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Psychogramm eines Präsidenten : Krieg, bis ihn alle lieben

Als hätte er sie gewonnen: Trump hält am 1. Juni vor der Kirche St. John in Washington eine Bibel hoch. Bild: AP

Pandemie, Rassismus, Polizeigewalt – Amerika könnte einen Landesvater gebrauchen, der Trost spendet und Zuversicht verbreitet. Doch im Weißen Haus sitzt ein Narziss, der nur mit einer Person mitfühlt: sich selbst.

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          Donald Trump wurde gefragt, ob sich Amerika jetzt im Kriegszustand befinde. Das war Mitte März, hatte also nichts mit den Protesten und Ausschreitungen zu tun, die das Land zehn Wochen später ergreifen sollten. In Minneapolis war der Afroamerikaner George Floyd noch nicht von einem weißen Polizisten getötet worden, in Washington hatte der Präsident noch nicht die Mobilisierung der Armee angekündigt, um das Land aus den Klauen von „Berufsanarchisten, gewalttätigen Mobs, Brandstiftern, Plünderern, Verbrechern, Randalierern, der Antifa und anderen“ zu befreien. Ist Amerika im Krieg? Die Frage bezog sich auf die Corona-Pandemie.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Wochenlang hatte Trump die Gefahr heruntergespielt, über ein wundersames „Verschwinden“ des Virus spekuliert, sich als „Naturtalent“ der Epidemiologie gepriesen und den Amerikanern versprochen, die Zahl der Infektionen rasch auf „fast null“ zu drücken. Doch Mitte März war nicht mehr zu leugnen, dass die Fallzahlen auch in Amerika explodierten. Daher die Frage des Reporters: Führen die Vereinigten Staaten jetzt auch Krieg gegen ein Virus? Trump zögerte nicht. Ja, er betrachte sich jetzt als „Kriegspräsident“. Das Wort gefiel Trump. Vier Tage später schwärmte er: „Ich bin wirklich zufrieden mit unserer Arbeit. Ich bin so froh, dass dieses Team und ich hier sind, um mit dieser fürchterlichen Sache umzugehen. Viele Leute haben es gesagt, und so fühlt es sich für mich auch tatsächlich an: Ich bin ein Kriegspräsident.“

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