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Nach Romneys Niederlage : Wie viel Tea Party darf es sein?

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Es ist kein Zufall, dass es abermals ein Gouverneur aus Texas war – der früh gescheiterte Präsidentschaftskandidat Rick Perry –, der während der republikanischen „Primaries“ eine pragmatische Lösung vorschlug, die sich an Bushs Reformvorschlag von 2007 anlehnte. Perry war 2012 damit so wenig mehrheitsfähig in der Partei wie Bush fünf Jahre zuvor.

Den Republikaner fehlen Wähler bei den Latinos

Wählerbefragungen haben ergeben, dass am Dienstag 71 Prozent der Latinos für Obama gestimmt haben, vor vier Jahren waren es 67 Prozent. George W. Bush konnte bei den Wahlen 2000 etwa 35 Prozent der Latino-Wähler für sich gewinnen, 2004 immerhin rund 40 Prozent. Da Latinos die am schnellsten wachsende Bevölkerungs- und Wählergruppe sind, können die Republikaner auf Dauer vermutlich nur mit einer immigrationsfreundlichen Politik mehrheitsfähig werden. Wie die Republikaner wenigstens einige Anhänger unter den Schwarzen gewinnen können, weiß in der Parteiführung offenbar niemand.

Viele Wähler, vor allem junge Frauen, wurden von den republikanischen Senatskandidaten Todd Akin in Missouri und Richard Mourdock in Indiana abgeschreckt. Akin behauptete, bei einer „legitimen“ Vergewaltigung würde der weibliche Körper eine Schwangerschaft zu verhindern wissen; Mourdock sagte, eine Schwangerschaft sei selbst nach einer Vergewaltigung gottgewollt, weil jedes werdende Leben ein Gottesgeschenk sei. Akin und Mourdock bestellten damit ein Feld, auf dem der Vorwurf der Demokraten, die Republikaner führten einen „Krieg gegen Frauen“, erst richtig gedeihen konnte. Die Zustimmung zur Legalisierung der Homosexuellenehe bei Volksabstimmungen in den Bundesstaaten Maine und Maryland am Dienstag deutet darauf hin, dass immer mehr Amerikaner moralpolitischen Rigorismus ablehnen.

Suche nach künftigen Führungsfiguren

Nun steht die Republikanische Partei vor einer Richtungsentscheidung. Wächst bis zu den Kongresswahlen im November 2014 der Einfluss der rechtskonservativen „Tea Party“, die den Republikanern wesentlich zum Sieg bei den Kongresswahlen von 2010 verholfen hatte? Oder werden sich die zentristischen Kräfte durchsetzen und die Partei in der politischen Mitte verankern?

Als mögliche künftige Führungsfiguren werden Senator Marco Rubio aus Florida, der Gouverneur von Louisiana Bobby Jindal sowie die Senatorin aus New Hampshire Kelly Ayotte und die Gouverneurin von New Mexico Susana Martinez genannt – und natürlich Paul Ryan, der zwar nicht Vizepräsident wird, aber in Wisconsin den Sitz für seinen Wahlkreis verteidigte. Gemeinsam ist diesen Politikern, dass sie den finanz- und wirtschaftspolitischen Test der „Tea Party“ bestehen dürften, ohne durch extreme Positionen in der Einwanderungspolitik oder in moralisch-ethischen Fragen die Wechselwähler der politischen Mitte, die Latinos und die weiblichen Wähler zu verschrecken.

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