Sitz im Repräsentantenhaus bewirbt.

          Von Programm für Minderheiten profitiert

          Julián Castro wurde am 16. September 1974 in San Antonio geboren, eine Minute vor seinem Bruder Joaquín. Die Mutter und ihr Lebenspartner Jessie Guzman waren nicht verheiratet; sie trennten sich, als die Zwillingsbrüder acht Jahre alt waren. Die Mutter, eine politische Aktivistin für die Rechte der stetig wachsenden hispanischen Minderheit, und die Großmutter, die aus Mexiko eingewandert war und ihren Lebensunterhalt als Köchin und Kindermädchen verdient hatte, erzogen die Jungen.

          Die beiden glänzten in der Schule, spielten Tennis in der „High School“, studierten zunächst in Stanford in Kalifornien, später in Harvard in Massachusetts Politik und Jura. Julián Castro ist ein entschlossener Unterstützer der „Affirmative Action“, jenes von Präsident John F. Kennedy 1961 durchgesetzten Programms zur positiven Diskriminierung von Angehörigen der Minderheiten beim Zugang zu Eliteuniversitäten. „Ich habe in meinem eigenen Leben gesehen, dass es funktioniert“, sagt er.

          Mit 83 Prozent wiedergewählt

          2001 wurde Castro in den Stadtrat von San Antonio gewählt, als Vertreter eines Bezirks, dessen Einwohner zu 70 Prozent Latinos sind. Dabei sprechen Julián und Joaquín Castro nicht einmal besonders gut Spanisch. Ihre Mutter hatte nur Englisch mit ihnen gesprochen. Heute hilft ihm sein Stabschef im Rathaus, ein jüdischer „Anglo“ mit tadellosen Spanischkenntnissen, hin und wieder auf die Sprünge, wenn sich Castro im Spanischen schwer tut. Ein erster Anlauf ins Bürgermeisteramt scheiterte 2005 knapp. Beim zweiten Versuch 2009 klappte es: Julián Castro wurde mit 56 Prozent für eine Amtsperiode von zwei Jahren gewählt.

          Bei seiner Wiederwahl 2011 erhielt er 83 Prozent der Stimmen. In San Antonio dürfen Bürgermeister vier Amtszeiten von jeweils zwei Jahren absolvieren. Julián Castro will bis 2017 Bürgermeister bleiben. Es sei denn, er wird auf einen Kabinettsposten in Washington in einer möglichen zweiten Amtszeit von Obama berufen. Oder er bewirbt sich um den texanischen Gouverneursposten in Austin. Julián Castro ist verheiratet und Vater einer Tochter.

          Weitere Themen

          Jetzt hat die Parteibasis das Wort

          Zukunft der Sozialdemokraten : Jetzt hat die Parteibasis das Wort

          Bis zum 25. Oktober dürfen nach der Vorstellungsrunde der Kandidaten für den SPD-Vorsitz nun die Mitglieder bestimmen. Online oder per Brief sollen sie entscheiden, wer die Sozialdemokraten in Zukunft führt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.