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Parteitag der Republikaner : Spaltung oder Versöhnung?

  • -Aktualisiert am

Ob Donald Trump auch sprichwörtlich von der dunklen Seite auf die helle wechselt, wird sich erst noch zeigen. Bild: AFP

Der Nominierungsparteitag der Republikaner ist bisher geprägt vom Gegensatz der Anhänger Trumps und seiner Gegner. Die entscheidende Frage, ob der umstrittene Kandidat die Partei einen kann, bleibt offen.

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          Die erste Nacht des Nominierungsparteitags der Republikaner in Cleveland hat einen Punkt deutlich zum Vorschein gebracht, der die Partei zumindest im Wahlkampf um das Weiße Haus weiter prägen wird: Auch bei dieser Eröffnungsfeier für Donald Trump, der in der nächsten Nacht zum Kandidaten gewählt werden soll, sind die Zerwürfnisse in der „Grand Old Party“ noch lange nicht überbrückt. Das zeigte sich auch darin, dass wirklich wichtige Politiker der Republikaner dem Parteitag fernblieben.

          Die Trump-Gegner versuchten noch, die Regeln für die Kandidatenwahl zu ändern, wurden jedoch von den Trump-Anhängern niedergebrüllt. Die „Never Trump“-Bewegung musste ihre Niederlage eingestehen und sich zurückziehen. Was das für eine Auswirkung hat, wird sich zum ersten Mal morgen zeigen, wenn die Wahl des Kandidaten ansteht.

          Nach der Zählung der „New York Times“ hat Trump mehr als 200 Stimmen mehr als er für die Nominierung benötigt. Doch wie viele der anderen Delegierten wird Trump, der für den Wahlkampf darauf angewiesen ist, die Reihen zu schließen und die Parteiflügel zu versöhnen, für sich gewinnen? Sein Nominierungsergebnis wird ein Indikator dafür sein, wie schwer es ihm die eigene Partei im Kampf gegen Hillary Clinton macht.

          Trump kann jedoch darauf hoffen, dass das Feindbild Clinton viele seiner innerparteilichen Gegner, wenn auch zähneknirschend, bei der Stange hält.

          Die Reden der vergangenen Nacht in Cleveland waren geprägt von düsteren Zukunftsvisionen, sollte die Demokratin die erste Präsidentin Armerikas werden. Hinzu kamen direkte harte Attacken gegen die ehemalige Außenministerin.

          Die Redner auf dem Podium versuchten, den Hass gegen die Demokratin zu schüren, indem sie ihr immer wieder vorwarfen, sie habe bei der Sicherung des amerikanischen Konsulats in Bengasi versagt, so dass dort bei einem Anschlag vier Menschen starben.

          Das war eine Botschaft, die zum Thema der Nacht, „Make America Safe Again“, passte und bei den Zuhörern sehr gut ankam, die bei der Rede des ehemaligen Generals und Trump-Beraters Flynn lautstark forderten, Clinton müsse ins Gefängnis.

          Donald Trump brach mit der Tradition der Republikaner und trat schon am ersten Tag auf die Bühne. Bilderstrecke

          Am besten aufgenommen wurde bei den Delegierten jedoch die Rede von Melania Trump, der dritten Ehefrau von Donald Trump. Sie beschrieb Donald Trump als Mann, der seine Familie liebe und sehr viel Mitgefühl habe. Das ist eine Nuance, die im Wahlkampf noch wichtig sein könnte, wenn es daran geht auch andere Wählerschichten, als die „Recht-und-Ordnung“-Fraktion anzusprechen. Dass sich nach der Rede herausstellte, dass sie in Teilen von Michelle Obamas Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Jahr 2008 abgekupfert war, und die etwas ungeschickte Verschleierung dieser Tatsache durch den Wahlkampfstab, der keinen Fehler zugab, sondern darauf bestand, ein Team habe in Zusammenarbeit mit Melania Trump die Rede geschrieben, wird wohl nur eine Fußnote bleiben.

          Zwar gab es in den Medien und auf Twitter große Aufregung darüber, doch haben die Anhänger des New Yorker Immobilienmoguls bis jetzt immer gezeigt, dass sie Trump-kritische Berichterstattung entweder ausblenden oder als Bestätigung ihres negativen Bildes der freien Presse verstehen.

          Donald Trump, der entgegen der Tradition kurz auf die Bühne trat, um seine Frau anzukündigen, wird seine große Stunde erst am Donnerstag haben, wenn er in seiner Rede die (wahrscheinliche) Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner annehmen wird.

          Dann muss er zeigen, ob er die Partei und auch die amerikanische Gesellschaft versöhnen kann und will, oder ob er weiter auf seine bis jetzt so erfolgreiche Taktik des von Pöbeleien durchsetzten Angriffs und der Spaltung des Landes setzt.

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