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Senats-Nachwahl : Alabama sagt Nein zu Roy Moore – und zu Trump

  • -Aktualisiert am

Roy Moore spricht in der Nacht zum Mittwoch zu seinen Anhängern über die Niederlage bei der Wahl in Alabama. Bild: AFP

Dem Demokraten Doug Jones gelingt im konservativen Alabama die Sensation und erhöht damit den Druck auf den Präsidenten. Unter dessen bisherigen Fürsprechern regt sich bereits Widerstand.

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          „Ich bin überwältigt, einfach überwältigt“, sagte Doug Jones. Er musste am Abend in Birmingham, Alabama, erst einmal minutenlangen Jubel abwarten, bevor er sprechen konnte. Jones hatte den Republikaner Roy Moore mit 49,5 zu 48,8 Prozentpunkten knapp geschlagen und wird nun Senator. Es waren nur ein paar zehntausend Stimmen, die den Unterschied machten – und 22.000 davon landeten bei so genannten write-in-Kandidaten, die Wähler aus Protest gegen das Kandidatenangebot in den Wahlzettel eintragen konnten. Am Ende war es die hohe Wahlbeteiligung, die den Demokraten zum Sieg verhalf. „Dieser Wahlkampf ging um Anstand und Respekt, um die Herrschaft des Gesetzes“, sagte der Wahlsieger.

          Alabama ist ein tief roter, also ein republikanischer Staat. Seit einem Vierteljahrhundert wurde hier kein demokratischer Senator mehr gewählt. Dass die Wahl überhaupt knapp war, war schon eine Sensation. Die Zahlen am Wahltag zeigten, dass 30 Prozent der Wähler Afroamerikaner waren – ein Rekord, der höher lag als in zwei Präsidentenwahlen von Barack Obama. Vor der Schließung der Wahllokale hatten Experten geschätzt, dass Doug Jones gewinnen könnte, wenn der Anteil der Schwarzen an allen Wählern bei mindestens 25 Prozent liegen würde. Den Demokraten ist es wie erhofft gelungen, bestimmte Gruppen zu mobilisieren – gebildete Weiße in urbanen Zentren konnten sie zumindest zum Teil an sich binden, daneben Afroamerikaner und Latinos.

          97 Prozent der schwarzen Frauen stimmen für Jones

          Keine Gruppe hat Doug Jones mit höheren Prozentzahlen gewählt als schwarze Frauen – sie stimmten zu 97 Prozent für ihn und „retteten das Land“ wie einige begeisterte Twitterer am Abend befanden. Lydia Polgreen, Chefin der Zeitung Huffington Post, schrieb auf Twitter: „Schwarze Frauen tragen diese Nation auf ihrem Rücken.“

          Nun auch Politik für diejenigen zu machen, die ihm zum Sieg verholfen haben, wird Jones‘ Herausforderung. Der ehemalige Staatsanwalt hatte sich bereits im Wahlkampf weniger auf Roy Moore konzentriert als seine Partei das getan hatte – in Washington werde er sich für die Belange des armen Staates Alabama und seiner Bürger einsetzen, sagte Jones in seiner Dankesrede.

          Für die Demokraten gilt es jetzt auch Lehren für die Strategiedebatte der Partei zu ziehen. Bei der Frage, wie sie im Süden wieder gewinnen können, können sich die Demokraten nicht auf weiße Wähler verlassen. Moore holte etwa bei den Weißen mit College-Abschluss 57 Prozent der Stimmen. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern starke Hinweise darauf, dass Rassismus bei der Wahlentscheidung eine zentrale Rolle spielt und andere Entscheidungskriterien überlagern kann. Die Demokraten können entweder versuchen, solche Wähler trotzdem für sich zu gewinnen – oder sie können auf die Mobilisierung anderer Gruppen setzen. Das ist in Alabama gelungen.

          Für den Republikaner Roy Moore sah es trotz der Skandale unterdessen nicht schlecht aus. Mehrere Frauen warfen ihm vor, sie als Teenager sexuell belästigt zu haben, als er in den siebziger Jahren bei der Staatsanwaltschaft war. Doch viele Demoskopen waren sicher, dass die Wähler in Alabama eine Abwägung vornehmen würden, wie schon bei Donald Trump. Gerade für die Evangelikalen, die in manchen Gegenden über die Hälfte der Wähler stellen, waren etwa Moores christlicher Fundamentalismus und seine Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen wichtiger.

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