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Trumps innerparteiliche Gegner : Sag niemals nie

  • -Aktualisiert am

Was tun seine Gegner nun? Der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (rechts) hielt zuletzt wenig von Donald Trump. Bild: dpa

„NeverTrump“: Auch in der Republikanischen Partei hatte Donald Trump zahlreiche Gegner. Müssen sie nun die Rache des neuen Präsidenten fürchten?

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          Newt Gingrich scheint seinen Gefühlsausbruch sichtlich zu genießen. „Weinerliche, wehleidige und negative Feiglinge“ seien die Republikaner, die am Dienstag nicht für Trump gestimmt haben, wettert der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses und Trump-Vertraute kaum 24 Stunden nach Ende der dramatischen Wahlnacht wenig diplomatisch. Im Kabinett des neuen Präsidenten könnte Gingrich Außenminister werden, munkeln Insider. In jedem Fall hat sein Wort im Trump-Lager Gewicht.

          #NeverTrump: Was als Hashtag bei Twitter begann, war auch innerhalb der Republikanischen Partei in den Monaten vor der Wahl zu einer Art Bewegung geworden. Zahlreiche Parteigrößen wie die Altpräsidenten Bush oder der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney schlossen sich an, dazu konservative Kommentatoren, Gouverneure und besonders viele Außen- und Sicherheitspolitikexperten.

          Auch etwa zwanzig aktuelle republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie ein gutes Dutzend Senatoren versagten Trump die Gefolgschaft, wenn auch jetzt längst nicht alle verraten, ob sie am 8. November wirklich gegen Trump gestimmt haben.

          South Carolinas Lindsey Graham ist einer der Senatoren, der offen zugibt, Trump nicht gewählt zu haben. „Gut, dass unsere Feinde sich so klar zu erkennen geben, damit wir, sobald wir im Weißen Haus sind, genau wissen, wo wir stehen“, droht die Trump-Vertraute Omarosa Manigault mit Blick auf Graham und andere Abweichler. Trump verfüge über „ein gutes Gedächtnis“ und man habe zudem bereits „eine Liste“ von Gegnern angefertigt.

          Auch der bereits erwähnte Newt Gingrich attackiert die Trump-abtrünnigen Republikaner im Kongress mit deutlichen Worten. „Die werden taktisch agieren und zu uns sagen ‚Seid gemäßigt, drängt nicht zu sehr, findet Kompromisse mit den Demokraten’“, so Gingrich gegenüber Fox News. „Aber dieser Weg ist ein Desaster und wir müssen uns im Klaren sein, dass sie uns nicht offen aktiv attackieren werden, sondern uns mit honigsüßen Worten zersetzen wollen.“ Man werde sich aber behaupten und die „NeverTrump“-Bewegung schon bald „im Ascheimer der Geschichte“ verschwinden, so Gingrich.

          Ganz so einfach ist es für Trump und seine Leute dann aber doch nicht. Trotz aller Rachegelüste sind sie in beiden Kammern der Legislative auch auf ihre innerparteilichen Gegner angewiesen. Dass viele Demokraten etwa für Trumps groß angekündigten Infrastruktur- oder Immigrationspläne stimmen, ist schließlich alles andere als wahrscheinlich. Und so gibt es neben markigen Ansagen in diesen ersten Tagen nach dem Überraschungssieg vom Dienstag auch viele versöhnliche Sätze in Richtung der Republikaner, die sich bisher nicht mit Trump anfreunden konnten. „Ein guter Führer“ sei „großmütig in der Stunde des Sieges“ und arbeite mit seinen Kontrahenten an gemeinsamen Lösungen, verkündet etwa der ehemalige Präsidentschaftsbewerber Ben Carson, inzwischen ein wichtiger Mann in Trumps Team.

          Trumps Gegner werden zahm

          Und die „NeverTrump“-Leute selbst? Viele sind sich offenbar nicht mehr so sicher, ob sie Trump wirklich „niemals“ unterstützen sollen. Als Amtsträger, die sich für die Interessen ihres Landes und ihrer Partei einsetzen, bleibe ihnen keine andere Wahl, so das Argument vieler gewählter Republikaner. Ausnahmen vom „Niemals“ scheinen also durchaus möglich. „Meine Hoffnung ist, dass Trump sich auf Themen konzentrieren wird, die uns vereinen und dass wir zusammen eine Ära der Aufgabenbewältigung beginnen“, so Senatorin Susan Collins aus dem Bundesstaat Maine, bis vor kurzem noch eine der größten Trump-Gegnerinnen. 

          Nicht nur im Kongress, sondern auch auf anderen Ebenen könnten sich viele frühere Gegner dazu durchringen, Trumps Regierung zu unterstützen, sei es nun aus Verantwortungsbewusstsein oder aus Rücksicht auf die eigenen Karrierepläne. Bedarf für Expertise, das räumen sogar führende Trump-Unterstützer ein, gebe es auf jeden Fall genug.

          Man müsse nicht so weit gehen und einräumen, dass die Republikanische Partei „die Partei Trumps“ sei, so der konservative Kolumnist Dan McLaughlin, selbst ein bekennender „NeverTrumper“. Für eine Weile werde es stattdessen einfach „die Partei mit Trump“ sein. „Das Beste, was wir tun können, ist, im Innern mitzuarbeiten, um die Partei in unsere Richtung zu bewegen und die dunkleren Instinkte, die Trump zum Vorschein gebracht hat, einzudämmen.“

          „Gestatten Sie mir einen aufrichtigen, nicht ironischen Tweet“, meldete sich am Tag nach der Wahl auch Bill Kristol zu Wort. Der einflussreiche Chef des neokonservativen Politmagazins „The Weekly Standard“ gilt als geistiger Vater der „NeverTrump“-Bewegung. Er hoffe, so Kristol via Twitter, dass „Trump sich als deutlich besserer Präsident herausstellt als von mir erwartet“. Diese Hoffnung dürften auch viele Trump-Anhänger teilen.

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