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Nach Tod von George Floyd : Die Wut wächst

Wütender Protest in London: In der britischen Hauptstadt ist es am Sonntag zu teilweise großen Demonstrationen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd gekommen. Bild: AFP

Tausende Menschen sind in London, Berlin und Kopenhagen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd auf die Straße gegangen. In Amerika eskaliert die Lage weiter. Donald Trump macht die Antifa verantwortlich – und will sie als Terrororganisation einstufen lassen.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Der Tod des Afroamerikaners George Floyd sorgt nicht nur in den Vereinigten Staaten für große Proteste, sondern auch in Europa. In Berlin haben am Sonntag abermals weit mehr als 1000 Menschen auf einer Demonstration dem bei einem brutalen Polizeieinsatz gestorbenen 46 Jahre alten Mannes gedacht. Unter dem Motto „Justice for George Floyd“ (Gerechtigkeit für George Floyd) zogen nach Polizeiangaben etwa 1500 Menschen vom Südstern in Berlin-Kreuzberg an den Hermannplatz in Neukölln.

          Sie protestierten gegen Rassismus und Polizeigewalt und forderten die Bestrafung der an dem Mord beteiligten Polizisten. Bereits am Samstag hatten sich unter dem Motto „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen) nach Polizeiangaben 2200 Demonstranten friedlich vor der amerikanischen Botschaft in Berlin versammelt, um sich mit der schwarzen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zu solidarisieren.

          Auch in London ist es am Sonntag zu teilweise großen Demonstrationen gekommen. Ein Protestzug mit mehr als Tausend Menschen zog an der amerikanischen Botschaft in der britischen Hauptstadt vorbei, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Auch auf dem Trafalgar Square versammelten sich laut BBC Hunderte Demonstranten. Sie hielten Schilder in die Höhe mit Slogans wie „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen) und „Justice for George Floyd" (Gerechtigkeit für George Floyd).

          Bilder von Nachrichtenagenturen zeigen zudem auch Demonstrationen aus anderen Teilen Europas. Demnach gingen Menschen in Dänemark und auf Zypern auf die Straßen und protestierten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

          Rund 1500 Menschen protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt in Berlin.

          Der 46-jährige Floyd war am Montag nach einem brutalen Polizeieinsatz in der amerikanischen Stadt Minneapolis gestorben. Einer der vier am Tod von Floyd beteiligten Polizisten wurde Medienberichten zufolge am Freitag des Mordes angeklagt und festgenommen. Der Beamte hatte minutenlang auf Nacken und Hals des Mannes gekniet. Der Afroamerikaner hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor. Bekannt wurde die brutale Tat durch Videos von Passanten.

          Die amerikanische Regierung will derweil die Antifa-Bewegung in Amerika als Terrororganisation einstufen. Das kündigte Präsident Donald Trump am Sonntag auf Twitter an. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Wie das mangels Organisationsstrukturen des losen Bündnisses funktionieren soll, blieb offen.

          Trump und andere Regierungsvertreter machen linksradikale Gruppen für die teils gewalttätigen Ausschreitungen in zahlreichen Städten verantwortlich, ohne jedoch Belege dafür zu liefern. „Die Gewalt und der Vandalismus werden von der Antifa und anderen gewaltsamen Gruppen des linken Flügels angeführt“, hatte Trump am Samstag gesagt. Der Präsident hatte bereits im vergangenen August erklärt, er erwäge, die Antifa zur Terrororganisation erklären zu lassen.

          Mehrere hundert Menschen protestieren am Sonntag in London mit Plakaten, auf denen steht: „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen).
          Auf Zypern, in der Hauptstadt Nikosia, läuft ein Mann mit einem Plakat mit der Aufschrift „George Floyd“ durch die Straßen.

          Die Proteste in den Vereinigten Staaten beginnen derweil zu eskalieren. In Minneapolis drängten Sicherheitskräfte Demonstranten mit Tränengas zurück. In anderen Städten von New York bis Los Angeles kam es ebenfalls zu Unruhen und auch zu Plünderungen. Auf Bildern waren vielerorts brennende Autos und Geschäfte zu sehen.

          Die Nationalgarde von Minnesota teilte am Sonntag mit, mehr als 5000 von insgesamt bis zu 10.000 mobilisierten Soldaten seien bereits im Einsatz. Die anderen Soldaten stünden bereit. Die Nationalgarde zählt zur Reserve der Streitkräfte und kann in Ausnahmesituationen in Bundesstaaten eingesetzt werden. Trump lobte den Einsatz der Nationalgarde in Minnesota am Sonntag in einem Tweet und mahnte, diese Kräfte sollten auch in anderen Staaten eingesetzt werden, „bevor es zu spät ist“.

          Nach Angaben des Senders CNN verhängten mindestens 25 Städte in 16 Bundesstaaten Ausgangssperren. Die Bürgermeisterin von San Francisco, London Breed, verkündete eine Ausgangssperre, die von Sonntagabend bis Montagfrüh 5 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) gelten soll. Zuvor waren Proteste in der Innenstadt in Plünderungen und Vandalismus umgeschlagen. Die Bürgermeisterin sagte, die Nationalgarde werde bereitstehen.

          In Los Angeles wurde ebenfalls die Nationalgarde angefordert, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Bürgermeister Eric Garcetti sagte dem amerikanischen Sender Fox News: „Das ist nicht länger ein Protest, das ist Zerstörung.“ In der zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten galt ebenfalls eine Ausgangssperre. Aus Chicago meldeten Medien, das Polizeipräsidium habe für die Beamten Zwölf-Stunden-Schichten angeordnet, um die Proteste unter Kontrolle zu bekommen.

          Trump will Antifa verbieten

          Vor dem Weißen Haus in Washington verhinderten Sicherheitskräfte am Samstagabend, dass sich Demonstranten dort versammelten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie ein Gebäude im Stadtzentrum brannte.

          Auch in New York protestierten wieder Tausende. Abermals kam es zu Ausschreitungen. Einige Demonstranten warfen Flaschen, zertrümmerten Geschäfte und zündeten Polizeiautos an, wie TV-Aufnahmen zeigen. Beamte setzten Pfefferspray ein. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

          Auch in Kopenhagen, Dänemark, kommt es zu lautstarken Protesten.

          In Indianapolis im Bundesstaat Indiana wurden in der Nacht zu Sonntag nach Polizeiangaben zwei Menschen in der Nähe von Demonstrationen getötet. Es war zunächst jedoch unklar, ob die Todesfälle in einem Zusammenhang mit den Protesten standen. Auf Twitter schrieb die Polizei, ihre Beamten seien nicht involviert gewesen und hätte keine Schüsse abgefeuert.

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